Die schnelle Abfertigung Leo Wallners sagt mehr über den Untersuchungsausschuss als über Wallner aus
Am vorerst letzten Tag des parlamentarischen Untersuchungsausschusses (11. 7.) trat Leopold Wallner in den Zeugenstand. Der ehemalige Generaldirektor der Casinos Austria und der Österreichischen Lotterien wurde zum Beweisthema „Kauf eines Glücksspielgesetzes durch Novomatic oder Casinos Austria“ gefragt. Es ging um die Frage, warum die Lotterien 2006 für eine nebbiche sieben Seiten und ein paar Zeilen umfassende „Studie“ über „Responsible Gaming“ an die im Eigentum des BZÖ stehende Werbeagentur Orange 300.000 € bezahlten. Das BZÖ sollte, so der Verdacht, von der Unterstützung einer Glücksspielnovelle weggekauft werden, die den Casinos das Monopol gekostet hätte.
Wallners damaliger Untergebener, der Lotterien-Manager Friedrich Stickler, hatte zuvor ausgesagt, er habe auf Drängen Wallners die Orange-Rechnung unterfertigt – wie auch die heutige Vorstandsdirektorin der Casinos, Bettina Glatz-Kremsner -, und zur Überweisung geschickt. Stickler will von einer Studie nichts gewusst haben. Auf der Rechnung sei „Beratung“ gestanden, sagte er. Stickler war 2006 Mitglied des Vorstands der Lotterien, 2007 wurde er zum Generaldirektor-Stellvertreter ernannt.
Der guten Ordnung halber: hier wird kein kausaler Zusammenhang konstruiert, sondern bloß die chronologische Abfolge wiedergegeben.
Beauftragte Wallner die Studie? Kannte Wallner die Studie und war sie ihm 300.000 € wert? Warum haben Stickler, der 2008 im Glücksspielkonzern die Verantwortung für „Responsible Gaming“ erhielt, und der neue Vorstandsvorsitzende Karl Stoss keinen Versuch unternommen, die Leistung für die 300.000 € zu evaluieren und gegebenenfalls zu viel bezahltes Geld zurückzu fordern? Stickler wusste darauf, wie auf vieles, keine Antwort. Weiterlesen