Die Selbstverlängerten mit den kurzen Beinen

Im ORF haben sie wieder einem anderen eine Sendung nachgemacht. „Gernots Verlängerung“ lässteinem EM-K.O.-Spiel ein K.O.-Nachspiel folgen. Der Unterschied zum ARD-Vorbild „Waldis Klub“: In der ARD sitzen Leute wie Harald Schmidt, bei Viktor Gernot hockt Viktor Gernot und neben ihm Gernot Kulis und Gerold Rudle. Das Ganze nennt sich „Comedy­Talk“ und ist ein Versuch von Komödianten, die „ernsteste Sache der Welt aus der Sicht der Satire und Ironie ernst zu nehmen“ und ins Detail zu gehen, beispielsweise in die „Dekolletés der Spielerfrauen“ (ORF-O-Ton). Wem das noch nicht komödiantisch genug ist, der erfährt, dass die Verlängerten für die Engländer drücken, weil die ein Pub trocken gelegt haben, oder für die Deutschen nicht, weil sie immer gewinnen. Klischees drängen sich auf engerem Raum als Verteidiger vor den Spaniern. „Waldi“ Hartmann, ein unerträglicher ernsthafter Fußballreporter, versucht sich als Einfädler von Witzen. Gernot, ein unterträglich fröhlicher Kabarettist, läuft seinen eigenen kabarattistiscen Fehlpässen nach. Ich bleibe bei Frenkie Schinkels und dem Schneckerl.

 

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Die Seele ist ein Übergangsphänomen

Die Geschichte der Euro wird wie die der größeren Welt rundherum dort entschieden, wo die Besitzverhältnisse neu definiert und im besten Fall ruckartig umgedreht werden.

Reden wir über die Qualität. Wir haben vier Halbfinalisten. Portugal – eine Mannschaft im Dienste eines Kapitäns. Dazu die hartnäckigen Italiener sowie Deutschland und Spanien, die einander vermutlich ähnlicher sind als der erste Blick vermuten ließe. Worin, lieber Fred, setze ich zur semifinalen Frage an, besteht nun die Substanz der Vier?

Fred lächelt. Die vier Mannschaften haben die Euro geprägt, und zwar durch Konter und Passspiel. Die Portugiesen sind eine alte Seefahrernation, auf ihrem Schiff herrscht absolute Hierarchie. Kapitän ist Cristiano Ronaldo, sie sind quasi die atlantische Maske der mediterranen Griechen. Italien ist eine komplexere Angelegenheit. Gianluigi Buffon ist der beste Torhüter der Welt, und Andrea Pirlo der letzte Regisseur.

Haben die gar keine Nerven, lenke ich ab? Der Staatsanwalt ermittelte im Trainingslager wegen geschobener Spiele, Trainer Claudio Prandelli ließ vor der Euro anklingen, es sei vielleicht sogar besser, zuhause zu bleiben. Weiterlesen

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Nur weiter so, russischer Messi

Schon jetzt ist das eine nette Europameisterschaft. Die Griechen wurden sofort ihrer Favoritenrolle gerecht und spielten mit dem schicksal, virtuos und mit einer Aufopferung, die ihresgleichen sucht. Die Polen sind eine harmlose Mannschaft, ein bisschen weichlich, ein bisschen talentiert, ein bisschen verwöhnt, und nicht in der Lage, eine kritische situation zu ihrem Vorteil zu verwenden.

Das wiederum können sogar die Tschechen, selbst wenn sie 1:4 gegen die phasenweise wider im Eilzugstempo agierenden Russen verloren haben. Große Spieler haben die Tschechen nicht mehr, die Tage von Nedved und Poborsky sind lange vorbei, Tomas Rosicky wird kein Großer werden, bei all seinem Genie.

Die Russen hingegen profitieren mittlerweiel offenbar von einer Liga, die in den vergangenen acht Jahren viel Niveau gewonnen hat. Und sie haben einen kleinen Kicker namens Dzagoev, der an einen der größten erinnert hat, zumindest in diesem Spiel: an Lionel messi. Dieselbe Selbstverständlichkeit vor dem Tor, dieselbe übersprudelnde Freude, dasselbe selbstlose Spiel.

Das werden noch großartige drei Wochen.

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Das Euro-Paradoxon

Die Griechen wurden 2004, in einer Zeit der Zuversicht, dank eines destruktiven Spielstils Europameister. Jetzt herrscht Krise und die Griechen stehen wieder vor den Toren Europas.

Wir haben eine wunderbare Europameisterschaft vor uns, dachte ich. Naiv weise ich darauf hin, dass Männer wie Bastian Schweinsteiger, Cristiano Ronaldo und Franck Ribery ihre letzte Chance wittern. Der deutsche Teamchef Jogi Löw muss nach Jahren des vorauseilenden Lobes endlich einen Titel gewinnen. Und Spaniens goldene Generation um Iker Casillas, Xavi Hernándes, Andrés Iniesta, Gerard Piqué und Fernando Torres kann um den WM-Titel 2010 die Euro-Semmel 2008 und 2012 zuklappen. Das hat noch keiner gebacken gekriegt.

Und die Holländer müssen beweisen, nicht bloß Blender zu sein, selbst wenn sie Arjen Robben mitschleppen. Aber ich wollte sicher gehen.

Ich frug Fred.

Er schaut er mich an, als hätte ich seinen Tee ausgetrunken. Das wird eine grausame EM, sagt er. Schau dich um. Europa ist in der Rezession, die Rollbalken gehen herunter. Der Fußball spiegelt die Krise. Die Italiener verzocken ihre Spielkultur. Das englische Team schwächelt vor an,  der multikulturellen Premiere League. Die Franzosen suchen sich seit Zinedine Zidanes Kopfstoß gegen Marco Materazzi im Finale der WM 2006 selbst. Trainer Laurent Blanc, Libero der Welt- und Europameister-Mannschaft (1998, 2000), soll den großen Geist wieder beleben. Die Deutschen sind verliebt in ihre neue Kreativität und ignorieren die Achillesferse: die Verteidigung. Und die Spanier tun so, als ginge sie das alles nichts an, denn sie haben den Ball.

Doch die Kreativen und Favoriten müssen auf der Hut sein. Chelsea, eine Mannschaft wie ein Reißwolf, hat die Champions League verschlungen.

Hat uns die Euro nicht schon einmal so eine Geschichte erzählt, fragt Fred rhetorisch. Vor acht Jahren bei der Euro 2004 hat der Bürokratiefußball der Griechen nicht in die beste EM aller Zeiten gepasst. Aber er hat Europa eine neue Ära prophezeiht. Unter der Führung des Deutschen Otto Rehhagel haben die Griechen sich dem Spiel verweigert und den Titel erschwindelt. Jetzt ist der griechische Fußball quasi politisches Programm.

Der Fußball sei doch keine politische Pythia, wende ich ein. Selbst im knochentrockenen Deutschland wuchs eine kreative Nationalmannschaft heran. In Dortmund spielen sie richtig schönen Fußball, von Sami Khedira und Mesut Özil (beide Real Madrid) ganz zu schweigen. Weiterlesen

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Der Tod ist eine Vorschrift

LASK: Eine Analyse des Lizenzverfahrens und der Unterlagen zeigt, dass der Verein an einem Formalfehler scheiterte

„Eine Insolvenz des Vereins LASK Linz ist aus heutiger Sicht nicht anzunehmen.“ Der Bericht der Wirtschaftsprüfer von Audit Linz hatte keine keinen Zweifel offen gelassen. Gegen den LASK als Mitglied der Bundesliga im Spieljahr 2012/2013 gäbe es kaum betriebswirtschaftliche Bedenken. Dennoch wurde dem Verein Ende Mai 2012 in dritter Instanz endgültig die Lizenz verweigert, er muss in de Regionalliga absteigen und restrukturieren.

Der Wirtschaftsprüfer Audit war im Mai 2011 von der Fußball Bundesliga dem LASK als Organisationsprüfer beigestellt worden. Die Liga hegte Vorbehalte gegen die Überlebensfähigkeit des LASK und erteilte ihm die Spielberechtigung für das Jahr 2011/2012 nur mit Auflagen.

Ein Jahr später legte Audit der Bundesliga eine Analyse vor, die dem LASK attestierte, brav und im Vergleich zum (vorsichtigen) Budget sparsam gewirtschaftet zu haben: Insgesamt wurden von Juli 2011 bis Ende März 2012 63.000 Euro weniger ausgegeben als geplant. Die Personalausgaben lagen im „Berichtszeitraum mit einem Betrag von T€ 1.857 deutlich unter dem geplante Wert von T€ 2082“, schreibt Audit am 23. April 2012. Berücksichtige man die „geplanten Einnahmen und Ausgaben für den Zeitraum bis 30. 6. 2012 ergeben sich geplante frei verfügbare Mittel von 127.000 € zum Abschluss des laufenden Geschäftsjahres“ (Audit-Bericht, S. 5).

Doch am 30. April verweigerte die Bundesliga (Senat 5) dem LASK die Lizenz. Mit der Begründung, der Reorganisationsprüfer (Audit) habe die Fortbestandsprognose des LASK und den Bericht des Wirtschaftsprüfer PriceWaterhouse Coopers nicht ausreichend gewürdigt. Es sei unter anderem nicht klar, ob die „geplanten Sanierungsschritte die Bestandsgefährdung (Anmerkung: Konkursgefahr) zu beseitigen vermögen“ und „ob die Zahlungsfähigkeit für drei Jahre gewährleistet ist“. Die Liga glaubte dem LASK  – entgegen dem uneingeschränkten Bestätigungsvermerks des Prüfers – nicht, dass er seine Personalkosten wie vorgeschlagen von ursprünglich 1,15 Millionen € auf 850.000 € zu reduziere und das „hohe negative Eigenkapital“ von 1,5 Millionen € (31. 12. 2011) nicht die Existenz des Klubs gefährde. Weiterlesen

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