Der Darabos-Schröcksnadel-Jukic-Mateschitz-Plan

Die bevorstehende Reform des österreichischen Sports hält Überraschungen parat. Sie garantieren nicht unbedingt bessere Resultate aber sicher mehr Unterhaltung

Nein, das war keine gute Idee des Herrn Sport- und Verteidigungsministers Norbert Darabos, den ÖSV-Präsidenten Peter Schröcksnadel zum Leiter einer Arbeitsgruppe Sommersport einsetzen zu wollen. Schröcksnadel hat mit der Vorbereitung der Ski-WM 2013 in rund einem halben Jahr alle Hände voll zu tun. Außerdem steht er dem Verband vor, der zwei Dopingskandale zu verantworten hat. Die „Blutbeutelaffäre“ von 2002 in Salt Lake City, als eine Putzfrau gebrauchte Infusionsbeutel mit Blut in den Mistkübeln des Quartiers der ÖSV-Langläufer fand. Das IOC sperrte den damaligen ÖSV-Spartenmanager Walter Mayer für zehn Jahre von Olympischen Spielen aus. 2006 führten Carabinieri eine Razzia in zwei Quartieren der ÖSV-Nordischen durch und fanden Utensilien, die den Vorwurf des Verstoßes gegen die IOC-Antidopingrichtlinien rechtfertigten.

Der Präsident eines solchen Verbandes wird kein Liebling des IOC mehr, zu seinem eigenen Schutz sollte er nicht auch noch die für den Sommer geeigneten Jugendlichen aussuchen müssen. Zum Glück hat Schröcksnadel schon abgewunken. Er muss außer der Ski-WM noch für Erwin Pröll Niederösterreichs Skigebiete retten, da bleibt keine Zeit mehr für den Sommer.

Die Reformdiskussion über Österreichs Sportsystem muss breiter als auf Schröcksnadels Schultern aufgestellt werden und den Behindertensportler umfassen. Die Briten zeigen jeden Tag vor, mit welcher Begeisterung sie die Wettkämpfe der Paralympics verfolgen. Denn sie gewinnen wie schon bei den Sommerspielen an jedem Wettkampftag mehrere Medaillen.

Kein Zufall, denn die Briten haben einen Plan. Dort dienen beispielsweise versehrte Soldaten dem Ziel, für die Streitkräfte als Spitzensportler Ehre einzulegen. In Österreich ist das Heer der größte Arbeitgeber der Normalsportler, aber es dar keine behinderten Sportler beschäftigen. Keine öffentliche Institution darf das. Kanzler Wolfgang Schüssel führte seinerzeit gern das Reformwort im Mund. Staatdessen erhöhte er die Bundessportförderung und sicherte der Sportbürokratie das Überleben. Seither ist so viel Geld in der Gießkanne, dass nach dem Befeuchten des letzten Verbandsbiotops immer noch ein paar Tropfen beim Sportler hineinrinnen.

Die Besonderheit Österreichs ist nun, dass nich nur staatliche, sondern auch private Unternehmungen konsequent keinem Plan folgen. Das beste Beispiel dafür ist natürlich RB Salzburg. Der neue Sportdirektor Ralf Rangnick und sein Trainer Roger „Schnauze“ Schmidt behaupteten zwar, die Manschaft aus dem Nachwuchs langfristig aufbauen zu wollen. Doch kurz vor dem Ende der Transferzeit haben sie noch vier Kicker eingekauft. Die Agenturszene dankt, Salzburgs Kader schleppt einen Blähbauch durch ein Bundesligajahr, denn für Europacup hat es nicht gereicht. Wurscht. In spätestens zwei Jahren kommen die nächsten Alleswisser.

Vorschlag: Schröcksnadel kümmert sich um RB Salzburg und Didi Mateschitz übernimmt das ÖOC. Der Ex-Kicker Norbert Darabos wird Abteilungsleiter Fußball bei RB Salzburg und die Familie Jukic richtet dem kriselnden Skiverband die Wadln nach vorne. Für Sommersport und Sportministerium brauchen wir einen dynamischen Politiker, der die Verbände zum Sparen zwingt. Rudi Edlinger! Der braucht eine Altersteilzeitbeschäftigung und die Rapid einen neuen Präsidenten. Edlinger war übrigens der Einzige, der einst dem schaumschlagenden Bundesliga-Präsidenten Frank Stronach widersprach. Das könnte nach der nächsten Nationalratswahl eine wichtige Zusatzqualifikation werden.

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