Da oben im Siegessinn

Die Ski-WM in Schladming wird darüber Auskunft geben, welchen Platz der Skisport in Österreichs Selbstbild einnimmt

Die Ski-WM in Schladming steht bevor und der ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel spricht sich und dem Land Mut zu: „Wir haben genug Siegfahrer.“ Bisher ist die Saison ja trotz des wie stets ungeheuren finanziellen und logistischen Aufwandes eher ärmlich verlaufen. Zwar hat sich die Lage in den Rennen um den Jahreswechsel ein wenig entspannt, aber das Verhältnis von Investition und Ertrag ist ein Scherz. Wandert der Skirennsport vom Berg ins Museum? Erlebt er „die letzten Sekunden vor dem unsterblich sein“, wie der Volksrocker Andreas Gabalier in seinem WM-Song „Go for Gold“ so schön sagt?

Wahrscheinlich steht der Skirennsport noch nicht vor seinem letzten Einkehrschwung. Aber er muss seine Position neu definieren. Der ÖSV ist bei all seinem monetären Reichtum nämlich ein armer Hund. Er muss eine Stellung verteidigen, die ihm in der Nachkriegszeit von Märchenfiguren wie Anton Sailer und Egon Zimmermann geschenkt wurde. Skifahren war eine Herzensangelegenheit der Österreicher. Mittlerweile hat sich der Skizirkus in einen medialen Markenartikel wie Tatort oder Musikantenstadl verwandelt. Die bei einigen wenigen Events mit grenzenlosem Marketingaufwand zusammengerufenen Zuschauermassen dürfen nicht über eine in den Tiefenregionen der österreichischen Seele ablaufenden Entfremdung zum Skisport hinwegtäuschen. „Die Wadel beißen hart wie Eisn“ würde der männliche Musik-Mundl Gabalier die angespannte Lage der alpinen Sportskollegen beschreiben.

Wenn der Ski(renn)lauf noch einige Zeit im täglichen Unterhaltungsprogramm der Österreicher eine Rolle spielen will, ist er zum Erfolg verdammt. Siege sind sozusagen die letzte Verteidigungslinie der winterlichen Gemeinsamkeit. Also bleibt dem ÖSV wahrscheinlich gar nichts anderes übrig, als Triumühe zu liefern, koste es, was es wolle. „Pochende Venen Andrenalimaschin“ sagt der Hubert von Goisern für Anspruchslose, Andreas Gabalier, dazu.

Den finanziellen Aufwand des ÖSV kann sich keine andere Mannschaft auch nur annähernd leisten. Dafür kommt freilich zu wenig heraus. Es kann zwar gut sein, dass die Österreicherinnen bei den Rennen der WM in Schladming (4. – 17. 2.) abräumen. Die seit rund fünfzehn Jahren unaufhaltsame Ausdünnung des Star- und Siegerpotentials ist, mit der kennzeichnenden Ausnahme Hermann Maier, nicht zu übersehen. Überdurchschnittlich gute Ergebnisse bei einzelnen Weltmeisterschaften oder Olympischen Winterspielen können das nicht verschleiern. Die Frage ist, was man gegen die Gefahr unternehmen kann, von trendigeren Events ersetzt zu werden. Wo ist der Platz, an dem das Selbstbild und Selbstbewusstsein der in Österreich gemeißelt wird? Auf dem Skihang nicht mehr. Zu viele kleine Skigebiete sind vom Zusperren bedroht, der Sport zieht sich in die teuren, exklusiven Gebiete zurück.

Doch da war doch noch etwas. Ein Platz, an dem sich seit Erfindung des Moonboots und der Gatschwelle nichts geändert hat. Der ÖSV hat mit dem WM-Song „Go For Gold“ von Andreas Gabalier die Aufnahmeprüfung in den nationalen Musikantenstadl bestanden. Bis der letzte Batzen Kunstschnee geschmolzen und der letzte Einkehrschwung gekristelt ist, werden sie „Fahnen schwingen und alles singen“. Dort oben „on a mountain high, where the eagles fly.“ Der Skirennsport hat seine neue Heimat gefunden.

Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s