Ivica Vastic, Frostbrecher

Auch wenn der Auftakt der Bundesliga eisig und holprig war – es ist höchste Zeit für ein Ende der Gier nach Podestplätzen im Skiweltcup 

Jürgen Klopp ist ein origineller Mann, manche halten ihn sogar für witzig. Der Trainer von Borussia Dortmund weiss, dass eine Fußball-Meisterschaft eine unsichere Sache ist und jederzeit eine Wendung ins Traurige nehmen kann. Wenn seine Mannschaft wie am Samstag eher mit Glück als mit Brillanz 1:0 (gegen Bayer Leverkusen) gewinnt, nimmt er das mit einem Lächeln zur Kenntnis und man ahnt, dass der Mann weiss, dass das Glück auch zu den Anderen freien Zugang hat.

Das macht den Unterschied zu den Phrasendreschern, die nach einem Sieg von den „besseren Möglichkeiten“ schwafeln oder von einer „geschlossenen Mannschaftsleistung“.  Am Samstag wurde er zum 111. Mal im heurigen Jahr darauf angesprochen, ob Dortmund die deutsche Meisterschaft gewinnen werde und zum 111. Mal erwiderte er gelassen, dass weder er noch die Mannschaft sich mit diesem Gedanken befassen. Sie nehmen das Leben, und das besteht im Fußball halt aus Spiel, von Tag zu Tag. Sooft er auch darauf angesprochen werde, jedes Mal könne er nur diese selbe Antwort geben. „Wir können alles sagen“, räumte er dann ein, „aber wenn es die Wahrheit sein soll, kann ich nichts anderes sagen.“ Weiterlesen

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Der Kärntner Kick

Die Geschichte um Jörg Haiders Gemurkse mit dem FC und der Austria Kärnten findet im Rahmen des parlamentarischen Untersuchungsausschusses eine Fortsetzung

 Im Jahr 2007 hatte Landeshauptmann Jörg Haider ein Problem. Der FC Kärnten, als landesfürstliche Jubelbühne vorgesehen, dümpelte in der zweiten Liga herum. Gleichzeitig wuchs das neue Stadion aus dem Boden, in dem während der EURO 2008 drei Spiele stattfinden sollten. Der FC Kärnten um seinen Obmann Josef Steindorfer machte sich Hoffnung auf Hilfe, aber er tat nicht, was Haider wollte. Also trat der Landeshauptmann im Juni 2007 als Präsident des FCK zurück.

Er brauchte eine erstklassige Show und ließ er einen Retortenverein namens Austria Kärnten aus dem Boden stampfen, der die Lizenz des Erstligaklubs FC Pasching übernahm. Haider überwies dafür drei Millionen Euro an den Präsidenten des FC Pasching, Franz Grad. Die gesamten Aufwendungen für gescheiterte Vorhaben sollen bis zu acht Millionen Euro betragen haben, darüber herrscht bis heute Unklarheit.

Am 8. 3. 2007 hatte Haider noch hinausposaunt, er habe „bedeutende Unternehmen“, die den maroden FC Kärnten sanieren würden. Jetzt gab es plötzlich zwei Kärntner Elitetruppen. Die alte, der FCK, wurde von Haider gezwungen, Sponsorvertrag, Nachwuchsakademie, Spielstätte und eine Schar Talente Haiders neuem Spielzeug, der Austria, zu überlassen. Auf den Großteil der dafür ausgemachten Zahlungen wartet der 2008 in den Konkurs geschickte FCK bis heute.

Um die Austria auf feste Beine zu stellen, schickte Haider Fachleute wie seine Frau Claudia Haider und seinen Haberer Mario Canori in den Vorstand des Klubs. Diese visionäre Kraft dürfte auch die Bundesliga vom Kärntner Plan überzeugt haben, sie stimmte der Lizenzübersiedlung zu. Canori versprach, die Herkunft der fünf Millionen „Spielgeld“ (Canori) später einmal offen zu legen. Darauf wartet die kritische Öffentlichkeit bis heute. Weiterlesen

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Lehrbubenkorruption

„Es gab zwei Schmiergeldlinien“, sagt Peter Pilz.

Über die Agenturen Schmied und Haslinger seien insgesamt rund 960.000 € von der Telekom an das BZÖ und BZÖ-Politiker geflossen, so der Grüne. Nach drei Tagen von Zeugenbefragungen im parlamentarischen Untersuchungsausschuss ist Pilz nicht nur überrascht, er klingt sogar ein wenig verwundert. Und zwar über das Niveau der Schmiere. „Es ist dem BZÖ entsprechend“, meint Pilz. „Ich habe noch nie so eine primitive Grundkonstruktion von Schmiergeldzahlungen erlebt“, sagt er. „Das ist Lehrbubenkorruption. Sie sind nicht einmal beim Schmiergeld gut, sogar dort sind sie Dilettanten.“

Das Prinzip hat Pilz im Ausschuss mehrfach zur Sprache gebracht: „Erst Geld, dann Leistung.“ Eine interessante, wenn auch nicht sonderlich originelle Variante zur bekannten „Wos woa mei Leistung“-Inszenierung.

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Hubert beinhart

Hubert Gorbach sieht fit aus und konzentriert drein, als er mit seinem Anwalt Herbert Eichenseder das Lokal VI betritt.

Es ist Mittwoch Mittag, in der vergangenen halben Stunde haben sich die Journalisten Weckerln und Semmeln, Tortenecken und Schnitten besorgt. Denn die Befragung geht ohne Unterbrechung weiter und kein Berichterstatter will einen Unterzucker riskieren und Einzelheiten versäumen, wenn Hubert Gorbach in die Mangel genommen wird. Der Ex-Vizekanzler durfte in den vergangenen Monaten so gründlich im Medienkaokao baden, dass er bis auf weiteres ein Quoten- und Auflagenselbstläufer ist. Die Mechanik der öffentlichen Wirkungserzeugnis ist beim Untersuchungsausschuss also von der eines Zirkus nicht so wahnsinnig verschieden. Es geht um die spektakulären Tiere. Die in der Luft liegende Sensation hat die Stars der Aufdeckerszene hergelockt, sie vertreiben sich die Wartezeit mit ihren iPads, schlichten die Akten, die der Ausschus gern hätte und pflegen Kontakte mittels lautlos gestelltem iPhone. Schließlich muss man ja dem Parlament immer einen Schritt voraus sein.
Am dritten Tag des Untersuchungsausschusses zum Korruptionsunterthema „Konnte sich 2006 die verstaatlichteTelekom Austria eine Novellierung der Universaldienstordnung kaufen?“ hat ein wenig Klarheit in die Sache gebracht. Allerdings gehen die Meinungen, worin die Klarheit besteht, ein wenig auseinander. Stefan Petzner meint: „Nein.“ Peter Pilz sagt: „Ja.“
Hubert Gorbach nützt die Gelegenheit, in einem klaren Statement hauptsächlich Nebensächlichkeiten, die längst klar sind, klarzustellen. Die Novellierung der Universaldienstverordnung (UDV) war „sinnvoll, zweckmäßig und EU-konform“. Sagt Gorbach klar und deutlich.
Stefan Petzner verlässt zum 17. Mal an diesem Vormittag den Saal und nützt die Gelegenheit, mit strahlendem Lächeln einem Starjournalisten auf die Schulter zu klopfen. Der abgebrühte Medienprofi zuckt fast gar nicht zusammen.
Die Rollenverteilung im Saal ist längst klar. Peter Pilz (Grüne) spielt den Inquisitor, der mit unbewegter Miene Steinchen für Steinchen eines Mosaiks zusammenfügt, das nach seiner Auffassung eine Schmiergeldaffäre zeigt. Ein Teil der oft und oft in Zeitungen kolportierten Ansicht stellt den Vorzugsstimmenwahlkampf für die Nationalratswahl 2006 der amtierenden Justizministerin Karin Gastinger dar. 240.000 € sollen von der Telekom Austria über offenbar als sinnvoll erachtete Umwege ins BZÖ gelangt sein. Die Kleinpartei muss ziemlich flach gewesen sein, denn in mehreren Medien wurden bis heute vom BZÖ unwidersprochene Jubelmeldungen gedruckt, wonach Gorbach, der damalige Vizekanzler, „Geld aufgestellt habe“. Von „500.000 € von der Telekom“ war laut Pilz im Format zu lesen.
Was Pilz am Ende der Sitzung zu der öffentlichen Stellungnahme hinreißt, die Kunden der Telekom hätten den „Wahlkampf von Schmuddelparteien gezahlt“. Da war Hubert Gorbach längst aus dem Haus. Er konnte Pilz‘ Zusammenfassung nicht mehr hören, und selbst wenn er sie gehört hätte, würde das nichts an seiner knallharten Haltung geändert haben. Denn Schmuddelparteimitglied ist er längst ncht mehr. Im Herbst 2011 haben sie ihn aus dem BZÖ rausgeworfen.
„Ich hatte mit dem Wahlkampf 2006 nichts mehr zu tun“, sagt er mehrmals während seiner Befragung. Er hat damals zu diesem Zeitpunkt innerlich und äußerlich bereits von der Politik Abschied genommen, um wieder „in der Privatwirtschaft“ tätig zu werden. Er wird von mehreren Seiten auf die von Peter Hocheggers Agentur Valora abgewickelten Zahlungen angesprochen, die jeweils eine handschriftliche Notiz „Telekom“ tragen. Seine ehemalige Sekretärin Gabriele Kröll-Maier hat in ihrer Einvernahme vor der Polizei die Zahlungen geschildert, einen Teil habe sie sich selber behalten, den großen Rest habe Gorbach auf seinem Konto und seinem Sparbuch lukriert. Gorbach sagt dazu nichts. Er verweist auf das laufende Ermittlungsverfahren bei der Staatsanwaltschaft und will seine Rechte als Beschuldigter nicht durch eine Aussage als Zeuge mindern.
Stefan Petzner kommt wieder einmal vom Frischluftschnappen zurück in den Saal und begrüßt eine Starjournalistin mit einem Klaps auf den Oberarm und verschwörerischem Lächeln. Die Dame nickt höflich.
Gorbach wird zum Zusammenhang zwischen der UDV-Novelle und Zahlungen der Telekom an ihn befragt, die nach seinem Ausscheiden aus dem Ministeramt angeblich getätigt wurden. „Es gibt keinen Zusammenhang zwischen Zahlungen von „irgendwem an meine Sekretärin und der Universaldienstverordnung“, sagt Gorbach. Im übrigen verweist er auf das Ermittlungsverfahren und seine Rechte als Beschuldigter, die er und so weiter.
Ist auf Gorbachs Konto Geld eingegangen? Gorbach verweist auf das Ermittlungsverfahren und so weiter.
Warum er nie für die Telekom tätig wurde, nachdem er die Politik verlassen hatte, wird Gorbach gefragt. Der volksnahe Tribun aus Vorarlberg, der lange „auf der anderen Seite gesessen ist“ und daher die Bedürfnisse der Menschen aus nächster Nähe kennt, verweist bescheiden darauf, dass das „keine gute Optik ergeben hätte“, wenn der für Telekommunikation zuständige Minister anschließend für die Telekom werkt.
Man wird offenbar auch als vorarlberger Politiker reifer. Gorbach verkaufte 2005 als zuständiger Verkehrsminister die Bodenseeschiffahrt an das Unternehmen Klaus. Ziemlich billig, wie damals viele kritisierten. Bald nach seinem politischen Abschied wurde er Geschäftsführer des Unternehmens Klaus. Allerdings nur für einige wenige Monate. Vielleicht hatte auch das Unternehmen Klaus dazugelernt.
Petzner macht seinem ehemaligen Parteikollegen Gorbach auch frageähnliche Avancen. Und er sorgt wieder einmal für Klarheit. Nein, sagt Gorbach auf Petzners Erkundigung, ob die Telekom all ihre Wünsche bei der Novellierung der UDV durchgebracht habe. Den Wunsch, auch Telefonate über die Nummer 0900 kostenpflichtig zu machen, hatte ihr Gorbach abgedreht. Weiterlesen

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Ein Ringelspiel namens Untersuchungsausschuss

Der parlamentarische Untersuchungsausschuss zum Thema „hat sich die Telekom Austria 2006 ein Gesetz gekauft“ hat sein erstes erhebliches Ergebnis gezeitigt. Am Dienstag sind die Abgeordneten nämlich wieder draufgekommen, dass sie von der Staatsanwaltschaft einige Akten nicht erhalten haben. Es geht unter anderem um die Zeugenvernehmungen des ehemaligen Kabinettsmitarbeiters Stefan Weiss in Hubert Gorbachs (BZÖ) Infrastrukturministerium und um die Beschuldigtenvernehmung des ehemaligen Gorbach-Kabinettschefs Rüdiger Schender vor dem Bundesamt für Korruptionsbekämpfung. Sogar Stefan Petzner (BZÖ) und Peter Pilz (Grüne), ansonsten erbitterte Streiterwider und für die These, wonach für die Novellierung der Universaldienstverordnung (UVD) Schmiergeld  an das BZÖ geflossen sei, waren sich in diesem Punkt einig: das sei unhaltbar. Lächerlich mache sich der Untersuchungsausschuss, rief Hannes Jarolim (SPÖ). Pilz und Petzner regten an, Innenministerin Johanna Mikl-Leitner und Justizministerin Beatrix Karl (beide VP) vorzuladen.
An diesem Punkt wurde die demokratische Dramaturgie des Parlaments und seiner U-Ausschüsse sichtbar. Wahrheit Ja. Aber bitte nicht zu nahe bei mir!
Denn VP-Fraktionsführer Werner Amon wehrte sich mit Händen und Füßen gegen die Vorladung der beiden Damen. Mit dem exotischen Argument, die beiden Damen seien doch „nicht persönlich für die Übermittlung der Unterlagen zuständig“. Als ob es darum ginge, Handgriffe zu untersuchen und nicht politische Verantworrtung.
Schon am ersten Tag der Zeugenvernehmungen im Untersuchungsausschuss, am 26. Jänner, war der kunstvolle demokratische Tanz der VP-Truppe im  U-Ausschuss zu bewundern. Amon muss nämlich aufpassen, bei der Befragung nicht zu tief zu bohren, um nicht die Beteiligung der damaligen Kanzlerpartei ÖVP an den aufklärungswürdigen Vorgängen rund um die UVD-Novellierung ins Rampenlicht zu zerren. Immerhin erzählte Gorbachs Kabinettschef Rüdiger Schender, der Staatssekretär im Gorbach-Ministerium, Helmut Kukacka (VP) sei damals „in alle Vorgänge“ eingebunden gewesen.
Langsam kommt die Sache in Schwung. Im Oktober 2011 berichtete das „profil“ von einer angeblichen Warnung des Kabinettschefs von Innenministerin Mikl-Leitner, Michael Kloibmüller, die Telekom solle nicht eine „zu offensive Informationspolitik“ in Zusammenhang mit angeblichen Zahlungen (über mehrere Ecken) an die Lobbyisten Peter Hochegger, Alfons Mensdorf-Pouilly und andere betreiben. Jungwirth arbeitete im Kabinett des Staatssekretärs Kukacka, heute ist er Assistent des Telekom-Vorstandes Hannes Ametsreiter. Erst verweigerte Jungwirth, von Petzner auf die „Warnung“ Kloibmüllers angesprochen, die Aussage. Er sei diesbezüglich von der Telekom nicht von der Verschwiegenheitspflicht entbunden worden. Nach einem Aufstand Petzners und Pilz‘, gab Jungwirth schließlich zu, der von Petzner zitierte Aktenvermerk sei von der ehemaligen TA-Mitarbeiterin Eva Mattes nach einem Gespräch mit Ametsreiter und Jungwirth angelegt worden. Da Mattes selber nicht beim Termin  mit Kloibmüller dabei, war, habe sie die Sache offenbar ernster genommen, als sie war, meinte Jungwirth. Nämlich keine Warnung, lediglich ein Hinweis oder so. Jungwirth wurde von der Staatsanwaltschaft bereits dazu befragt. Der Akt sei jedoch, so Petzner, nicht dem U-Ausschuss gebracht worden.
Mattes‘ erste Aktenotiz vom 11. August wurde durch eine zweite Notiz am 12. August abgelöst. Angefertigt angeblich von Rudolf Fischer und Jungwirth. Nur damit man die Geschichte richtig versteht: Fischer war Vorstand der Telekom, Jungwirth Kukackas Mitarbeiter. Weiterlesen

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