Das Demokratiependel

Eines Tages war er da. Saß auf dem Platz von Hannes Jarolim und blickte stumm im Saal herum. Otto Pendl legte das Herrenhandtäschchen vor sich auf den Tisch und wartete, dass es Abend werde. Es war der 30. Mai und der parlamentarische Untersuchungsausschuss zur Klärung von Korruptionsvorwürfen unter anderen gegen die Ex-Minister Karlheinz Grasser und Ernst Strasser sowie Unternehmen in teilstaatlichem Besitz sollte die Erstellung des Regionen und Ressorts übergreifenden Behördenfunknetzes durchleuchten.

Bis dahin hatten Zeugen geschildert, wie schleißig das von Ernst Strasser geführte Innenministerium die Ausschreibung für den Behördenfunk formuliert hatte. Weder seriöse Kostenrechnungen noch Angaben über die Zahl der Abnehmer und der technischen Anforderungen waren vorgegeben. 2002 hatte ein Konsortium („Mastertalk“) der Firmen Siemens, Raiffeisen und Wiener Stadtwerke (Projekt Adonis, ) den Auftrag erhalten, das hoffnungslos veraltete, vielkanalige, analoge Funknetz von Polizei, Feuerwehr, Bundesheer, Rettung und anderen Organisation zu digitalisieren und zusammenzulegen. Die Gruppe wurde mit fadenscheinigen Argumenten aus dem Vertrag gedrängt und schließlich mit Steuergeld abgefunden. Mit Mastertalk wurde ein Vergleich geschlossen, die dafür notwendigen 30 Millionen Euro sollte nach Strassers Bitte das Finanzministerium (Grasser) aus den für Zivildienst (3 Millionen €) und Flüchtlingsbetreuung (27 Millionen €) vorgesehenen Budgetmitteln entnehmen. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Datum | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , | 1 Kommentar

Asket, Ersatzheiliger und Betrüger

Aufstieg und Fall des Lance Armstrong erzählen von der Gier und der Behinderung des Menschen durch seinen Körper

Die Geschichte von Lance Armstrong ist die Geschichte eines Behinderten, der mit allen Mitteln die Grenzen seines Körpers überschreiten will. Der Amerikaner hat von 1999 bis 2005 sieben Mal hintereinander die Tour de France gewonnen und wird als eines der größten Sportidole der Menschheitsgeschichte verehrt. Vor kurzem wurden ihm wegen des Verdachts, er habe unerlaubte chemische Hilfsmittel verwendet, von der US-Anti-Doping-Agentur USADA sämtliche Titel aberkannt. Armstrong (40) hatte es abgelehnt, sich vor dem Schiedsgericht der USADA zu verteidigen.  Er wurde außerdem lebenslang gesperrt. Sollte er freilich ein Geständnis ablegen, könnte die Sperre verkürzt werden. Angesicht der begrenzten Karriereaussichten eines 40jährigen kein überzeugendes Angebot.

Armstrong wurde hunderte Male auf Doping getestet. Nie wurde eine verbotene Substanz in seinem Körper nachgewiesen.Das Verfahren gegen Armstrong stützt sich auf Indizien und Aussagen von Zeugen, unter ihnen ehemalige Teamkollegen, die den Amerikaner bei der Verwendung illegaler Substanzen beobachtet haben wollen.

Armstrong scheint der legendäre US-Steuerfahnder Jeff Novitzky zum Verhängnis geworden sein, wie der deutsche Aufdeckungsjournalist Jens Weinreich in seinem Blog schreibt. Als die öffentlichen Gerichte Armstrongs Akte schlossen, ermittelten die USADA und Novitzky weiter, bis sie die Wahrheit gefunden hatten. Armstrong verliert auch seine olympische Bronzemedaille, hingegen darf der deutsche Doper Jan Ullrich seine Medaille von Sydney behalten. Dopingverfahren sind selbst seit jeher mehr als fragwürdig. Der US-Sprinter Carl Lewis wurde überführt, 1988 in Seoul im besten und schmutzigsten 100 m-Finale der Geschichte Stimulantien verwendet zu haben. Die US-Olympiabehörde sprach Lewis vom Vorwurf frei, gedopt zu haben. Lewis erhielt statt des Betrügers Ben Johnson (Siegerzeit: 9,79!) die Goldene. Johnson hatte wahrscheinlich bloß das Pech, Kanadier zu sein. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Der Falter | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Und einer flog über das Stadion

Die WM-Qualifikation 2014 beginnt mit dem Spiel gegen Deutschland . Da trifft es sich gut, dass Frank Stronach sich mit Politik und ÖBB beschäftigt und nicht mehr mit dem Fußball

Der Legende zufolge flog Frank Stronach eines Nachts im Jahr 1998 über das hellerleuchtete Wiener Stadion, in dem Österreichs Fußballnationalmannschaft einer Niederlage entgegenschlenderte: 0:3 gegen Amerika. Der damalige Präsident der Wiener Austria, Rudolf Streicher, neigte sich zu Stronachs Ohr und flüsterte: „Das alles kann dir gehören.“ Streicher meinte das Stadion, das Spiel, und die Herzen der Menschen, die dort unten mit ihren ballesternden Landsleuten litten. Streicher hatte dort oben im Flugzeug womöglich einen kleinen Hintergedanken, als er Stronach auf den Gedanken brachte, die von ÖFB und Nationalmannschaft im Stich gelassene Sehnsucht aufzusammeln. Der tüchtige Sozialdemokrat Streicher hatte die Wiener Austria als Präsident an den Rand der Insolvenz gemanagt und suchte eine Geldquelle, denn es drohte der Verlust der Lizenz. Stronach schloss schließlich mit der Wiener Austria einen Betriebsführungsvertrag um rund 25 Milionen Schilling (1,8 Mio€) pro Jahr. Viele Manager, Trainer und Spieler erhielten erhebliche Gehälter, Stronach jede Menge Spott. Schlussendlich verführte er die Präsidenten der  Bundesligaklubs mit je zehn Millionen Schilling (750.000 € pro Verein), ihn zum Präsidenten zu wählen. Die Farce war komplett. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Die Presse, Zeitlupe | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Frank Stronachs gefährlicher Unsinn

In Frank Stronachs Institut treibt sich ja so mancher Ungeist und Unsinn herum. Das Fürchterlichste ist wohl die schlecht verhohlene Stimmungsmache für Steuersenkung zugunsten der Unternehmer und Wohlhabenden. Unter dem Titel flat tax wird dort für eine Steuerbefreiung für Unternehmen geworben – argumentiert kann man angesichts des verzapften Unsinns nicht sagen -, die ihre Gewinne in Österreich investieren. Eine Erhöhung der Mehrwertsteuer wird mit dem Argument schmackhaft gemacht, dass damit Reiche höher besteuert wprden, weil sie teurere Autos kauften.

Zynischer geht’s fast nimmer. Oder doch.

Glaubt Stronach wirklich, dass Unternehmen mehr mit der Erstellung der Steuererklärung beschäftigt sind, als mit ihrem eigentlichen Geschäft? Er hat persönlich seine flache Steuer schon gefunden, und zwar im Schweizer Steuerparadies Zug. Wann schreibt er dazu einmal etwas Kluges auf seiner Homepage?

Wer sich Stronachs Ergüsse zum Steuersystem selber geben will – bitteschön:

http://www.stronachinstitut.at/dafur-stehen-wir/steuern-senken

Veröffentlicht unter Uncategorized | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

Der Darabos-Schröcksnadel-Jukic-Mateschitz-Plan

Die bevorstehende Reform des österreichischen Sports hält Überraschungen parat. Sie garantieren nicht unbedingt bessere Resultate aber sicher mehr Unterhaltung

Nein, das war keine gute Idee des Herrn Sport- und Verteidigungsministers Norbert Darabos, den ÖSV-Präsidenten Peter Schröcksnadel zum Leiter einer Arbeitsgruppe Sommersport einsetzen zu wollen. Schröcksnadel hat mit der Vorbereitung der Ski-WM 2013 in rund einem halben Jahr alle Hände voll zu tun. Außerdem steht er dem Verband vor, der zwei Dopingskandale zu verantworten hat. Die „Blutbeutelaffäre“ von 2002 in Salt Lake City, als eine Putzfrau gebrauchte Infusionsbeutel mit Blut in den Mistkübeln des Quartiers der ÖSV-Langläufer fand. Das IOC sperrte den damaligen ÖSV-Spartenmanager Walter Mayer für zehn Jahre von Olympischen Spielen aus. 2006 führten Carabinieri eine Razzia in zwei Quartieren der ÖSV-Nordischen durch und fanden Utensilien, die den Vorwurf des Verstoßes gegen die IOC-Antidopingrichtlinien rechtfertigten.

Der Präsident eines solchen Verbandes wird kein Liebling des IOC mehr, zu seinem eigenen Schutz sollte er nicht auch noch die für den Sommer geeigneten Jugendlichen aussuchen müssen. Zum Glück hat Schröcksnadel schon abgewunken. Er muss außer der Ski-WM noch für Erwin Pröll Niederösterreichs Skigebiete retten, da bleibt keine Zeit mehr für den Sommer.

Die Reformdiskussion über Österreichs Sportsystem muss breiter als auf Schröcksnadels Schultern aufgestellt werden und den Behindertensportler umfassen. Die Briten zeigen jeden Tag vor, mit welcher Begeisterung sie die Wettkämpfe der Paralympics verfolgen. Denn sie gewinnen wie schon bei den Sommerspielen an jedem Wettkampftag mehrere Medaillen. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Die Presse, Zeitlupe | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar