„Wir verkaufen unseren Namen“

Der scheidende Rapid-Präsident Rudolf Edlinger zu Vergangenheit und Zukunft, das neue Stadion und das Problemkind Hans Krankl

Das Foto muss aus den 30ern sein und Rudolf Edlinger schaut aus wie ein mit allen Ehren zurückgetretener Vorstopper von Donaufeld oder Red Star. Die Härte und Übersicht, der Killerinstinkt und das leise Lächeln, das Männer tragen, die das Spiel lesen können – alles da. Es handelt sich natürlich um die 30er Edlingers, der seit 2001 das spiel von Österreichs Fußball-Bundesliga lesen konnte wie kaum ein Zweiter. Edlinger hat seit 2001 die Rapid mit Hingabe, fast lückenloser Treue zu seinen politischen und weltanschaulichen Prinzipien, aber auch Rücksichtslosigkeit den Mitbewerbern und sich selbst gegenüber geführt. Am 18. November geht auf der Hauptversammlung des Vereins seine Präsidentschaft zu Ende. Edlinger übergibt den populärsten Verein Österreichs mit 1,4 Millionen € Schulden, einem Jahresbudget von rund 20 Millionen €, einer Mannschaft, deren Grün sich bis hinter die Ohren erstreckt und einem bis 2039 gepachteten Hanappi-Stadion, das noch baufälliger dasteht als die Große Koalition.

Rudolf Edlinger war 2001 – 2013 Rapid-Präsident. Sein präsumptiver Nachfolger Michael Krammer, der frühere Orange-Österreich-Chef, ist ein Manager und eher der ÖVP zuzurechnen.Auf der Hauptversammlung Rapids am 18. November wird das neue Präsidium gewählt.

Es wird offenbar nur eine Liste geben. Der Xerox-Manager Thomas Kirisits war ursprünglich Favorit auf Edlingers Thron. Er hatte den ehemaligen Rapid-Spieler Hans Krankl als Vizepräsidenten auf dem Ticket. Das kostete ihn die Kandidatur, da Krankl als Funktionär von Vertretern des Vereinsestablishments und von den Fans abgelehnt wurde.

Der Falter: Warum hat Rapid einen derart schlechten Ruf bei einer eher soliden Geschäftsgebarung. Hat die Kommunikationsmaschine Rapid ein Kommunikationsproblem?

Rudolf Edlinger: Nein. Ein Problem ist, dass die über den Kreditschutzverband veröffentlichten Zahlen der Bundesligaklubs nicht nwirklich vergleichbar sind. Denn jeder Verein bilanziert anders. Außerdem treffen Bilanzen bei vielen Journalisten auf Unverständnis.

Tatsache ist, dass Rapid mehrmals Vorgriffe auf Sponsorleistungen machen musste, um überhaupt die Lizenz zu erhalten.

Das stimmt. 2003 hat uns von einem Tag auf den anderen die Bank Austria als Sponsor verlassen. Die hat 60 Prozent vom Budget finanziert. Zum Glück ist die Wien Energie eingestiegen, aber mit einem wesentlich geringeren Betrag. 2005 sind wir Meister geworden. Ein Titel ohne Mittel, der kostet nur Geld. In der Champions League haben wir uns auch nicht ausgezeichnet und konnten die Kosten aus den laufenden Einnahmen nicht bedecken. In dieser Situation haben wir mit zwei Sponsoren ausgemacht, dass wir einen Vorgriff aufs nächste Jahr machen können. Das war günstiger als ein Kredit. Und außerdem war ich dadurch sicher, dass uns die Partner nicht verlassen. Heute geht das nicht mehr, weil die Verträge in der Regel nicht länger als ein Jahr dauern. Das Problem hat damals ein Journalist aufgebracht, der die zum Konkurs führende Zahlungsunfähigkeit und die Tatsache, dass wir aus den laufenden Einnahmen die Kosten nicht decken konnten, verwechselt hat. Wir waren ja nocht konkursgefährdet. Ich hätte auch einen Kredit bekommen. Ich hätte die stillen Reserven, zum Beispiel die Spieler, aktivieren können. Manche Vereine machen das für die Lizenz. Ich habe das noch nie getan. Weil das grenzwertig ist. Im Fall eines Konkurses krieg ich für die Spieler nix mehr, weil sie nach den Bestimmungen der Liga kostenlos frei sind.

Aber sie haben den Pachtvertrag fürs Hanappi-Stadion als Sicherheit.

Stimmt, früher war die Rapid Mieter, und einen Mieter kann man jederzeit rausschmeissen. Jetzt haben wir einen Pachtvertrag mit der Stadt Wien bis 2039. Aber den haben wir auch nicht aktiviert.

Warum hat die Rapid nicht schon längst die Profiabteilung in eine Kapitalgesellschaft ausgegliedert und das Präsidium zum Aufsichtsrat gemacht?

Wir machen das jetzt und daran führt kein Weg vorbei. Wir haben schon 2006 darüber nachgedacht, als die damalige Bundesregierung überlegt hat, dem Profisport und insbesondere dem Profifußball die Gemeinnützigkeit zu entziehen. Die EU hat nämlich eine Richtlinie herausgegeben, die eine Änderung des Vereinsgesetzes verlangt hat. Die Gemeinnützigkeit bietet natürlich ungeheure steuerliche Vorteile. Sie wird Vereinen zuerkannt, die nicht auf Gewinn ausgerichtet sind. Das ist im Profifußball eine grenzwertige Angelegenheit.

Viele Vereine würden wohl gern Gewinn machen, aber es gelingt keinem.

Es ist auch fast unmöglich. Wir sind in den zwölf Jahren, in denen ich Präsidet war, bis auf zwei Mal operativ immer aktiv gewesen. Zweimal waren wir massiv defizitär und haben jedes Mal fünf Jahre gebraucht, um das wieder aufzuholen. Wir haben ein Gutachten von Deloitte, demzufolge die Umstellung von gemeinnützigem Verein auf eine Kapitalgesellschaft uns 700.000 bis zu einer Million € kostet. Andererseits ist eine Kapitalgesellschaft berechtigt, Vorsteuer abzuziehen. Aber diese Ersparnis kann ich derzeit noch nicht beziffern. Die Austria hat das schon gemacht, Sturm schon früher, und auch der SK Ried wird umstellen.

Warum stellen sie doch um, wenn das so teuer kommt?

Das Motiv war: man kann mt einer GmbH rascher und effizienter im Profibetrieb arbeiten. Ein Verein mit seinen Organen ist in heiklen Zeiten schwerfälliger als eine Kapitalgesellschaft. Allerdings musst du plötzlich für die Karten Umsatzsteuer zahlen, und eine Werbeabgabe. Aber wenn man in die Infrastruktur investiert, erspare ich mir die Mehrwertsteuer durch den Vorsteuerabzug.

Der einzige sorgenfreie Verein, RB Salzburg, hat keine Kapitalgesellschaft.

Ich weiss nicht, wie die das machen. Die sind keine Kapitalgesellschaft. Ich weiss auch nicht, wer dort der Chef vom Verein ist, im Vereinsregister ist kein Präsident eingetragen, zu den Bundesliga-Sitzungen kommt immer ein Anderer. Aber es interessiert mich auch nicht. So lange es den Mateschitz freut, wird es sie geben, wenn es ihn nicht mehr freut, sind sie hin.

Selbst die Rapid mit ihrem fast immer vollen Hanappi-Stadion tut sich angeblich bei der Sponsorsuche schwer. Wieso?

Ich hätte mir es nicht gedacht, wie hart es heute ist, potente Sponsoren zu finden. Man muss ja aufpassen mit der Jammerei. Sonst ist ein Gewerbebetrieb, der dir gerade 30.000 € sponsert, beleidigt. Zu Recht, denn das ist für den mehr als für die OMV drei Millionen.

Mit Ihnen tritt ein Vertreter der alten Netzwerke ab. Sind die Sponsorenwickel auf die Finanzkrise oder auf die Vertreibung der Marketingabteilungen großer Firmen aus Österreich zurückzuführen? Wirken die alten Netzwerke nicht mehr so wie früher?

Die großen Unternehmungen unterhalten ihre Schaltzentralen nicht in Österreich. Der alte Generaldirektor der OMV, die sicher genug Geld hat, fand Rapid attraktiv genug, um einen nennenswerten Betrag herzugeben. Der neue Generaldirektor sagt, das interessiert ihn eigentlich nicht.  Sie wollen lieber in der Kultur tätig sein. Da kann man sich auf den Kopf stellen. Und Beziehungen spielen immer eine Rolle. Ob Werbung mit dem oder dem Partner in mein Marketingkonzept hineinpasst, ist immer auch eine subjektive Sache. Das ist nicht hundertprozentig objektivierbar.

Man kann Kontaktzahlen sammeln, Imageumfragen machen.

Wenn sie Sportsponsoring machen, gibt es mehrere Möglichkeiten. Und die OMV ist eher im Motorsport engagiert. Oder du kannst sagen, Fußball interessiert in Österreich die meisten Menschen, die sich für Sport interessieren. Und alle Fußballfans fahren Auto. Jede Entscheidung musst du verantworten. Wenn du einfach der Rapid hundert Millionen gibst, gehst in den Häfen. Wir lassen den Werbewert regelmäßig von einem wissenschaftlichen Institut, das auch für die UEFA arbeitet, ausrechnen. Der ist in der Regel das Dreifache von dem, was wir bekommen. Ich weiss auch nicht, ob das stimmt, aber so machen die das. Also wir sind sicher ein guter Werbebotschafter.

Aber die Fans ruinieren Ihnen viel Image und Werbewert, wenn sie beim Derby den Platz stürmen oder in Saloniki tumultieren.

Ich weiss das schon. Ich behaupte, das hängt mit den zunehmenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten zusammen. Die Leute kompensieren ihre Probleme auf den Zuschauertribünen. Wir sind in Österreich relativ gut dran, aber was sich in Deutschland abspielt! Nicht immer in der ersten Liga, aber in der zweiten und dritten Liga! Man muss nur in die Internetforen schauen. Die haben dort in der zweiten Liga mehr Zuschauer als wir in der ersten, daher kann man das ruhig so vergleichen. In England haben sie die Hooligans mit Tickets, die 70 Pfund kosten, aus der erste Liga vertrieben. Die raufen halt jetzt in der dritten Division, und darüber wird nicht berichtet.

Ist der Fußball ein Sensor für soziale Probleme?

Wenn wer den Marcel Hirscher runter fahren sieht, denkt er sich kaum: das kann ich auch fast. Bei Fußball ist das anders. Wenn der Messi einmal nicht trifft, hörst du überall: wieso hat der Trottel den nicht reingehaut, das hätte ja sogar ich gemacht. Und Fußball hat eine sehr hohe soziale Identifikationskraft. Fußball ist ein relativ einfacher Sport, leicht zu verstehen. Bei Tennis oder Golf muss man viel mehr wissen. Zu keinem anderen Sport kommen auch nur annähernd so viele Zuschauer. Überall gibt es Fangruppen, dort fühlen sich viele wohl, die im Leben Probleme haben.

Rapid hat die meisten Raufhansln und Krakeeler, warum tun sie nichts dagegen?

Stimmt nicht. Die Selbstreinigungskraft unserer Fanclubs ist phänomenal. Rechtsradikale gibt es da nicht mehr.

Ein anderes Problem ist der unziemliche Einfluss der Fanclubs auf Rapids Entscheidungen. Vereinigungen wie die Ultras oder Zukunft Rapid gerieren sich ja als die bessere Klubführung.

Ich setze mich gern mit den Fans zusammen und diskutiere Vorschläge. Aber was gewisse Transparente oder Gesänge betrifft, zum Beispiel „Vorstand raus“, da war ich immer ziemlich unbeeindruckt. Das kann nicht sein. Wir sind ein wirklicher Verein. Wenn sie drei Jahre lang Mitglied sind, haben sie jedes aktive und passive Recht, das im Vereinsgesetz steht. Das ist bei anderen Fußballklubs nicht so. Da ist es ein Closed Job. Das habe ich übernommen und bekenne mich dazu. Aber sie müssen erst eine Versammlung mit über tausend Menschen führen und dann muss etwas Positives rauskommen. Das macht aber auch Rapid aus, deswegen sind wir der größte Verein in Österreich mit der größten Emotion. Der Grat zwischen dem, was noch und was nicht mehr erträglich ist, ist schmal.

Sie sind ein prononcierter Vertreter der alten Garde, führungsstark und volksnahe. Wird sich durch die neue Führungsriege mit einem Manager an der Spitze der Charakter des Vereins ändern?

Ich bin endlos lang beim Verein. Bei einem Umzug vor Jahren habe ich eine Mitgliedskarte von 1972 gefunden. Da haben wir noch Marken gepickt.

Das war noch die Zeit der großen Patriarchen wie Anton Benya. Da sind Sie dagegen ein Demokrat.

Ja ja. Ich bin 1986 ins Kuratorium eingetreten, seit damals bin ich Funktionär. Mit jedem Präsidenten und Präsidium ändert sich der Stil. Es gibt sogar welche, die meine Amtsführung kritisieren, ich finde das sogar legitim. Natürlich wird sich das neue Präsidium neue Rahmenbedingungen schaffen. Die Kapitalgesellschaft wird 2014 eingeführt werden, damit ändert sich die Struktur des Vereins, die Kommunikationswege ändern sich. Aber am Ende sitzen Leute im Stadion.

Der Einfluss der Fans auf die Kapitalgesellschaft . .

. . .wird geringer. Wir müssen unterscheiden zwischen Fans im Stadion und Mitgliedern.

Ist es für Rapid undenkbar, das desolate Hanappi-Stadion aufzugeben und in das Happel-Stadion umzuziehen, sollte das tatsächlich auch neu gebaut werden?

Meiner Meinung nach völlig undenkbar.

Aber die Rapid kann sich ein neues Hanappi-Stadion doch nie leisten. Zwar sagt Geschäftsführer Werner Kuhn, Rapid habe rund 20 Millionen € aus zugesagten und nicht bezogenen Förderungen der Stadt Wien auf der hohne Kante, aber der Neubau kostet 50 Millionen €.

Diese Finanzierungsüberlegungen sind fertig. Der springende Punkt ist: wir verkaufen das Namensrecht.

Für 30 Millionen €?

Nanana. Ist ja wurscht um wie viel. Wir haben eine Kosten-Nutzung-Rechnung gemacht, die fusst auf gleichartigen Stadien in Deutschland und der Schweiz. Zum Beispiel Basel, Mainz, Ingolstadt. Dort wird durch ein erhöhtes Volumen von Kommerz- und VIP-Plätzen eine viel höhere Wirtschaftlichkeit erzielt. Wir vergleichen uns nicht mit der Allianz-Arena von Bayern München, wir sind ja nicht größenwahnsinnig. Aber ich war selber in einigen vergleichbaren Stadien und habe mit Vereinsverantwortlichen gesprochen, die in den vergangenen Jahren gebaut haben. Überall hat ein neues Stadion einen nachhaltigen Zuwachs von 25 bis 30 Prozent an Zuschauern gebracht.

Hat Rapid untersucht, ob das auch in Wien drinnen wäre? 30 Prozent mehr wären 20.000 Zuschauer. Im Schnitt!

Genau. 20.000 bis 22.000. Wobei ein viel höherer Prozentsatz als jetzt VIP-Plätze wäre. Wir haben derzeit nur 500 VIP-Plätze. Ich brauche aber mehr VIP-Plätze, denn Sponsoren  muss ich etwas bieten. Leiberl, Bandenwerbung, aber auch Karten. So, sie erinnern sich an das Geisterspiel nach dem Platzsturm im Derby. Nachher habe ich angeordnet, dass wir zwei Mal gegen die Autria nicht im Hanappi-Stadion, sondern im Happel-Stadion spielen. Wissen Sie, was als erster Posten ausverkauft war? Die 1500 VIP-Plätze. Der VIP-Bereich wird von Menschen gefüllt, die ein bisserl mehr Geld haben, den Fußball als angenehme Begleiterscheinung sehen und mit Freunden gern ein bisserl was essen und trinken wollen. Das kann ich im Hanappi-Stadion nicht anbieten.

Also wie geht die Finanzierungsrechnung?

Wir haben das von einem Wirtschaftsinstitut rechnen lassen. Ein Kredit von zehn bis 15 Millionen € kann in einem derartig gestalteten neuen Stadion mit 25.000 Plätzen problemlos in zehn Jahren zurückgezahlt werden. Aus dem Betrieb! Die Finanzierung passiert also mit dem Polster von 20 Millionen, einem Kredit von 15 Millionen und dem Erlös aus dem Namensrecht von 15 Millionen. Zum Beispiel eine Million pro Jahr. Im Happel Stadion ist das nicht zu machen. Wenn das auf ein richtiges Fußball-Stadion umgebaut werden soll, muss ich mich fragen, ob die, die das veranlassen, leicht deppert geworden sind. Denn um das selbe Geld kann ich zwei Stadion wie das unsere bauen.

Aber braucht Wien nicht ein richtiges Stadiion von internationaler Kapazität, um sich für ein Europacup-Finale oder als Standort der EURO bewerben zu können? Sagt sogar ÖFB-Präsident Leo Windtner.

Das ist nur verwendbar, wenn sie sicher sind, dass sie mindestes 30.000 Zuschauer haben. Sonst ist dort Zentralfriedhof.

Man müsste dort ein neues Stadion bauen.

Sie meinen abreissen und neu bauen? Aber das kann ich doch auch in Hütteldorf.

In Hütteldorf haben Sie jetzt schon Probleme mit dem Verkehr.

Am Samstag ist die Parkgarage leer. Aber das neue Happel-Stadion wäre für uns eh zu groß. Und ich verlange von der Stadt Wien nichts mehr. Die 20 Millionen setzen sich aus den 17,7 Millionen der Förderung plus dem Rest, der bei der Einrichtung der Akademie übergeblieben ist, zusammen. Die Förderung war eine Verpflichtung der Stadt Wien beim Abschluss des Pachtvertrages. Weil das Stadion in einem desolaten Zustand war. Wir hätten ja auch sagen können: erst sanieren und erweitern, dann machen wir den Vertrag.

Was hätte die Sanierung gekostet?

Eine sehr renommierte Firma hat sich das angeschaut. Der Besucher würde auf neuen Sesseln sitzen und neue Klos benützen. Sonst bleibt alles gleich. Wie im Linzer Stadion, dort hat das 34 Millionen gekostet. Jede Erweiterung wäre so teuer, dass alles das, was wir uns wünschen, auf fast 60 Millionen € kommt und wir nur 22.000 Zuschauer reinbringen.

Also Neubau?

Alternativlos, meiner Meinung nach. In den vergangenen drei Jahren ist der SK Rapid im nationalen Bewerb nie in die schwarzen Zahlen gekommen. Wir haben Einnahmen aus den Karten und von den Sponsoren. Wir brauchen eine dritte Säule, wie sie schon überall üblich ist: Hospitality, VIP-Plätze und Logen. Ein Stadion, das diese fixe Einnahme garantiert, brauchen wir. Wenn wir das nicht schaffen, wird der Verein mittelfristig nicht existieren können. Es gibt Fußballinteressierte der A- und B-Schicht, die ein anderes Fußballerlebnis wünschen, als das auf den alten Fußballplätzen mög,ich ist.

Kann dem alten Sozialdemokraten Edlinger diese Fraktionierung der Gemeinschaft recht sein?

Das ist keine politische Frage. Die Frage ist, was will ich mir leisten?

Eine moralische Frage: das Gemeinschaftserlebnis geht durch die VIP-Boxen flöten.

Natürlich muss man ein paar Boxen machen. Das ist lukrativ. Obwohl die neuen Anti-Korruptionsgesetze das einem Unternehmen nicht erleichtern, so eine VIP-Loge zu kaufen und dort jemanden einzuladen. Auch in einem neuen Happel-Stadion habe ich nur 10.000 Zuschauer, wenn ich gegen die Admira spiele. Deswegen war ich immer für die Zehnerliga: aus rein kommerziellen Interessen spiele ich lieber vier Mal gegen die Austria als nur zwei Mal und dafür zwei Mal gegen Altach.

Als es um die TV-Verträge ging, wollten sie für Rapid auf Kosten der Kleinen mehr Geld. Sie haben die Solidarität aufgekündigt.

Mir ist es darum gegangen, dass die Attraktivität, die sich durch Zuschauer und Einschaltquoten bemisst, in der Aufteilung der Fernsehgelder ausdrückt. Österreich ist das einzige Land, in dem die Fernsehgelder mehr oder weniger gleich verteilt werden. Mit Ausnahme des Ölsterreicher-Topfs, der den Einsatz von Österreichern mit einer Prämie aus den TV-Geldern belohnt.

Die Attraktivtät Rapids beruht doch im Prinzip auf einer funktionierenden Liga. Und wenn die Großen immer mehr Geld kriegen als die Kleinen, geht die Liga zugrunde.

Warum kriegt Bayern mehr als Braunschweig aus den TV-Lizenzen? Weil die Bayern mehr Zuschauer anziehen und diesen Schlüssel durchgesetzt haben. Zu Recht, meiner Meinung nach. Höhere Attraktivität ist doch auch mit mehr Aufwand verbunden.

Ihre Attraktivität ist ein Geschenk der Geschichte, als Arbeitersportklub ist die Rapid ein Kind der Solidarität und die wollen sie als Sozialdemokrat für ein paar TV-Silberlinge opfern?

Das ist eine völlig falsche Interpretation der Sozialdemokratie, wenn man darunter Gleichmacherei versteht. Ich bin solidarisch, daher soll jeder was kriegen. Aber ich muss mehr für die Sicherheit zahlen als Altach, weil ich mehr Zuschauer habe. Wir sind Wirtschaftsbetriebe und ich kann nicht akzeptieren, dass jeder die gleiche Prämie kriegt, egal, was er leistet. Ich war damals für einen Mix aus Zuschauerzahlen, Fernsehquote und Tabellenplatz, der bei der Aufteilung der TV-Gelder eine Rolle spielt. Immerhin haben wir erreicht, dass bei dem Zuwachs im Vergleich zum alten Vertrag dieser Mix eine Rolle spielt. Das macht bei uns 50.000 € aus. Das ist nicht viel, aber wir haben den Fuß in der Türe. Und die TV-Werbung vor der Übertragung darf irgendwann einmal die Heimmannschaft vermarkten.

Schönstes erlebnis? Peinlichstes Erlebnis?

Unser Sieg in Moskau, die zwei Siege in Kazan. Der Sieg über Aston Villa hat mich sehr erfreut und das 3:0 gegen den HSV hat mich mit Stolz erfüllt. Und der Ostersonntag eines bestimmten Jahres. 7:0 in Salzburg. Da saß sogar meine Frau vor dem Fernseher. Die negativen Höhepunkte? Der Platzsturm beim Derby. Damit habe ich nicht gerechnet. Der Krawall in Saloniki war auch international ein großer Schaden.

Und der Trainer-Reinfall Lothar Matthäus? Der damalige Rapid-Torhüter Ladi Maier hat in einem Interview gesagt, er habe nie einen größeren Tölpel als Trainer kennen gelernt.

Den Matthäus habe ich nicht verpflichtet, den habe ich geerbt.

Aber Sie haben hin rausgeworfen.

Ist mir nichts anderes übrig geblieben. Der Hauptsponsor Bank Austria hat ihn vor meiner Zeit aufgrund irgendwelcher Überlegungen verpflichtet. Er war ein teurer Trainer und er hat die schlechteste Platzierung Rapids in der Geschichte abgeliefert. Achter! Er hat angefangen, uns zu beschimpfen und das ist nicht leiwand, wenn jemand die Firmenleitung beschimpft. Wir sind damals auch wirtschaftlich glimpflich davongekommen. Ich habe Hickersberger, Zellhofer, Pacult, Schöttel und Barisic als Trainer gehabt.

Reden Sie und Peter Pacult wieder miteinander? Nach der turbulenten Trennung hat er ja gedroht, sein Geld einklagen zu wollen.

Damals haben alle geschrieben, dass er zu Red Bull geht. Er hat das abgestritten, aber nicht sehr glaubhaft. Wir haben uns getrennt und vier Wochen später war er in Leipzig. Daher glaube ich, dass meine Empfindungen eines Vertrauensbruches legitim waren. Persönlich bin ich ihm nicht böse, vor kurzem habe ich ihm heftig zum Geburtstag gratuliert. Manchmal musst du Entscheidungen treffen, die nicht für jeden verständlich sind.

Warum ist der Jahrhundertrapidler Hans Krankl in der täglichen Arbeit nicht zu brauchen?

Jeder hat seine Qualitäten. Der Hans Krankl ist eine Ikone, die in der objektiven Arbet nicht einbaubar ist. Vom Wahlkomitee ist er einstimmig abgelehnt worden, Man schätzt ihn offenbar richtig ein. In der nostalgischen Betrachtung gewisser Situationen ist er nicht wegzudenken. Für die operative Arbeit wird er als nicht verwendbar eingeschätzt.

Er sagt Sachen wie „nur ich habe ein Herz für Rapid“ und „bei Rapid sind böse Menschen“. Kränkt sie das?

Mit der Fernsehdiskussion bei Sky hat er sich deklariert.

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Eine Antwort zu „Wir verkaufen unseren Namen“

  1. frizzdog schreibt:

    na bum, du kennst dich ja im fußball besser aus als ich beim schifahren!
    alle achtung, Hannes!

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