Der scheidende Rapid-Präsident Rudolf Edlinger zu Vergangenheit und Zukunft, das neue Stadion und das Problemkind Hans Krankl
Das Foto muss aus den 30ern sein und Rudolf Edlinger schaut aus wie ein mit allen Ehren zurückgetretener Vorstopper von Donaufeld oder Red Star. Die Härte und Übersicht, der Killerinstinkt und das leise Lächeln, das Männer tragen, die das Spiel lesen können – alles da. Es handelt sich natürlich um die 30er Edlingers, der seit 2001 das spiel von Österreichs Fußball-Bundesliga lesen konnte wie kaum ein Zweiter. Edlinger hat seit 2001 die Rapid mit Hingabe, fast lückenloser Treue zu seinen politischen und weltanschaulichen Prinzipien, aber auch Rücksichtslosigkeit den Mitbewerbern und sich selbst gegenüber geführt. Am 18. November geht auf der Hauptversammlung des Vereins seine Präsidentschaft zu Ende. Edlinger übergibt den populärsten Verein Österreichs mit 1,4 Millionen € Schulden, einem Jahresbudget von rund 20 Millionen €, einer Mannschaft, deren Grün sich bis hinter die Ohren erstreckt und einem bis 2039 gepachteten Hanappi-Stadion, das noch baufälliger dasteht als die Große Koalition.
Rudolf Edlinger war 2001 – 2013 Rapid-Präsident. Sein präsumptiver Nachfolger Michael Krammer, der frühere Orange-Österreich-Chef, ist ein Manager und eher der ÖVP zuzurechnen.Auf der Hauptversammlung Rapids am 18. November wird das neue Präsidium gewählt.
Es wird offenbar nur eine Liste geben. Der Xerox-Manager Thomas Kirisits war ursprünglich Favorit auf Edlingers Thron. Er hatte den ehemaligen Rapid-Spieler Hans Krankl als Vizepräsidenten auf dem Ticket. Das kostete ihn die Kandidatur, da Krankl als Funktionär von Vertretern des Vereinsestablishments und von den Fans abgelehnt wurde.
Der Falter: Warum hat Rapid einen derart schlechten Ruf bei einer eher soliden Geschäftsgebarung. Hat die Kommunikationsmaschine Rapid ein Kommunikationsproblem?
Rudolf Edlinger: Nein. Ein Problem ist, dass die über den Kreditschutzverband veröffentlichten Zahlen der Bundesligaklubs nicht nwirklich vergleichbar sind. Denn jeder Verein bilanziert anders. Außerdem treffen Bilanzen bei vielen Journalisten auf Unverständnis.
Tatsache ist, dass Rapid mehrmals Vorgriffe auf Sponsorleistungen machen musste, um überhaupt die Lizenz zu erhalten.
Das stimmt. 2003 hat uns von einem Tag auf den anderen die Bank Austria als Sponsor verlassen. Die hat 60 Prozent vom Budget finanziert. Zum Glück ist die Wien Energie eingestiegen, aber mit einem wesentlich geringeren Betrag. 2005 sind wir Meister geworden. Ein Titel ohne Mittel, der kostet nur Geld. In der Champions League haben wir uns auch nicht ausgezeichnet und konnten die Kosten aus den laufenden Einnahmen nicht bedecken. In dieser Situation haben wir mit zwei Sponsoren ausgemacht, dass wir einen Vorgriff aufs nächste Jahr machen können. Das war günstiger als ein Kredit. Und außerdem war ich dadurch sicher, dass uns die Partner nicht verlassen. Heute geht das nicht mehr, weil die Verträge in der Regel nicht länger als ein Jahr dauern. Das Problem hat damals ein Journalist aufgebracht, der die zum Konkurs führende Zahlungsunfähigkeit und die Tatsache, dass wir aus den laufenden Einnahmen die Kosten nicht decken konnten, verwechselt hat. Wir waren ja nocht konkursgefährdet. Ich hätte auch einen Kredit bekommen. Ich hätte die stillen Reserven, zum Beispiel die Spieler, aktivieren können. Manche Vereine machen das für die Lizenz. Ich habe das noch nie getan. Weil das grenzwertig ist. Im Fall eines Konkurses krieg ich für die Spieler nix mehr, weil sie nach den Bestimmungen der Liga kostenlos frei sind.
Aber sie haben den Pachtvertrag fürs Hanappi-Stadion als Sicherheit.
Stimmt, früher war die Rapid Mieter, und einen Mieter kann man jederzeit rausschmeissen. Jetzt haben wir einen Pachtvertrag mit der Stadt Wien bis 2039. Aber den haben wir auch nicht aktiviert.
Warum hat die Rapid nicht schon längst die Profiabteilung in eine Kapitalgesellschaft ausgegliedert und das Präsidium zum Aufsichtsrat gemacht?
Wir machen das jetzt und daran führt kein Weg vorbei. Wir haben schon 2006 darüber nachgedacht, als die damalige Bundesregierung überlegt hat, dem Profisport und insbesondere dem Profifußball die Gemeinnützigkeit zu entziehen. Die EU hat nämlich eine Richtlinie herausgegeben, die eine Änderung des Vereinsgesetzes verlangt hat. Die Gemeinnützigkeit bietet natürlich ungeheure steuerliche Vorteile. Sie wird Vereinen zuerkannt, die nicht auf Gewinn ausgerichtet sind. Das ist im Profifußball eine grenzwertige Angelegenheit.
Viele Vereine würden wohl gern Gewinn machen, aber es gelingt keinem.
Es ist auch fast unmöglich. Wir sind in den zwölf Jahren, in denen ich Präsidet war, bis auf zwei Mal operativ immer aktiv gewesen. Zweimal waren wir massiv defizitär und haben jedes Mal fünf Jahre gebraucht, um das wieder aufzuholen. Wir haben ein Gutachten von Deloitte, demzufolge die Umstellung von gemeinnützigem Verein auf eine Kapitalgesellschaft uns 700.000 bis zu einer Million € kostet. Andererseits ist eine Kapitalgesellschaft berechtigt, Vorsteuer abzuziehen. Aber diese Ersparnis kann ich derzeit noch nicht beziffern. Die Austria hat das schon gemacht, Sturm schon früher, und auch der SK Ried wird umstellen.
Warum stellen sie doch um, wenn das so teuer kommt?
Das Motiv war: man kann mt einer GmbH rascher und effizienter im Profibetrieb arbeiten. Ein Verein mit seinen Organen ist in heiklen Zeiten schwerfälliger als eine Kapitalgesellschaft. Allerdings musst du plötzlich für die Karten Umsatzsteuer zahlen, und eine Werbeabgabe. Aber wenn man in die Infrastruktur investiert, erspare ich mir die Mehrwertsteuer durch den Vorsteuerabzug.
Der einzige sorgenfreie Verein, RB Salzburg, hat keine Kapitalgesellschaft.
Ich weiss nicht, wie die das machen. Die sind keine Kapitalgesellschaft. Ich weiss auch nicht, wer dort der Chef vom Verein ist, im Vereinsregister ist kein Präsident eingetragen, zu den Bundesliga-Sitzungen kommt immer ein Anderer. Aber es interessiert mich auch nicht. So lange es den Mateschitz freut, wird es sie geben, wenn es ihn nicht mehr freut, sind sie hin.
Selbst die Rapid mit ihrem fast immer vollen Hanappi-Stadion tut sich angeblich bei der Sponsorsuche schwer. Wieso?
Ich hätte mir es nicht gedacht, wie hart es heute ist, potente Sponsoren zu finden. Man muss ja aufpassen mit der Jammerei. Sonst ist ein Gewerbebetrieb, der dir gerade 30.000 € sponsert, beleidigt. Zu Recht, denn das ist für den mehr als für die OMV drei Millionen.
Mit Ihnen tritt ein Vertreter der alten Netzwerke ab. Sind die Sponsorenwickel auf die Finanzkrise oder auf die Vertreibung der Marketingabteilungen großer Firmen aus Österreich zurückzuführen? Wirken die alten Netzwerke nicht mehr so wie früher?
Die großen Unternehmungen unterhalten ihre Schaltzentralen nicht in Österreich. Der alte Generaldirektor der OMV, die sicher genug Geld hat, fand Rapid attraktiv genug, um einen nennenswerten Betrag herzugeben. Der neue Generaldirektor sagt, das interessiert ihn eigentlich nicht. Sie wollen lieber in der Kultur tätig sein. Da kann man sich auf den Kopf stellen. Und Beziehungen spielen immer eine Rolle. Ob Werbung mit dem oder dem Partner in mein Marketingkonzept hineinpasst, ist immer auch eine subjektive Sache. Das ist nicht hundertprozentig objektivierbar. Weiterlesen →