Gestatten, Hans Niessl, Präsident

Hans Niessl ist ein neuer Präsident von Sport Austria mit alten Ansichten auf einem „roten“ Planposten, der die endlose Reihe von SPlern dort als Signal der Überparteilichkeit verkauft. Im Ernst.

Hans Niessl (68) schaut total gesund und fit und unternehmungslustig aus, wie er so auf dem Podium im praktisch leeren Saal des Lotterien-Gebäudes sitzt und eine halbe Stunde sein ambitioniertes Programm von längst bekannten Vorhaben und Anliegen des organisierten Sports vorträgt. Nur damit das später nicht untergeht: zu dem Umwelt-Tourismus-Sportproblem der Liftverbindung von Ötztal und Pitztal, das seit Wochen die Öffentlichkeit interessiert, gibt der gewiefte Diskursvernebler Niessl in zwei ausführlichen Stellungnahmen keine Meinung ab. Er vertraue diesbezüglich auf den Rechtsstaat, sag er, no na, er hätte auch sagen können: im Pitztal und im Ötztal wird so und so wieder die Sonne aufgehen und die Nacht wiederkehren. Das ist also die Energie und Entschlossenheit, die er in sein neues Amt, das er nach dem Abschied vom burgenländischen Landeshauptmannsessel angenommen hat, mitbringt.

Und das wichtigste aktuelle, drängende, schmerzhafte Thema des sexualisierten und andersartigen Machtmissbrauchs  im Sport gegen Schutzbefohlene erwähnt er überhaupt nicht. Und wird dazu auch nicht befragt. Ich wollte sehen, ob ein altes Alpha-Tier wie Niessl von selber darauf kommt, dass er auch dazu da ist, auf Schwache aufzupassen. Am Freitag, dem 8. 11. 2019 ist er in seiner ersten öffentlichen Stellungnahme als höchster Vertreter des Sports nicht darauf gekommen. Vielleicht sagt ihm demnächst einer der unzähligen Funktionäre, dass das nicht ganz unwichtig ist. Vielleicht sogar so wichtig wie die volkswirtschaftliche Bedeutung des „Sports“ und des damit zusammenhängenden Tourismus. *Übrigens wäre dieser Bereich endlich durch seriöse Berechnungen zu evaluieren, was derzeit im Umlauf ist, inklusive der vor Jahren von den Dachverbänden unter Führung des damaligen Sportunion-Präsidenten Hartwig Löger vorgestellten Sport-Wertschöpfungs-Papiers ist nicht einmal Voodoo-Ökonomie.

Niessl will mehr Geld für den Sport, er will die Online-Wettszene analog den Casinos Austria und den Lotterien zur Kasse bitten. Die Ehrenamtlichkeit, Rückgrat des differenzierten heimischen Sportsystems, soll gestärkt werden, finanziell und gesellschaftlich. Die öffentlichen Sportstätten sollen ganzjährig geöffnet und die tägliche Turnstunde eingeführt werden. Und das Berufssportgesetz soll endlich kommen. Alles schön und gut und altbekannt. Immer noch versteht sich der Sport und seine Vertretung als Bittsteller vor der Schwelle der Politik und das wird mit dem alten Politiker, der als SA-Präsident nun den alten Sportlehrer hervorkehrt, verlässlich so bleiben. Das System passt zu allererst auf sich selbst auf.

Die anwesenden Medienvertreter lassen das natürlich alles so durchgehen, auf ORF-Sport+ werden 2 harmlose Pseudofragen gestellt, damit das Kind einen Namen hat. Als Niessl auf sein Selbstverständnis als Demokrat angesprochen und jum eine Stellungnahme zur Tatsache gebeten wird, dass er als einziger Kandidat angetreten, mit 95% der Stimmen in GEHEIMER Abstimmung gewählt wurde und ein SPler in einer endlosen Reihe von Roten auf diesem Posten ist, liefert er ein Beispiel von Doubletalk, das in George Orwells  „Animal Farm“ gepasst hätte. Er habe als Landeshauptmann zig Jahre den burgenländischen Sportausschuss und immer zu einstimmigen Beschlüssen geführt, sagt er, um nach dieser umschweifigen Einleitung auf den Punkt zu kommen: Im Sport gehe es nicht um Parteipolitik, sondern um Gemeinsamkeit. Diese Geschlossenheit sei ein Zeichen der Stärke, sagt der SPler, der einem Spler folgt, der einem SPler folgte und so weiter. Immerhin ringt er sich zu der Feststellung durch, ein zweiter Kandidat wäre ja nicht verboten gewesen, dann wäre es halt zu einer „Kampfabstimmung“ gekommen. Merke: Demokratische Auseinandersetzung ist ein Zeichen der Schwäche.

Es ist nicht viel Fantasie notwendig, um sich auszumalen, dass es mit der Selbstbestimmung und Reform des verfilzten, anachronistischen Systems unter Niessl nichts wird. Einer der vifsten Machterhalter des Landes führt nun den offiziellen  Sport. Kein Wunder, dass sich junge Leute für diese Organisation nicht interessieren und die über den Sport bestimmenden Politiker sie nicht ernst nehmen, weil sie zu Recht der Ansicht sind, sie folge ihnen ohnehin auf Fingerzeig.

 

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Der Wiener Heurige hat nun einen asketischen Kollegen

Eliud Kipchoge lief am 12. Oktober in der Früh 42,195 Kilometer in 1:59,40,2, das war toll und wird für ihn, seinen Sponsor INEOS und die Stadt Wien Folgen haben

Ein „Weltrekord“ wie die „Presse“ sofort nach dem Ende des Events auf Seite 1 verkündete, war es halt doch nicht. Eliud Kichoge lief am Samstag Morgen zwar die Marathondistanz in 1:59,40,2, und also schneller als jeder andere Mensch bisher. Aber ein „Weltrekord“ setzt einen Wettbewerb unter klar definierten Umständen voraus, und das war das von vielen Wienern bejubelte Spektakel nicht.

Die vom britischen INEOS-Konzern mit geschätzt 30 Millionen Euro gekaufte Sause war ein Marketingartikel, eine Lehre für die Menschheit, dass „NoHumanIsLimited“, ein „Beweis“, dass Schuhe und anderes Klimbim Läufer schneller machen, ein Beweis für die Flexibilität der Wiener Stadtverwaltung, die binnen drei Monaten das Ereignis möglich machten, eine geradezu unbezahlbare, unfassbare, globale, nachhaltige Werbung für den Wien-Marathon 2020, ein zynisches Pseudo-Experiment mit einem Menschen und eine grandiose psychisch-physische Leistung des kenianischen Marathonläufers Eliud Kipchoge, der so locker ins Ziel rannte, als käme er von einer ausführlichen Spazierrunde heim und gestikuliere der Frau, er habe Hunger.

Aber ein Weltrekord war es nicht.

Der Weltverband der Leichtathletik ist auch schuld an der missbräuchlichen Verwendung des Wortes Weltrekord. Früher setzte ein solcher vergleichbare Umstände von Wettkampfort zu Wettkampfort voraus. Bestzeiten im Marathon und anderen Disziplinen, wo die Vergleichbarkeit fehlte, nannte man „Weltbestzeiten“. Aus Marketinggründen, so die wahrscheinichste Annahme, bezeichnete man irgendwann auch Marathon-Rekorde als „Weltrekorde“. Sowas lässt sich halt besser verkaufen, ist sofort verständlich und passt in unsere rankingsüchtige Zeit.

„Ich bin der glücklichste Mensch der Welt“, sagte Kipchoge nach dem Lauf. Sein Sponsor Jim Ratcliffe, Mitbesitzer des Sponsorunternehmes INEOS und einer der reichsten Briten, nannte ihn „geradezu übermenschlich, wie er den letzten Kilometer gelaufen ist“. Das war in der Tat eindrucksvoll. 41 Kilometer lang war Kipchoge von 7 Pacemakern umgeben, die alle fünf Kilometer wechselten. Lauter Welt- und Europameister sowie Rekrodhalte über die Langstrecke und Mittelstrecke. „Die besten Läufer der Welt“ sagte der große Sieger Ratcliffe. Er profitiert von dem Ereignis am meisten, nun ist INEOS die gute Firma, die Kipchoge auf dem Weg zur Predigt von „NuHumanIsLimited“ half, und nicht die Firma, die pro Jahr mit der Verarbeitung von Gas und Kohle rund 40 Milliarden Euro umsetzt. Ratcliffe ist ein Wohltäter, der die Menschen an ihr Potential erinnert, und er ist mit seinen zig Milliarden Euro Privatvermögen ja auch ein gutes Beispiel dafür.

Sportswashing nennt man das, Konzerne und Staaten wie Katar krallen sich Sportler oder Wettkämpfe und gerieren sich dadurch als Beförderer des Leistungs- und Chancengleichheitsgedankens. Ob das Anbeten des Prinzips von „immer mehr“ die Menschen glücklicher und den Planeten lebenswert macht, wird natürlich nicht diskutiert. Das schreibt uns der heilige Jim Ratcliffe einfach so vor.

Könnte es sein, dass das Ereignis im Prater an neokolonialistische Abläufe erinnert? Die billigen Arbeitskräfte kommen aus Afrika, die großen Profite bleiben in Europa. Auch der Hochleistungsfußball bedient sich bei der Rekrutierung seiner Nachwuchskicker noch der alten kolonialistischen Wege, nach Frankreich oder England kommen nicht nur aber zu einem erklecklichen Teil Kicker aus den alten Kolonien. Zinedine Zidanes Familie ist so ein Beispiel, seine Eltern wanderten aus Algerier nach Frankreich aus. Kenia, Kipchoges Heimat, erlangte 1963 die Unabhängigkeit von Großbritannien, Heimat des INEOS-Konzerns.

Das mag Zufall sein, die Inszenierung verstärkt freilich die Vermutung, hier gehe es um als richtig propagierte Dinge, die nicht mit rechten Dingen zugehen.

Laufen als Privatvergnügen, als Sucht, aus Mangel an anderen Interessen oder für die Gesundheit ist eine Sache. Was Kipchoge und Seinesgleichen machen ist Big Business. Hier handelt es sich nicht um ein Experiment mit einem Läufer und um den fadesten Marathon aller Zeiten, wie der Leichtathletiktrainer Wilhelm Lilge anmerkt. Hier sehen wir wie in einem Labor den Mutationssprung von Sport zum Büttel des Geschäfts. Dafür braucht es spektakuläre Anlässe und Leistungen wie den eben-nicht-Weltrekord von 1:59,40,2, zur Ablenkung und Bemäntelung.

Auch all die „wissenschaftlichen“ Untersuchungen über Verlust und Gewinn von Sekunden durch Kurven, Wind und schützende Mitläuferwand sind Ablenkungen. Das Spektakel nimmt all das aus dem Sport mit und zeigt es her: Seht, ich bin Sport, da Experten und Medien mich wie Sport behandeln. Der historische Moment besteht also nicht in der Markierung einer Bestzeit. Die ist hier nur ein Popanz, denn im sportlichen Lauf gilt sie als ultima ratio. Dort ist sie allerdings das Ergebnis eines komplexen Ablaufs, an dem Konkurrenten, unfrisierte Bedingungen von Ort, Zeit und Wetter, Wettkampfkalender und andere dem Sportbetrieb eigene und unverhandelbare Eigenschaften teilhaben. Hier wurden sämtliche Bedingungen manipuliert und gleichzeitig wird behauptet, die Zeit spiele dieselbe Rolle wie drüben bei den Sportlern. Natürlich musste Kipchoge laufen, aber er hatte Hilfe, die in allen anderen Umständen als unfair und disqualifizierend angesehen würden.

Hier kann man also fragen: was ist diese Zeit wert, wenn alle anderen Umstände so leicht gemacht wurden? Was ist übrigens mit Dopingtests? Hat sich Kipchoge der Dopingkontrolle unterzogen?

Die Inszenierung erinnert ein wenig an die Hilfe, derer sich Marcel Hirscher viele Jahre lang erfreute. Vielleicht ist eine andere, längere Marathonzeit als die Kipchoges aus dem Prater mehr wert, weil sie unter schwereren Umständen erreicht wurde? Vielleicht zeigt eine Zeit über 2:00 viel deutlicher, wozu ein Mensch fähig ist, weil sie gegen schwierigeres Geläuf, unangenehme Gegner und in Hitze oder Wind erbracht wurde? Was ist Kipchoges Zeit wert, wenn die ihm gewährten Umstände nicht wiederholbar sind? War das vielleicht gar nicht Kipchoges beste Leistung jemals?

Alles wurscht, die Marketingmaschine läuft, und das ist das Wichtigste. Wien ist nun bis ewig die Stadt des Marathon-Weltrekordes. Der Veranstalter des Wien-Marathons, Wolfgang Konrad, hat mitgeholfen, dass Kipchoge in Wien läuft und den bestmöglichen Werbecoup gelandet. Vielleicht merkt nun sogar die Stadt Wien, die ihn bisher eher stiefmütterlich behandelte, was sie an ihm hat. Bürgermeister Michael Ludwig war an Ort und Stelle, gratulierte Kipchoge und Konrad und scheint begriffen zu haben, welches Marketingpotenziel in der imagemäßigen und touristischen Verwertung dieses Ereignisses liegt.

Wien ist plötzlich die Stadt der Bestleistung, der Anstrengung und des mühelosen aber befriedigenden Schwitzens. Der Heurige hat einen asketischen Bruder bekommen.

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Fritz Baumrock, der letzte der großen Skilehrplanpäpste, ist tot

Fritz Baumrock   19.11. 1931 – 28. 08. 2019

 Ein Nachruf von Arno Klien

Ein ambitionierter Pädagoge, ein tiefgründiger, nachhaltiger, unbequemer Biomechaniker mit ausgeprägtem Sicherheitsdenken.

Kompromisslos, sachlich, konsequent, beharrlich in den Diskussionen, wobei er sich aber mit fachlich korrekten Argumenten durchaus auseinandersetzen konnte.

Allein seine Schulzeit war bedingt durch die Kriegswirren außergewöhnlich: er begann die Volksschule in einer einklassigen Landschule in Oynhausen, danach besuchte er eine zweiklassige Schule in Heiligenkreuz; es folgten der Besuch der Oberschulen in Melk, Wien 10 und ab 1945 in Baden bei Wien.

Die Matura legte er 1950 in der Bundesrealschule Wien 1, Schottenbastei ab. Im selben Jahr inskribierte er an der Universität Wien die Fächer Mathematik und Leibesübungen, die er 1955 mit der Lehramtsprüfung abschloss.

Mit dem Ablegen der Staatlichen Skilehrerprüfung 1953 begann sein Wirken im Bereich Schilauf, wobei seine fachlichen Verdienste durch eine Vielzahl von Publikationen speziell auf der theoretischen Seite inklusive des Schilehrwesens von besonderer Bedeutung wurden.

Er wird als Lehrer an der Pädagogischen Akademie zu einer Leitfigur der Lehreraus- und -fortbildung. In seiner Schitheorie weist er immer wieder auf seiner Meinung nach nicht beachteten biomechanischen Bedingungen des Schilaufs hin. Trotz aller Gegensätze erlangt er bei seinen Ideen zu einem Schilehrplan schließlich doch auch die Zustimmung von Stefan Kruckenhauser. Durch seine klaren sprachlichen und fachlich fundierten Formulierungen war er ein allseits begehrter Referent und Experte bei internationalen Kongressen, Schikolloquien und Seminaren, sowie als Mitwirkender im INTERTERM.

Ein Musterbeispiel für die genaue Analyse von scheinbar „biomechanischen“ Begründungen ist nachzulesen bei:

http://www.horst-tiwald.de/zdarsky/download/baumrock-scheinbegruendungen.pdf

Baumrock war ein Nonkonformist mit Unterhaltungsqualitäten als Bauchredner, der zwar streng – aber unter seinen Studenten beliebt war.

Sein Wirken im Schilauf in der Schule bescherte uns 3 Lehrpläne ab 1976, die immer noch Gültigkeit haben. Gemeinsam mit der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA) erschienen unter seiner Federführung neben dem Skilauf auch Broschüren für andere Sportarten unter dem Motto „Was ist wichtig – was ist richtig“. Diese Broschüren und Plakate beschäftigten sich mit der Sicherheit bei der jeweiligen Sportausübung.

Sein erstes Buch „Schilauf – Der Weg zur Fahrweise der Spitzenklasse“ (1959) wurde 1963 ins Japanische übersetzt und kam im Winter 1963/64 zum Einsatz, als Fritz mit vier ostösterreichischen Studenten (Klien, May, Otepka G. und Tscherne) als Schilehrer und Schischulleiter nach Japan eingeladen wurde. Erwähnt sei dazu eine Kuriosität – da er für den Winter von der Schule nicht frei bekam, konnte er nur während der Weihnachtsferien nach Japan reisen. Es durfte anscheinend aus der Sicht des damaligen „offiziellen Schilehrerwesens in Österreich“ nicht sein, dass neben dem Westen auch der Schi-Osten Österreichs im Ausland gefragt war, obwohl Repräsentanten wie Zdarsky, Lerch, Zehetmayer & Co diese Fehleinschätzung davor schon mehrfach widerlegt hatten.

Arno Klien,

Hollabrunn, am 1.9.2019

Die Geschichte des Sports ist in Österreich ein unterbelichtetes Thema. Periodika interessieren sich überhaupt nicht mehr dafür, auch wenn Sportjournalisten in ihrer sprachlichen Hilflosigkeit unzählige Mal die Phrasen „schrieb Geschichte“ oder „trug sich in die Geschichtsbücher“ verwenden. Man darf getrost annehmen, dass sie nicht wissen, wovon sie schrieben, wenn sie diese Wort schreiben.

Gott bewahre, es tritt wirklich ein historisches Ereignis ein, dann erkennen sie es nicht. Der Tod von Fritz Baumrock ist ein Einschnitt, ein Zeichen, das weit zurück in die Formierun der „sogenannten „Skination Österreich“ weist. Erst unlängst wurde sie mit dem Auftritt Marcel Hirschers im ORF zur Primetime lächerlich gemacht. Nicht durch Hirscher selbst, auch wenn er die ihm in den Schoss fallenden unangemessenen Huldigungen mit der Geduld des Unverständnisses über sich ergehen ließ. Die Narrenmacher kamen aus der Medienszene, die jeden Sinn für Proportionalität verloren hat und jede Anstrengung für die ihrem Beruf aufgetragenen Einordnung von Ereignissen in einen größeren Zusammenhang vermissen lässt. Nicht nur im Sport, selbstverständlich nicht, man sehe nur die endlose Reihe von „Wahlduellen“, in denen Politiker aufeinandergehetzt werden, das Publikum sitzt schenkelklopfend oder schalschwenkend daneben und Journalisten „analysieren“ eine Minute später den Spektakelwert, den weiter vermögen sie nicht mehr zu sehen.

Es ist eine Schande, und die Ignorierung von Fritz Baumrocks Tod ist nur eine weiterer, kleiner Hinweis auf die Erodierung der ethischen und intellektuellen Fundamente dieser Republik.

Johann Skocek

 

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Hirscher tritt ab oder ein Land fürchtet sich vor dem Abschied des Winters

https://www.deutschlandfunk.de/ski-alpin-hirschers-rueckritt-als-nationale-pflicht.1346.de.html?dram:article_id=458310

Das ist der Link, unter dem die einzig mir bekannte journalistisch-kritische Würdigung von Marcel Hirschers Abschied zu finden ist. Deutschlandfunk.Mittlerweile sind Österreichs Medien derart heruntergekommen, dass sie abseits der Hauptstraße Skandalon keine vernünftigen, überlegten, distanzierten Bericht mehr zustande bringen. Auch die wenigen halbwegs guten finden in den meisten Ausgaben für den Sport keinen Platz, wie der „Falter“, oder sie machen keine aktuellen Themen, wie „Dossier“.

Also bleiben im Wesentlichen die Süddeutsche und der Deutschlandfunk. Beide haben schon beim Skandal um Anton Sailer Österreich kritisch begleitet, die kindische Aktion mit der Pressekonferenz Hirschers um 2015, hinter der sich die nebbiche Nationalratswahldebatte anstellen musste, war nun wieder eine Gelegenheit, das Nachbarland als fremden Nachbarn zu beleuchten. Hirscher, der sich offenbar nicht einmal überlegt hatte und auch bei seinem letzten Auftritt so was von kein Charisma versprühte, hatte immerhin das Glück, für eine größere Malaise des Landes zu stehen: der Winter kommt langsam, aber sicher ab. Aber hören und lesen Sie selbst:

Ich wurde vom Deutschlandfunk zu der Pseudo-Staatsaktion auch befragt, soviel sei im Vorhinein verraten. Ich hätte meine Meinung gern in einem heimischen Medium zum Besten gegeben, aber, siehe oben. Also Blog. Und Deutschlandfunk.

 

Ski AlpinHirschers Rückritt als nationale Pflicht

Österreichs Skirennläufer Marcel Hirscher hat seinen Rücktritt erklärt. Medial groß zelebriert. Der österreichische Rundfunksender ORF verschob dafür sogar eigens ein Wahlduell zur Nationalratswahl. Doch hinter der Inszenierung steckt mehr. Österreich fürchtet um seine ökonomischen Interessen.

Von Jessica Sturmberg

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Der Österreicher Marcel Hirscher hat seine Karriere beendet – im Alter von 30 Jahre. (dpa / AP / Alessandro Trovati)
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„Euerm Auftritt ist ein Rücktritt vorangegangen, dem wir jetzt den Vortritt gelassen haben, darum fangen wir ein bisschen später an heute…“

Eine gute Stunde musste die Politik warten, bevor ORF-Moderator und Journalist Tarek Leitner die ersten beiden Politiker zum Wahlduell bat. Die sportliche Nachricht des Tages, die mit der Ansetzung der Sondersendung schon in der Luft lag, hatte Vorrang.

„Es ist wirklich keine große Überraschung mehr, es ist eigentlich vorweg … ja es ist heute der Tag, an dem ich meine aktive Karriere beenden werde.“

… hatte eine knappe Stunde zuvor Marcel Hirscher dem nicht mehr überraschten Fernsehpublikum verkündet. Die eigens angesetzte Sondersendung mit dem Titel „Marcel Hirscher – Rückblick, Einblick, Ausblick“ beschäftigte sich eine Stunde mit dem Rücktritt, mit der Reflektion der Karrierestationen, wie es weitergeht und vor allem dem Warum gerade jetzt auf dem Höhepunkt?

„Als wenn hinter Dir eine hetzende Herde Hunde steht“

Der zweifache Olympiasieger, siebenfache Weltmeister und achtfache Gesamtweltcupsieger offenbarte, wie – trotz aller Dominanz – wenig selbstverständlich die Siege, aber extrem hoch der Druck gewesen war:

„Für mich war das immer bildlich so vorgestellt, wenn Du mit dem Rücken gegen eine Mauer stehst und hinter Dir eine hetzende Herde Hunde und Du musst aufführen, es hilft nichts und so hat es sich für mich angefühlt, also ich hab gewusst, ich muss jetzt alles oder nichts und mir war damals bewusst, besser draußen als wie Vierter werden.“

Und dass mit den vielen Siegen die Erwartungen hoch blieben, während sein Hunger nach mehr Titeln und auch sein körperlicher Akku nachließen…

„dass einfach der Sommer schon fast zu kurz wird für die Zeit, die ich brauche um wieder 100 Prozent regeneriert zu sein. … ehrlich gesagt, dass ich nicht mehr bereit bin einfach den Preis zu zahlen“

Übertriebene mediale Inszenierung

Ein Rücktritt, so nachvollziehbar wie emotional, aber auch tatsächlich so bedeutend, dass dafür eine Wahlsendung verschoben werden sollte – für eine außerplanmäßige Nationalratswahl, die infolge der Ibiza-Affäre stattfindet? Johann Skocek, österreichischer Sportjournalist und Buchautor findet diese Bedeutungszuschreibung und Prioritätensetzung unverhältnismäßig:

„Aufgrund dieser Unangemessenheit dieser Geste, dieser medialen Inszenierung kann man schön sehen, dass hier etwas ins Rutschen geraten ist. Skisport hat längst nicht mehr die Bedeutung für Österreich, er weiß es nur noch nicht.“

Denn gerade indem diesem Rücktritt ein höherer Stellenwert als der politischen Auseinandersetzung beigemessen wird, werde deutlich, dass der Skisport um seine Bedeutung kämpfe, argumentiert Skocek.

„Auch in den größten Tagen des österreichischen Skisports wäre es niemandem in den Sinn gekommen, die Politik, die natürlich auch die Helden verehrt, diese Politik hinter diesen Helden einzureihen. Das war damals nicht notwendig. Jeder hat gewusst, wie wichtig der Skisport ist, jeder hat das akzeptiert. So darauf zu pochen war nicht notwendig.“

Marcel Hirscher gewinnt die Herren-Kombination in Pyeongchang (imago sportfotodienst)Marcel Hirscher gewann bei Olympia in Pyeongchang 2018 zwei Mal die Goldmedaille (imago sportfotodienst)
Der Bedeutungsverlust hat enorme ökonomische Auswirkungen

Um zu ermessen wie enorm die Bedeutung für Österreich ist: Der Skisport hat das Land über ein Jahrhundert kulturell geprägt, verborgene Täler wurden touristisch erschlossen und dadurch wohlhabend. Eine ganze Industrie hängt daran: Skitourismus, Bergbahngesellschaften, Skihersteller, Skischulen, Restaurants – tausende Arbeitsplätze, erläutert Sporthistoriker Rudolf Müllner von der Universität Wien.

„Wenn diese Tourismusmaschine ins Stottern kommt, dann ist es natürlich wirtschaftlich unglaublich schwierig für Dörfer, Kommunen und natürlich auch für Betriebe. Es gibt in diesem Land, da können Sie sicher sein, ganze Heerscharen von Marketing und Tourismusstrategen, die sich mit solchen Fragen beschäftigen und versuchen hier gegenzusteuern.“

Klimawandel, schmelzende Gletscher, rückläufiger Skitourismus

Gegen Entwicklungen, die unaufhaltsam voranschreiten: Klimawandel, schmelzende Gletscher, rückläufiger Skitourismus – in den Schulen ist Skifahren im Sportunterricht längst nicht mehr selbstverständlich und auch die mediale Aufmerksamkeit muss der Skisport inzwischen mit anderen gesellschaftlichen Ereignissen und Aktivitäten teilen.

„Da geht es ja nicht nur darum, was den Rennlauf betrifft und dass man Kunstschnee befährt, sondern es geht um dieses ganze Setting von Alpinismus, Neoalpinismus, dieses Heimatgefühl, Berge, Traditionen usw. Also hier wird ein ganzes Setting mittransportiert, dass auch natürlich immer wieder mitschwingt bei diesen Skiübertragungen.“

Dass auch seine Helden braucht, die Identifikationsfiguren und die Erfolge für den Österreichischen Skiverband ÖSV. Dessen Präsident Peter Schröcksnadel fand zwar viele bewundernde Worte für Marcel Hirscher und seine Entscheidung. Dass er es aber sicher gerne anders gehabt hätte, schwingt auch in diesem Statement mit:

„Bei den Herren – ich habe das nachgezählt – wenn man die Punkte vom Marcel im Herren-Gesamtcup, also Nationencup, abzieht, dann sind wir 100 Punkte hinter der Schweiz – hm, Alarmzeichen? – das wird für uns sehr, sehr schwierig.“

Nicht nur die Frage nach der nächsten Generation, die diese Punkte- und Imagelücke von Marcel Hirscher im Skileistungssport füllen könnte, dürfte Österreich jetzt beschäftigen, sondern auch, wie es generell im Verhältnis zum Skisport steht.

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Die Standhochspringer

Ich habe den Fehler gemacht, am Dienstag, dem 10. September, die Diskussion der Sportpolitiker mit Sportfunktionären zu besuchen. Dem Termin war ein Forderungskatalog an die bei der Nationalratswahl antretenden Parteien durch die Bundes Sportorganisation vorausgegangen. Es ging dabei wie immer um den „Stellenwert des Sports in Gesellschaft und Politik“, bis auf wenige Punkte handelt es sich um dieselben Themen, die schon seit mindestens 25 Jahren abgehandelt werden. (Siehe das Dokument auf dieser Website).

Natürlich wollen Sportfunktionäre mehr Geld, das versteht man sogar, denn die Bundes-Sportförderung wurde seit 2010 nicht mehr valorisiert. Spenden an Sportvereine sollen steuerlich absetzbar gemacht werden, die Ehrenamtlichen hätten gern steuerliche Vorteile. Ein Berufssportgesetz muss endlich her, darüber wurde zum letzten Mal unter Schwarz-Blau I rund um die Jahrtausendwende ernsthaft diskutiert. Alle großen Koalitionen und namentlich die drei SP-Sportminister Norbert Darabos, Gerald Klug und Hans-Peter Doskozil haben sich nicht darum geschert.

Auch ein bundesweiter Sportstättenplan ist überfällig, derzeit wird der Schwund an Nachwuchstalenten durch die lückenhafte Infrastruktur noch verstärkt. Es ist beispielsweise ein Wunder, dass Österreich angesichts der mangelhaften Versorgung mit 50 m-Becken überhaupt noch Schwimmer hervorbringt, die bei internationalen Wettkämpfen zugelassen werden. Eine Erhöhunh der Zahl von Heeressportlerinnen ist hingegen nicht notwendig, man müsste bloß die vorhandenen Plätze nach Leistung vergeben und nicht nach Einfluss, denn derzeit werden vom ÖSV ungefähr so viele AthletiInnen von Bundesheer, Innenministerium und Finanzministerium versorgt wie von allen anderen Verbänden zusammen. Im Finanzministerium (Zollwache) sind überhaupt nur ÖSV-Leute zugelassen.

Die Aufwertung der Bewegungserziehung in Kindergarten und Schule ist ein altes Lieblingsthema der Sportverbände und –Minister, vielleicht auch deswegen, weil sie dort nichts zu sagen haben. Rührend wirkt die Forderung nach einer Programmreform im ORF zugunsten des Sports und eines Sportministeriums. Man kann nur hoffen, dass Ende September eine halbwegs vernünftige Person den Sport in der Regierung umgehängt bekommt und die realitätsbefreiten Sportfunktionäre aufweckt.

Die Diskussion war dem anachronistischen Fragenkatalog durchaus angemessen. Nicht nur behielt der ORF-Präsentator Rainer Pariasek die Fragehoheit, solange ORF Sport+ live sendete, er sorgte dafür, dass die Diskussion an der Oberfläche blieb. Alle Fragen, alle Antworten hat man in den vergangenen  ermöglichte der FPÖ-Sportsprecherin Petra Steger wiederholte Behauptungen, die „zu früh beendete“ Regierung haben das beste Programm seit langem verfolgt und sei leider bei der „Umsetzung“ – warum verwenden Politiker so gern diesen dummen Terminus? – leider gestört worden.

Die Liste Jetzt hatte keinen Sportsprecher geschickt, wahrscheinlich beschäftigen sie sich in ihrer existentiellen Not und der absehbaren Verabschiedung aus dem Parlament nicht mit solchen Marginalien. ÖVP-Sportsprecherin Tanja Graf sagte „krankheitshalber“ knapp vor der Diskussion ab. SPÖ-Sportsprecher und ASKÖ-Präsident Hermann Krist blieb es vorbehalten, gegen Steger und NEOS-Sportsprecherin Edith Kollermann die Sportpolitik der vergangenen Jahre zu verteidigen und gleichzeitig den Stellenwert des Sports als unzulänglich zu beweinen.

Petra Steger konnte nicht oft genug  betonen, wie super denn die Politik der Regierung hätte sein können. Doch von der vielbesprochenen „Sportstrategie Austria“ ist zwei Jahre lang nichts bekannt geworden,  was über (altbekannte) Schlagworte hinausginge. Steger hat sich in all ihrer Jugend bereits voll in den alten Politsprech der Funktionäre rund um sie hineingelebt: es hängt laut BSO an der Politik, dem Sport den ihm angeblich zustehenden Stellenwert zu geben. Neue Vorhaben wie die Valorisierung der Sportförderung, Sport-Abgaben von Online-Wettanbietern und steuerliche Absetzbarkeit der Spenden für Sportvereine haben Steger und Konsorten nicht zustande gekommen.

Das ist kecker Unsinn. Seit Jahrzehnten führen uns die Sportfunktionäre ihre politische Unfähigkeit und reformatorische Unbedarftheit vor Augen. Noch immer existieren DREI Parallelorganisationen, die den Breiten-etc-Sport organisieren – nicht schlecht, nicht unambitioniert, aber halt mit viel zu hohen Kosten. Vom sportinherenten Filz redet ach nie jemand, ein Mann wie Hermann Krist ist Verbandspräsident (ASKÖ), Nationalrat (SPÖ), Sportsprecher (SPÖ) in einer Person. Und er ist ein Beispiel für viele Männer, die mehrere Hüte auf dem Kopf tragen und das Problem gar nicht verstehen, wenn man sie darauf anspricht. Wenn es an der Infrastruktur fehlt, so ist die Verfilzung des Personals bestens ausgeführt.

Das sind historisch gewachsene Tabus, und ein Zeichen für die Unfähigkeit des „Sports“ sein Schicksal in die Hand zu nehmen und Politik und Gesellschaft zu zwingen, ihn ernst zu nehmen. Nichts leichter als andere, in diesem Fall die nicht minder unfähige Sportpolitik, für die eigene Marginalisierung verantwortlich zu machen.

Die ORF-Diskussion hat wieder einmal gezeigt, wie es nicht geht. Pariasek hat sich bemüht, aber er ist der harmlose Stichwortgeber geblieben, den die Funktionäre und Politiker brauchen. Die drängenden aktuellen Probleme wie (ÖSV-)Dopingskandale und sexualisierte Übergriffe sind natürlich nicht zur Sprache gekommen. Aber das wundert einen ja schon gar nicht mehr.

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Ein Grüner beaufsichtigt nun die Bundessportförderung

Der Rapidsanierer Werner Kuhn folgt dem Showmann Armin Assinger als Aufsichtsratspräsident der Bundes Sport GmbH

Der Rapid-Sanierer Werner Kuhn folgt dem Ex-Abfahrtsläufer und Showman Armin Assinger als Aufsichtsratsvorsitzender der Bundes Sport GmbH nach. Vor knapp vier Monaten hat Armin Assinger, der von Ex-Sportminister Hans Peter Doskozil um seines bekannten Namens willen inthronisiert worden war, seinen Abschied genommen. Werner Kuhn verfügt im Unterschied zu Assinger, dem Fragensteller in der „ORF Millionenshow“, über langjährige reiche Erfahrung in der Führung eines vielgestaltigen Unternehmens.

Die Bundes Sport GmbH verteilt rund 120 Millionen Euro pro Jahr an Bundes Sportförderung an AthletInnen, Vereine und Verbände. Sie macht seit Anfang 2018 die Arbeit, die das Sportministerium erledigen sollte. Peter Schröcksnadel hilft als Präsident des Fördermittelempfängers ÖSV (rund vier Millionen Euro pro Jahr) mit, das Steuergeld zu verteilen. Der Präsident des Österreichischen Olympischen Comitees (2,2 Millionen Euro), Karl Stoss, sitzt im Aufsichtsrat. Strache soll auch angesichts dieser Verquickung von Geben und Nehmen mit der Konstruktion der Bundes Sport GmbH nicht glücklich sein.

„Aufgrund meiner im Jahr 2019 zu erwartenden gesteigerten beruflichen Verpflichtungen wird es mir (…) in Zukunft nicht mehr möglich sein, meine Aufgaben im Aufsichtsrat der BSG in jenem zeitlichen Umfang gewissenhaft wahrzunehmen, den die Wichtigkeit dieser Funktion erfordert“, zitierte die APA Ende 2018 den scheidenden Assinger (54). Werner Kuhn hält sich noch bedeckt. Sportminister Hein Christian Strache soll Kuhn am 2. 4. Im Rahmen einer Pressekonferenz vorstellen.

Kuhn kam Mitte der 90er von der Bank Austria Jahre zur Rapid, die eben einen Konkurs hingelegt hatte und führte sie gemeinsam mit Trainer Ernst Dokupil und einer jungen Mannschaft um Didi Kühbauer zum Meistertitel und ins Europacupfinale der Cupsieger (0:1 gegen Paris St. Germain). Er hat gemeinsam mit dem Ex-Präsidenten von Rapid, Rudolf Edlinger, organisierte und finanzierte Kuhn den Neubau des Rapid-Stadions. Vor drei Jahren übernahm Christoph Peschek das Gesamtmanagement, seither kümmert sich Kuhn um die Sponsoren und die Eröffnung neuer Geschäftsfelder. Als Aufsichtsratsvorsitzender in der Bundes Sport GmbH macht er so ziemlich das Gegenteil von seinem Job im Rapid-Büro: er kontrolliert die Verteilung des Geldes, die andere Manager vorgenommen haben. Die haben das Geld von Politikern, die es wiederum von den Steuerzahlern erhalten haben.

Kollidieren Kuhns Tätigkeiten für die Rapid und die Bundes Sport GmbH? Rapid erhält von der Bundes Sport GmbH keine Subvention. Die Stadt Wien unterstützt den Klub – wie auch den Konkurrenten FK Austria Wien – freilich massiv. Zum Beispiel hat die Kommune rund 24 Millionen Euro für die Errichtung des neuen Stadions gewährt, und dieselbe Summe auch der Austria zugewiesen.

Kuhn hat keine Erfahrung in der Abrechnung, Kontrolle und strategischen Entwicklung der Bundessportförderung. Doch er kennt die Probleme eines (großen) Sportvereins und die mannigfaltigen Verpflichtungen und Bedürfnisse, die sich aus der Betreuung von Sportlern aller Altersstufen ergeben.

 

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Der Winter kommt

ÖSV-Ex-Trainer Karl „Charly“ Kahr ist in erster Instanz mit seiner Klage wegen übler Nachrede gegen eine Ex-Skirennläuferin und deren Ehemann am Bezirksgericht Bludenz abgeblitzt. Kahrs Anwalt Manfred Ainedter kündigte „volle Berufung“ an. Die Beklagten wurden von Richterin Daniela Flatz frei gesprochen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Die Rennläuferin und ihr Ehemann hatten Ende 2017 und Anfang 2018 an Österreichs Skilegende Annemarie Moser-Pröll What’sApp-Nachrichten versandt. Darin wurde Kahr bezichtigt, zusammen mit Österreichs Jahrhundertsportler Toni Sailer „viele Mädchen missbraucht und gebrochen“ zu haben. Und Moser-Pröll wurde aufgefordert, endlich über Kahr, ihren „Entjungferer Charly. Du warst noch keine 16 Jahre alt“ endlich die Wahrheit zu sagen. Richterin Flatz wies Kahrs Klage ab, da die beiden Angeklagten in gutem Glauben an die Richtigkeit ihrer Aussagen handelten und außerdem die Adressatin Moser-Pröll keine „Dritte“, sondern Beteiligte war, die für das Verbrechen der üblen Nachrede erforderliche Öffentlichkeit nicht gegeben war.

Nicola Werdenigg, die im November im „Standard“ mit der Erzählung ihrer Vergewaltigung in den 70ern durch einen Mannschaftskollegen die Diskussion um sexualisierten Missbrauch im Skisport eröffnet hatte, sagte als Zeugin aus. Sie schilderte die „übersexualisierte“ Atmosphäre im ÖSV-Team in den  70ern. Der ehemalige Star-Journalist Bernd Dörler ergänzte ebenfalls als Zeuge Werdeniggs Schilderung und beschrieb auch eine von ihm 1974/75 durchgeführte Recherche in Zakopane. Dort soll Anton Sailer in betrunkenem Zustand eine Prostituierte vergewaltigt haben. Kahrs Anwalt Ainedter führte ÖSV-Protokolle von Sitzungen in den 70ern ins Treffen, in denen beschrieben wurde, dass es keinen Tatbestand gegeben habe und die Kaution für Sailer an Polen zurückgezahlt worden sei.

Die Richterin sah freilich den Beweis des guten Glaubens bei den Beklagten erfüllt, also die üble Nachrede als nicht gegeben an und fällte den Freispruch.

 

[demnächst mehr, viel mehr]

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