Gestatten, Hans Niessl, Präsident

Hans Niessl ist ein neuer Präsident von Sport Austria mit alten Ansichten auf einem „roten“ Planposten, der die endlose Reihe von SPlern dort als Signal der Überparteilichkeit verkauft. Im Ernst.

Hans Niessl (68) schaut total gesund und fit und unternehmungslustig aus, wie er so auf dem Podium im praktisch leeren Saal des Lotterien-Gebäudes sitzt und eine halbe Stunde sein ambitioniertes Programm von längst bekannten Vorhaben und Anliegen des organisierten Sports vorträgt. Nur damit das später nicht untergeht: zu dem Umwelt-Tourismus-Sportproblem der Liftverbindung von Ötztal und Pitztal, das seit Wochen die Öffentlichkeit interessiert, gibt der gewiefte Diskursvernebler Niessl in zwei ausführlichen Stellungnahmen keine Meinung ab. Er vertraue diesbezüglich auf den Rechtsstaat, sag er, no na, er hätte auch sagen können: im Pitztal und im Ötztal wird so und so wieder die Sonne aufgehen und die Nacht wiederkehren. Das ist also die Energie und Entschlossenheit, die er in sein neues Amt, das er nach dem Abschied vom burgenländischen Landeshauptmannsessel angenommen hat, mitbringt.

Und das wichtigste aktuelle, drängende, schmerzhafte Thema des sexualisierten und andersartigen Machtmissbrauchs  im Sport gegen Schutzbefohlene erwähnt er überhaupt nicht. Und wird dazu auch nicht befragt. Ich wollte sehen, ob ein altes Alpha-Tier wie Niessl von selber darauf kommt, dass er auch dazu da ist, auf Schwache aufzupassen. Am Freitag, dem 8. 11. 2019 ist er in seiner ersten öffentlichen Stellungnahme als höchster Vertreter des Sports nicht darauf gekommen. Vielleicht sagt ihm demnächst einer der unzähligen Funktionäre, dass das nicht ganz unwichtig ist. Vielleicht sogar so wichtig wie die volkswirtschaftliche Bedeutung des „Sports“ und des damit zusammenhängenden Tourismus. *Übrigens wäre dieser Bereich endlich durch seriöse Berechnungen zu evaluieren, was derzeit im Umlauf ist, inklusive der vor Jahren von den Dachverbänden unter Führung des damaligen Sportunion-Präsidenten Hartwig Löger vorgestellten Sport-Wertschöpfungs-Papiers ist nicht einmal Voodoo-Ökonomie.

Niessl will mehr Geld für den Sport, er will die Online-Wettszene analog den Casinos Austria und den Lotterien zur Kasse bitten. Die Ehrenamtlichkeit, Rückgrat des differenzierten heimischen Sportsystems, soll gestärkt werden, finanziell und gesellschaftlich. Die öffentlichen Sportstätten sollen ganzjährig geöffnet und die tägliche Turnstunde eingeführt werden. Und das Berufssportgesetz soll endlich kommen. Alles schön und gut und altbekannt. Immer noch versteht sich der Sport und seine Vertretung als Bittsteller vor der Schwelle der Politik und das wird mit dem alten Politiker, der als SA-Präsident nun den alten Sportlehrer hervorkehrt, verlässlich so bleiben. Das System passt zu allererst auf sich selbst auf.

Die anwesenden Medienvertreter lassen das natürlich alles so durchgehen, auf ORF-Sport+ werden 2 harmlose Pseudofragen gestellt, damit das Kind einen Namen hat. Als Niessl auf sein Selbstverständnis als Demokrat angesprochen und jum eine Stellungnahme zur Tatsache gebeten wird, dass er als einziger Kandidat angetreten, mit 95% der Stimmen in GEHEIMER Abstimmung gewählt wurde und ein SPler in einer endlosen Reihe von Roten auf diesem Posten ist, liefert er ein Beispiel von Doubletalk, das in George Orwells  „Animal Farm“ gepasst hätte. Er habe als Landeshauptmann zig Jahre den burgenländischen Sportausschuss und immer zu einstimmigen Beschlüssen geführt, sagt er, um nach dieser umschweifigen Einleitung auf den Punkt zu kommen: Im Sport gehe es nicht um Parteipolitik, sondern um Gemeinsamkeit. Diese Geschlossenheit sei ein Zeichen der Stärke, sagt der SPler, der einem Spler folgt, der einem SPler folgte und so weiter. Immerhin ringt er sich zu der Feststellung durch, ein zweiter Kandidat wäre ja nicht verboten gewesen, dann wäre es halt zu einer „Kampfabstimmung“ gekommen. Merke: Demokratische Auseinandersetzung ist ein Zeichen der Schwäche.

Es ist nicht viel Fantasie notwendig, um sich auszumalen, dass es mit der Selbstbestimmung und Reform des verfilzten, anachronistischen Systems unter Niessl nichts wird. Einer der vifsten Machterhalter des Landes führt nun den offiziellen  Sport. Kein Wunder, dass sich junge Leute für diese Organisation nicht interessieren und die über den Sport bestimmenden Politiker sie nicht ernst nehmen, weil sie zu Recht der Ansicht sind, sie folge ihnen ohnehin auf Fingerzeig.

 

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