Über ein Leben mit Stil

ÖOC-Prozess: Anklage wirft Ex-Generalsekretär Jungwirth Untreue im Ausmaß von 2,7 Millionen Euro vor – Jungwirth will seine Unschuld beweisen

Die Aufarbeitung der jüngsten olympischen Geschichte beginnt heute im Wiener Straflandesgericht. Ab neun Uhr steht in dem für drei Tage anberaumten Prozess der ehemalige ÖOC-Generalsekretär Heinz Jungwirth vor seinem Richter. Die vom Salzburger Staatsanwalt Andreas Allex verfasste Anklageschrift wirft ihm und seiner ehemaligen Stellvertreterin als Mittäterin vor, „von 2003 bis Februar 2009 in zahlreichen Angriffen . . dem ÖOC einen EUR 50.000 übersteigenden Schaden zugefügt“ zu haben. Es handelt sich um das „Verbrechen der Untreue nach §153“, heisst es in der Anklage. Und zwar sollen sie Gelder aus dem Vereinsvermögen des ÖOC teils an Jungwirth, teils an „seiner Sphäre zuzuordnende Dritte“ transfertiert“ haben. Es geht laut Anklage um 2.782.898,88 Euro.

Die Anklage verdächtigt Jungwirth der Bereicherung, seine Stellvertreterin ist von diesem Vorwurf nicht betroffen, sie soll Belege ungeprüft gegengezeichnet und damit zur Überweisung frei gegeben haben. Jungwirth und seine Stellvertreterin weisen die Vorwürfe zurück. Jungwirth kritisiert die seiner Meinung nach aus der Luft gegriffene Schadenshöhe. Sie stammt im Wesentlichen aus einem Gutachten stammt, das Ex-ÖOC-Präsident Leo Wallner und ÖOC-Präsident Karl Stoss bei der BDO beauftragten.

Jungwirth soll vom ominösen „Verrechnungskonto Nr. 4.293.700 des ÖOC bei der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien Überweisungen und Barbehebungen auf eigene Konten oder an „ihm zuzuordnende Empfänger, teils gemeinsam mit seiner Stellvertreterin, getätigt haben. Außerdem soll er vom ÖOC-Sparbuch Geld bar zu privater Verwendung abgehoben haben.

Jungwirth wird sich vor dem Schöffensenat unter dem Vorsitz von Georg Olschak „nicht schuldig“ bekennen. Sein Anwalt Herbert Eichenseder will mit Belegen nachweisen, dass Jungwirths Geschäftsführung ordnungsgemäß abgelaufen sei. Wenn man das betreffende Gutachten und die Unterlagen genau rechne, so auch Jungwirth, sei auf dem von der Anklage angeführten Sparbuch (Punkt 4) sogar ein Überschuss von rund 100.000 € auszuweisen. Weiterlesen

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Von Männern, die fremdes Gut achten

Ex-ÖOC-Generalsekretär Heinz Jungwirth steht wegen des Verdachts der Untreue vor Gericht. Die Anklage basiert zu wesentlichen Teilen auf einem Privatgutachten der BDO Auxilia Treuhand, die seit vielen Jahren für die Casinos Austria arbeitet

 

Die mutmaßlichen Malversationen im Österreichischen Olympischen Comitee ÖOC erreichen am 7. Mai das Landesgericht Wien. Der ehemalige ÖOC-Generalsekretär Heinz Jungwirth und seine Stellvertreterin sind der Untreue (§153 StGB) angeklagt. Jungwirth wird vorgeworfen, das ÖOC um rund 2,7 Millionen Euro geschädigt zu haben. Sein ehemaliger Chef, Ex-ÖOC-Präsident Leo Wallner, soll am Dienstag als Zeuge unter Wahrheitspflicht aussagen.

Jungwirth war dem Präsidenten weisungspflichtig und dessen Aussagen könnten zur Erhärtung oder Klärung der Vorwürfe beitragen. In einem Telefonat vor zehn Tagen konnte sich Wallner nicht mehr daran erinnern, ob er von der Staatsanwaltschaft Salzburg selber als Beschuldigter geführt wird oder nicht. Die Anwältin Huberta Gheneff bestätigte der „Presse“, dass gegen Wallner sehr wohl weiterhin ermittelt wird. Wie auch gegen weitere Verdächtige. Jungwirth trat Ende Februar 2009 aus dem ÖOC aus.

Die Inhalte der Anklage werden am Montag in der „Presse“ näher erläutert. Heute geht es um die Geschichte einiger Gutachten, auf die sich die Staatsanwaltschaft stützt. Als die ersten Medienberichte über Malversationen im ÖOC und die angebliche Bereicherung Jungwirths auftauchten, veranlasste die ÖOC-Rechnungsprüferin Bettina Glatz-Kremsner (Casinos Austria) eine Prüfung durch die BDO Auxilia Treuhand, die seit vielen Jahren die Bilanzen der Casinos Austria testiert. In einer Sitzung im Casino Baden trug Glatz-Kremsner die Ergebisse aus dem Abschlussbericht (28. 7. 2009) vor: Ein Refundierungsbedarf von Jungwirth in der Höhe von 72.285,17 €. Davon hatte Jungwirth bereits vor der Prüfung 18.750,47 € zurückgezahlt. Den Rest beglich er bald darauf.

In einer Untersuchung von Deloitte Audit über die „widmungsgemäße Verwendung der öffentlichen Mittel“ im ÖOC fand sich am 30. 7. 2009 kein Anlass für wesentliche Beanstandungen. Doch der mediale Wirbel um mutmaßlichen Unterschleif im ÖOC wollte sich nicht legen und ÖOC-Präsisdent Leo Wallner trat Mitte September 2009 zurück. Der neue Generaldirektor der Casinos Austria, Karl Stoss, ersetzte ihn am 22. Oktober.

Am 25. September geht Leo Wallner in die Offensive und bittet – wiederum – die BDO, „die Vereinsrechnungsprüfer sowie die vom ÖOC eingesetzte Kommission“ bei der Prüfung der Rechnungsabschlüsse 2005 bis 2008 zu unterstützen. Neo-Präsident Karl Stoss schließt sich am 15. Dezember 2009 Wallners Bitte an. Die BDO prüft bis heute die Casinos. Mit der Arbeit wird ein alter Bekannter der Herren Wallner und Stoss‘ betraut: Walter Knirsch, der zu diesem Zeitpunkt bereits pensionierte Geschäftsführer der KPMG. Er erstellt für die BDO ein unabhängiges Gutachten. Zu diesem Zeitpunkt ist Leo Wallner noch nicht Gegenstand staatsanwaltlicher Ermittlungen. Weiterlesen

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Das Budapester Vorbild

Die Sportfreundschaft Österreich-Ungarn und ein historisches Denkdefizit

Eishockey könnten sie nicht so gut, das sagen sie selber, die Ungarn. So war es vielleicht kein Zufall, dass die Ausstellung über die Sportfreundschaft an der Donau am Tag eröffnet wurde, als Österreich Eishockey-Team die Ungarn 7:2 betonierte und damit den Aufstieg in die WM-A-Gruppe sicherte. Der Direktor des ungarischen Sportmuseums, Lajos Szabo, hatte im Collegium Hungaricum Hollandstraße 4, 2010) eine kleine Schau durch die vergangenen rund 200 Jahre zusammengestellt, die all die wechselnden politischen Verhältnisse und Verbindungen, auf einer Zeitspur vom Habsburgerreich über die Folgen des Zweiten Weltkrieges und den Kommunismus bis zur Öffnung des Ostens, darstellt. Die Fußball-Nationalmannschaften beider Völker bestritten am 12. Oktober 1902 das jeweils erste offizielle Ländermatch gegeneinander, kein Wunder also, rund um den Schwerpunkt Fußball eine Galerie an Sporthelden, sentimentalen Schlachten und Heimstätten der Selbstvergewisserung ausgebreitet wird.

Marton Mehes, als Direktor des Collegium Hungaricum der Gastgeber, verwies auf die wichtige Rolle des ungarischen Sportmuseums zur Bewahrung der Sportgeschichte und ihrer Fetische. Er konnte wohl nicht wissen, dass genau diese Disziplin der kritischen Durchleuchtung von Vergangenheit und Zukunft auf Österreichs Universitäten, wo es sie in Ansätzen gab, ausgehungert wurde und wird. Im heimischen Sportsystem zwischen Bundessport-Organisation, institutionellen und behördlichen Geldgebern und Förderern und dem Sportministerium traf die Bestandsaufnahme von Vergangenheit und Gegenwart ohnehin nie auf Bereitschaft, dafür Zeit, Aufmerksamkeit oder gar Geld aufzuwenden.

Die „Sportfreunde an der Donau“ (bis 21. September) bietet daher nicht nur einen Bilderbogen, der von den ersten, noch im Kavalierskostüm unternommenden Anfänge sportlicher Betätigung über Heroen wie Ferenc Puskas und seinen Widerpart Ernst Happel (Gegner während der Wm 1954!), den legendären Tibor Nyilasi und seinen Austria-Haberer Herbert Prohaska und die Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Emese Hunyady bis herauf in unsere Tage (Sturms Stürmer Imre Szabics, Wandergoalie Szabolcs Safar) reicht. Er bildet gleichzeitig, wenn auch unfreiwillig, ein systemisches Defizit im demokratischen Gefüge des heimischen Sports ab.

Zwar steht in Budapest ein Sportmuseum, die Beschäftigung mit der kommunistischen (Sport-)Vergangenheit unterliegt freilich nach wie vor einem Tabu. Witzigerweise teilen Staaten des ehemaligen Ostblocks das Desinteresse an der Hebung und Bearbeitung der eigenen Vergangenheit. Der Wiener Sporthistoriker Rudolf Müllner von der Universität Wien erzählte in seinem Eröffnungsvortrag vom einschlägigen Forschungsstand: Null Publikationen. Die Nachbarstaaten Tschechien, Slowakei, Polen und Ungarn erlauben zwar seit zwanzig Jahren in geographischer Hinsicht freien Zugang zueinander, verweigern jedoch den Gedankenverkehr in einem zentralen Sektor des kulturellen und Alltagslebens. Weiterlesen

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Barcelona und die drei Affen

Pep Guardiola und seine Mannschaft sind der Gegenentwurf zum zynischen Sportbusiness. Wenn die UEFA auf der Ukraine als EURO-Standort besteht, muss sie zumindest darüber reden.

Josep Guardiola i Sala hat vier Jahre lang die frohe Botschaft des FC Barcelona mitgeschrieben, nun ist er müde. Die Last des schönen Spiels und der Leichtigkeit drückt nach drei Meistertiteln in Folge und den Siegen in der Champions League 2009 und 2011 zu schwer. Jetzt Pause, bevor die EURO 2012 in Polen und der Ukraine losgeht.

Nach den Regeln des Fußball-Business dürfte es Barcelonas Erfolg gar nicht geben. Ein Verein, der von den Fans, der Stadt und der Region Katalonien als Mahnmal und Versammlungsort der Freiheit und Unabhängigkeit geschätzt wird, und diese Ansprüche mit Eleganz und Witz einlöst, ist der Gegenentwurf zum sturen, umsatzgierigen UEFA- und FIFA-Betrieb. Barcelona, seine Präsidenten und Spieler, bekannten sich seit dem Tag der Gründung durch den Schweizer Hans „Juan“ Gamper stets auch zu einer liberalen, diskursintensiven Form der Teilnahme am öffentlichen Leben. Manchmal war die Bindung zu lokalen politischen Bestrebungen zu eng, zeitweise wurde sie loser gehandhabt, abgerissen ist sie nie.

Guardiola ist ein Kind dieses Klubs und dieser Lebenseinstellung, er spielte im „Dreamteam“, das 1992 den Meistercup gewann. Der aktuelle Sportdirektor Barcelonas, Andoni Zubizarreta, stand im Tor. Der Holländer Johan Cruyff hatte die Mannschaft aufgebaut, er gilt als der Gründungsheilige dieser speziellen Weiterentwicklung des Kurzpassspiels und Guardiola war einer seiner Musterschüler. Weiterlesen

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Der Mann mit den vielen Hüten und Sorgen

Die angebliche Reform der NADA zeigt Machtverhältnisse und Unvereinbarkeiten im österreichischen Verbandssports auf. Und zwingt zur Frage: Warum werden nach Dopingfällen keine Fördermittel zurückgezahlt?

Peter Mennel saß im Cafe Mozart und war voller Zuversicht und, für einen der grundsätzlich hochfahrenden Alemannen, an diesem Nachmittag von unüblicher Geduld. Der (bezahlte) Generalsekretär des ÖOC mühte sich redlich, seine Parallell-Funktion als Finanzreferent des Skiverbandes als Glücksfall für beide Institutionen darzustellen. Auf die Idee, es handle sich um eine Unvereinbarkeit, wenn jemand einem Fachverband die Finanzen ordne, ihn vor der FIS vertrete und vom Dachverband (ÖOC) herab Förderungen fließen lasse, könnten nur Miesmacher verfallen.

Die von Mennel verkörperte Personalunion ist im verfilzten System des geförderten Spitzensports kein Einzelfall, so manche Spitzenfunktionäre tragen noch mehr Hüte. Das macht Mennels Beispiel nicht sympathischer, das Ganze Gesumse vielmehr eher auswegloser und reformresistent.

Ein krasses Beispiel dafür bietet derzeit der Skandal um die NADA, die von einem Audiotape des erstinstanzlich zu sechs Jahren Sperre verurteilten Sportbetrügers Christian Hoffmann blamiert wurde. Die Vorwürfe: Merkwürdige Urteilsfindung, Sexismus, Unsachlichkeit, Ahnungslosigkeit. ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel polterte gegen die NADA-Rechtskommission: „Diese Richter dürfen nie wieder ein Urteil in einer Doping-Verhandlung fällen. Wir lehnen sie als befangen ab.“ Weiterlesen

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