Die Royals sind wieder da

Die Bezeichnung von König und Queen für Skisportler zeugt von der bemerkenswerten Sehnsucht nach der guten alten Zeit des Feudalismus

König Hirscher ist unlängst gestürzt. Was für ein Pech. Sein Glück war, dass er nicht vom Thron, sondern bloß auf den Hintern fiel. Selbst Königen, und kommen sie auch in bunten Elastikhosen und dicken Helmen daher, ist nichts Menschliches fremd. Der andere König dieser Tage, der König der Lüfte und Schanzen, der Regent der Vierschanzentourne und Adler in Menschengestalt, Gregor Schlierenzauer, hat sich ganz unroyal eine Grippe eingefangen. Sein Hofstaat ist entsprechend bedrückt und fällt vom Himmel wie ein Gummiadler.

Der weiße Feudalismus behandelt die Geschlechter gleich, wirkt also emanzipierend. Österreichs Speed-Queen Renate Götschl ist zwar seit ein paar Jahren in Regentschaftsrente, aber sie wurde durch die Slalom-Queen Marlies Schild als Repräsentantin der besseren Österreicherinnen ersetzt. Leider ist sie verletzt und die Speed-Queen der vergangenen WM in Garmisch, Elisabeth Görgl, kämpft mit den Beschwernissen, die so ein Adelsprädikat nun einmal mit sich bringt. Bis zum Beginn der Krönungsmesse in Schladming wird sie sich ihres Standes hoffentlich wieder würdig erweisen. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Zeitlupe | Verschlagwortet mit , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Da oben im Siegessinn

Die Ski-WM in Schladming wird darüber Auskunft geben, welchen Platz der Skisport in Österreichs Selbstbild einnimmt

Die Ski-WM in Schladming steht bevor und der ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel spricht sich und dem Land Mut zu: „Wir haben genug Siegfahrer.“ Bisher ist die Saison ja trotz des wie stets ungeheuren finanziellen und logistischen Aufwandes eher ärmlich verlaufen. Zwar hat sich die Lage in den Rennen um den Jahreswechsel ein wenig entspannt, aber das Verhältnis von Investition und Ertrag ist ein Scherz. Wandert der Skirennsport vom Berg ins Museum? Erlebt er „die letzten Sekunden vor dem unsterblich sein“, wie der Volksrocker Andreas Gabalier in seinem WM-Song „Go for Gold“ so schön sagt?

Wahrscheinlich steht der Skirennsport noch nicht vor seinem letzten Einkehrschwung. Aber er muss seine Position neu definieren. Der ÖSV ist bei all seinem monetären Reichtum nämlich ein armer Hund. Er muss eine Stellung verteidigen, die ihm in der Nachkriegszeit von Märchenfiguren wie Anton Sailer und Egon Zimmermann geschenkt wurde. Skifahren war eine Herzensangelegenheit der Österreicher. Mittlerweile hat sich der Skizirkus in einen medialen Markenartikel wie Tatort oder Musikantenstadl verwandelt. Die bei einigen wenigen Events mit grenzenlosem Marketingaufwand zusammengerufenen Zuschauermassen dürfen nicht über eine in den Tiefenregionen der österreichischen Seele ablaufenden Entfremdung zum Skisport hinwegtäuschen. „Die Wadel beißen hart wie Eisn“ würde der männliche Musik-Mundl Gabalier die angespannte Lage der alpinen Sportskollegen beschreiben.

Wenn der Ski(renn)lauf noch einige Zeit im täglichen Unterhaltungsprogramm der Österreicher eine Rolle spielen will, ist er zum Erfolg verdammt. Siege sind sozusagen die letzte Verteidigungslinie der winterlichen Gemeinsamkeit. Also bleibt dem ÖSV wahrscheinlich gar nichts anderes übrig, als Triumühe zu liefern, koste es, was es wolle. „Pochende Venen Andrenalimaschin“ sagt der Hubert von Goisern für Anspruchslose, Andreas Gabalier, dazu. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Uncategorized | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Der Sport und die Moral

Lance Armstrong und Kevin Prince Boateng erzählen zwei Geschichten vom Anstand, der auch in Wien jede Unterstützung besonnener Sportler brauchen könnte

Was ist cooler, Kevin Pronce Boatengs Abtreten von einem Freundschaftsspiel, als ihn rassistische Idioten mit Affengeräuschen verhöhnten? Oder Lance Armstrongs angeblich zu erwartendes Dopinggeständnis? Die NY Times beruft sich nämlich auf Quellen aus der Nähe des Radfahrers, die wissen wollen, dass der 2012 wegen Dopings aller seiner Titel, auch der sieben Siege bei der Tour de France verlustig gegangene und lebenslang von der Teilnahme an Wettkämpfen in olympischen Sportarten ausgeschlossene Armstrong mit dem Gedanken an ein Geständnis spielt. Die Beichte wäre freilich ein Deal, denn Armstrong (41) soll sich dafür der NYT zufolge eine Reduzierung seiner Sperre wünschen. Er will in den Triathlon-Zirkus einsteigen. Und die Regeln der Welt Antidoping Agentur WADA besagen, dass eine Sperre im Fall eines Geständnisses herabgesetzt werden kann.

Offenbar kann Armstrong nicht aufhören. Man darf gespannt sein, ob er in diesem Fall verspricht, nie mehr Blutdoping oder andere verbotene Methoden zu verwenden, die organisiert und angewendet zu haben ihm vorgeworfen wird. Armstrong geht es offenbar um die Reste seiner Karriere. Um die letzten paar hektischen Jahre, die ihm vielleicht noch bleiben und das bisschen Geld, das er noch einsammeln kann.

Kevin Prince Boateng steht mitten im Erwerbsleben eines Profi-Fußballers beim AC Milan. Er hat ein Problem, das er mit einem Wortwechsel nicht los wird. Der zunehmende Rassismus und Rechtsradikalismus in italienischen Fußballstadien lässt sich nicht mit guten Worten vertreiben. Seine schwarze Hautfarbe macht Boateng in den Augen der Dummköpfe zu einem Ärgernis. Als er im Spiel gegen den Unterliga-Klub Pro Patria wieder einmal rassistisch beschimpft wurde, hatte er genug. Er verließ das Feld,die Mannschaftskollegen folgten ihm.

Über Italien schwappte eine Welle der Sympathie und Solidarität mit Boateng. Sogar der Besitzer des AC Milan, Silvio Berlusconi, gratulierte Boateng zu der mutigen Aktion und kündigte an, künftig werde die Mannschaft jedes Spiel verlassen, in dem sie zur Zielscheibe rassistischer Beschimpfungen würden. Im Zweifel sollte man das dem in anderer Hinscht clownesken Berlusconi sogar glauben. Schließlich hat er bisher keine Gelegenheit zum Opportunismus ausgelassen. Der ehemalige Ministerpräsident Italiens wirbt derzeit für die kommende Wahl um jede Stimme und die Anti-Rassisten befinden sich immer noch in der Mehrzahl.

Auf die Idee, gegen die Rassisten und Xenophoben etwas zu unternehmen, kam nicht der steinreiche Besitzer und Politiker, erst als ein  Betroffener, ein Mitglied der schwächsten Gruppe in diesem Konflikt, reagierte, hängten sie sich alle an.

Die Wiener, die Anfang März mit der Frage konfrontiert werden, ob sich die Stadt für die Olympischen Sommerspiele 2028 bewerben soll, bekommen ebenfalls gerade eine Hetze vorgeführt. Nach Meinung der FPÖ ist ein Wiener Bezirk, in dem viele Türken leben, besonders gefährlich. Denn ein Türke hat offenbar in der Straßenbahn Frauen vergewaltigt – es gilt die Unschuldsvermutung. Der FPÖ-Bezirksvorsteher ist Polizist und wurde vom Journalisten Florian Klenk wegen Verhetzung angezeigt. SOS Mitmensch unterstützt die Anzeige. Das Gespenst Fremdenfeindlichkeit verbreitet am Beginn des Wahljahrs 2013 wieder Angst in Wien.

Auch in Österreich können Betroffene lange warten, bis Politiker oder Bundesliga-Funktionäre etwas gegen die Beschimpfung von Mitbürgern und Mitmenschen unternehmen. Bis zum dem Tag, an dem Bundesliga-Kicker aus türkischen Familien sich gegen die politische Hetze und gegen pauschalierende Verurteilungen wehren werden indem sie während eines Spiels den Skinheads auf den Rängen und allen anderen Sinnegenossen von HC Strache, Martin Graf und Johann Gudenus zeigen, wo die guten Menschen zuhause sind.

Veröffentlicht unter Zeitlupe | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Die Meinung „To Go“

Das Vorurteil hat sich auch 2012 wieder einmal als ein taugliches Insrument des heimischen Journalismus erwiesen

Das war ein gutes Jahr. 2012 hat sich endlich ein Mann zu einer politischen Karriere aufgerafft, der HC Strache argumentativ das Wasser reichen kann. Extrapoliert man Frank Stronachs Methoden und Wirkung im Fußball, so besteht begründete Hoffnun, dass sich durch seine Tätigkeit auch im politischen System Österreichs nichts verändern wird. Er wird den Schwaflern vom rechten Rand ein paar Hunderttausend Angefressene bei der Nationalratswahl abspenstig machen. Wenigstens dieses eine Mal. Ob er in fünf Jahren mit seinem Team noch einmal antreten wird, ist mindestens so unsicher wie die Aussicht, dass ein österreichischer Verein die Gruppenphase der Champions League übersteht.

Abgesehen von der vorteilhaften Wirkung Stronachs, den Biertischen ein neues Ziel bei ihrem Postenlauf der Schuldzuweisungen zu geben und damit ihre Wirkung am Wahltag zu schwächen, werden Stronachs Meinungen als anachronistische Rülpser in die Geschichte eingehen. All das, was er vorgibt zu wollen, lässt sich mit der Zerschlagung Europas in nationalistische, dünkelhafte Kleinstaaten nicht erreichen. Die Zeitschrift „Economist“ hat (Ausgabe 22. Dezember) an einem Beispiel aus dem 17. Jahrhundert gezeigt, wohin solche Egoismen führen. Auch wenn historische Ereignisse nicht als Schablonen für künftige Entwicklungen gelten können, darf die Frage gestellt werden, ob die Ressentiments gegen die eigenen korrupten (Ex-)Politiker dazu führen können, das EU-Projekt zu behindern.

Interessant ist es schon, dass in angeblichen Qualitätszeitungen wie dem Standard Schreiber wie Hans Rauscher die Ressentiments gegen angeblich ausgebrannte Politiker bedienen, statt, wie sie das immer behaupten, zu informieren und zu differenzieren. Das dürfte damit zusammenhängen, dass Teile des heimischen Journalismus stärker daran interessiert sind, die Vorurteile gegen das politische Personal zu pflegen, als ihrer Aufgabe der Information und Diskurspflege nachzukommen. Beschimpfungen von Leuten, die zur Beschimpfung frei gegeben wurden, lassen sich eben leichter verkaufen als Nachrichten und Analysen. Es ist ziemlich wurscht, ob es sich bei den reflexhaft Gescholtenen um Politiker aus Wien oder Brüssel oder um Außenseiter wie Roma und Asylanten handelt.

Hauptsache draufhauen. Der heimische Fußball hat sich vom internationalen Wettbewerb weitgehend abgekoppelt. Er führt ein von Subventionen abgesichertes Leben, wird von den Medien gestreichelt und gleichzeitig als unfähig hingestellt. Exakt dieselben Mechanismen greifen im politisch-wirtschaftlichen Nachrichtenbusiness. Die „Schere“ zwischen Realität (zugegeben, es ist nicht ganz klar, was das sein soll) und der Medienrealität (leider ist zu oft eindeutig, was das sein soll) geht immer weiter auf. Und wenn die Dinge da draußen vor der Redaktionstür nicht so laufen, wie sie nach Meinung der Zeitung sein sollten, lässt sich der Kurier von NÖ-Pröll auf eine „To Go“-Meinung einladen und die Welt ist wieder in Ordnung.

Veröffentlicht unter Zeitlupe | Verschlagwortet mit , , , | 1 Kommentar

Des Geldes und der Wahrheit Wellen

Dinko Jukic hat mit dem Schwimmverband wieder eine Verhandlungsbasis. Der vom Vater geführte SC Austria hat ein anderes Problem: Er soll unrechtmäßig Geld erhalten haben.

Hat der Schwimmclub Austria 2001 rund 21.000 € erhalten, das mutmaßlich aus dunklen Quellen stammt? Zeljko Jukic ist seit 2006 Sportdirektor und vertretungsberechtigter Funktionär des Vereins.  Der Verdacht, dass der ehemalige Präsident H. Z. dem SC Austria mutmaßlich zu Unrecht erworbenes Geld zukommen ließ, stammt aus 2002. Damals war Horst Z. Präsident des SC Austria.Z. finanzierte in den 90ern die Übersiedlung der Jukics von Kroatien nach Wien.

H. Z. arbeitete in Mariahilf als Filialleiter der Volksbank. Er steht im Verdacht, eine seiner Klienten, Frau Christine Kysucky, um Geld und Vermögenswerte von rund vier Millionen € geprellt zu haben. Die streitbare Familie Jukic ist inzwischen den Schwimmverbandspräsidenten Paul Schauer los, aber Dinko jukic sitzt eine zehnmonatige unbedingte Sperre ab, die ihm der Verband wegen Beleidigung von Funktionären aufbrummte.

Der  Verdacht des illegalen Geldflusses zum SC Austria wurde am 10. Mai 2012 von Viktor Eggert, dem Leiter der für Einzelstrafsachen zuständigen Fachabteilung im Justizministerium, bestätigt:

„Nach den nun übermittelten Berichten der zuständigen Staatsanwaltschaft, die aus Anlass ihres E-Mails um Stellungsnahme ersucht wurde, können dem Akt – der sich derzeit zur Entscheidung über die gegen H. Z. erhobene Anklage bei Gericht befindet – Hinweise auf einen möglichen Zahlungsfluss zum SC Austria entnommen werden.“ Weiterlesen

Veröffentlicht unter Die Presse, Zeitlupe | Verschlagwortet mit , , , , , | 1 Kommentar