Der Kärntner Kick

Die Geschichte um Jörg Haiders Gemurkse mit dem FC und der Austria Kärnten findet im Rahmen des parlamentarischen Untersuchungsausschusses eine Fortsetzung

 Im Jahr 2007 hatte Landeshauptmann Jörg Haider ein Problem. Der FC Kärnten, als landesfürstliche Jubelbühne vorgesehen, dümpelte in der zweiten Liga herum. Gleichzeitig wuchs das neue Stadion aus dem Boden, in dem während der EURO 2008 drei Spiele stattfinden sollten. Der FC Kärnten um seinen Obmann Josef Steindorfer machte sich Hoffnung auf Hilfe, aber er tat nicht, was Haider wollte. Also trat der Landeshauptmann im Juni 2007 als Präsident des FCK zurück.

Er brauchte eine erstklassige Show und ließ er einen Retortenverein namens Austria Kärnten aus dem Boden stampfen, der die Lizenz des Erstligaklubs FC Pasching übernahm. Haider überwies dafür drei Millionen Euro an den Präsidenten des FC Pasching, Franz Grad. Die gesamten Aufwendungen für gescheiterte Vorhaben sollen bis zu acht Millionen Euro betragen haben, darüber herrscht bis heute Unklarheit.

Am 8. 3. 2007 hatte Haider noch hinausposaunt, er habe „bedeutende Unternehmen“, die den maroden FC Kärnten sanieren würden. Jetzt gab es plötzlich zwei Kärntner Elitetruppen. Die alte, der FCK, wurde von Haider gezwungen, Sponsorvertrag, Nachwuchsakademie, Spielstätte und eine Schar Talente Haiders neuem Spielzeug, der Austria, zu überlassen. Auf den Großteil der dafür ausgemachten Zahlungen wartet der 2008 in den Konkurs geschickte FCK bis heute.

Um die Austria auf feste Beine zu stellen, schickte Haider Fachleute wie seine Frau Claudia Haider und seinen Haberer Mario Canori in den Vorstand des Klubs. Diese visionäre Kraft dürfte auch die Bundesliga vom Kärntner Plan überzeugt haben, sie stimmte der Lizenzübersiedlung zu. Canori versprach, die Herkunft der fünf Millionen „Spielgeld“ (Canori) später einmal offen zu legen. Darauf wartet die kritische Öffentlichkeit bis heute.

Das Ganze ging ein halbes Jahr gut, erst im Dezember 2007 stellte Canori den Verkauf oder die „Teil-Liquidierung“ der klammen Austria Kärnten in Aussicht. Da Heimspiele mehr kosten würden als er kalkuliert hatte, forderte Canori öffentliche Mittel. Wieder ein sterbender Klub vor der Haustüre? Nicht mit Haider, die EURO stand vor der Tür. Also fand er – geheime – Sponsoren für 500.000 €. Kurz darauf gewährte die Stadt Klagenfurt dem Klub ein Überbrückungsdarlehen von 500.000 €.

Vor Tagen stellte sich im Umfeld des Korruptionsuntersuchungsausschusses im Parlament heraus, Telekom habe für 500.000 Euro Tickets der Austria Kärnten gekauft. Einer im „Standard“ veröffentlichten anonymen Anzeige von „Personen im Amt der Kärntner Landesregierung“ an die Korruptionsstaatsanwaltschaft zufolge sollte die Telekom überdies die Telekommunikationssparte der Stadt Klagenfurt für ein Butterbrot erhalten und dafür dem Klub nach der (landesamtlichen und bundesamtlichen) Genehmigung einmal zwei und einmal 2,5 Millionen Euro widmen. Die zuständige Beamtenschaft weist die Vorwürfe heftig zurück.

In einer Pressekonferenz resümierte Stefan Petzner (BZÖ) die ersten Zeugenaussagen im Rahmen des U-Ausschusses. Da der auch die Steuerakte der Austria Kärnten angefordert hat, stellte Petzner rechtzeitig fest, dass Haider mit dem Klub und den Telekom-Zahlungen nichts zu tun gehabt habe. Da müsse man den FPÖ-Politiker Canori fragen.

Im Mai 2010 wurde der Austria Kärnten die Lizenz verweigert, im Juni ging sie in Konkurs. Ihr Nachfolgeverein, der wieder Austria Klagenfurt heisst, hat eine große Zukunft zu befürchten. Der bekannte Manager Peter Svetits will den Klub sanieren und in die Erstklassigkeit führen. Die FPK um Landeshauptmann Gerhard Dörfler soll entzückt sein.

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