Der Mann mit den vielen Hüten und Sorgen

Die angebliche Reform der NADA zeigt Machtverhältnisse und Unvereinbarkeiten im österreichischen Verbandssports auf. Und zwingt zur Frage: Warum werden nach Dopingfällen keine Fördermittel zurückgezahlt?

Peter Mennel saß im Cafe Mozart und war voller Zuversicht und, für einen der grundsätzlich hochfahrenden Alemannen, an diesem Nachmittag von unüblicher Geduld. Der (bezahlte) Generalsekretär des ÖOC mühte sich redlich, seine Parallell-Funktion als Finanzreferent des Skiverbandes als Glücksfall für beide Institutionen darzustellen. Auf die Idee, es handle sich um eine Unvereinbarkeit, wenn jemand einem Fachverband die Finanzen ordne, ihn vor der FIS vertrete und vom Dachverband (ÖOC) herab Förderungen fließen lasse, könnten nur Miesmacher verfallen.

Die von Mennel verkörperte Personalunion ist im verfilzten System des geförderten Spitzensports kein Einzelfall, so manche Spitzenfunktionäre tragen noch mehr Hüte. Das macht Mennels Beispiel nicht sympathischer, das Ganze Gesumse vielmehr eher auswegloser und reformresistent.

Ein krasses Beispiel dafür bietet derzeit der Skandal um die NADA, die von einem Audiotape des erstinstanzlich zu sechs Jahren Sperre verurteilten Sportbetrügers Christian Hoffmann blamiert wurde. Die Vorwürfe: Merkwürdige Urteilsfindung, Sexismus, Unsachlichkeit, Ahnungslosigkeit. ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel polterte gegen die NADA-Rechtskommission: „Diese Richter dürfen nie wieder ein Urteil in einer Doping-Verhandlung fällen. Wir lehnen sie als befangen ab.“Am Tag der Veröffentlichung tagte das Kuratorium der NADA. Das ist ein ein beratendes Gremium, zusammengesetzt  aus Vertretern der Bundessport Organisation, der Länder und des Ministeriums. NADA-Geschäftsführer Andreas Schwab, eingezwängt zwischen seiner Unabhängigkeit, dem Ultimatum des ÖSV und der öffentlichen Empörung des Sportministers Norbert Darabos, bat die Herren und Damen des Kuratoriums um Rat.

Das Kuratorium reagierte vernünftig: es wollte erst Hoffmanns Originalaufnahme hören, bevor man raten könne. Ein Herr in der Runde hörte aufmerksam zu: Peter Mennel, Vertreter des ÖOC. Und seit vielen Jahren Vertrauter von Peter Schröcksnadel.

Die NADA ist ein Instrument der Fachverbände, die sozusagen die Doping-Gerichtsbarkeit an sie und die Unabhängige Schiedskommission abgetreten haben. Schröcksnadel ist der einzige Präsident, der einen Funktionär seines Verbandes in einem Gremium der unabhängigen NADA sitzen hat. Drei Tage nach Schröcksnadels Ultimatum entließ Schwab die NADA-Richter. Schwab selber ist bis zur Einsetzung eines Nachfolgers im Amt. Am 20. April wird eine außerordentliche Generalversammlung die Ausschreibung des Geschäftsführers  beschließen.

Der lange Arm des Peter Schröcksnadel mag unheimlich sein. Wirklich schräg ist sein Humor, wenn ausgerechnet er, dessen Sportler und Trainer für die größten Dopingskandale in Österreich seit Erfindung Matthias Zdarsky gesorgt haben, ex cathedra über die Befangenheit von Richtern befindet.

Wenn die Herren der Unabhängigen Schiedskommission demnächst über Hoffmanns Berufung befinden, sind sie gut beraten, allfällige offen oder versteckte Handys aus dem Raum zu schaffen. Und wenn das Urteil hält, ist Schröcksnadel eine Frage zu stellen: Wieviel Fördergeld für Hoffmann und andere des Dopings überführte ÖSV-Sportler verwendet wurde und wann der Verband zur Rückzahlung schreitet. Die Durchsetzung dieser im Bundessportfördergesetz verankerten Bestimmung obliegt dem Sportministerium. Die Behörde wird sich keinesfalls dem Vorwurf aussetzen, Dopingbetrüger mit Steuergeld unterstützt zu haben.

Für Schröcksnadel und alle Übrigen gilt die Unschuldsvermutung.

 

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