Vorsicht vor denen, die nur Gutes tun wollen

Die BSO-Kampagne für die tägliche Turnstunde verfolgt zweifellos ein ehrbares Anliegen. Die Teufeleien lauern in den Details

In Österreich läuft seit mehr als zwei Monaten eine Unterschriftenaktion der Bundessport Organisation für die Einführung der täglichen Turnstunde (www.turnstunde-at).  Online und in den 14.500 Vereinen der BSO wurden bis Samstag Nachmittag 72.000 Unterschriften gesammelt. Nebbich.

Um nicht wieder missverstanden zu werden: Es handelt sich um ein nur allzu berechtigtes Ziel. Weiterlesen

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Stell dir vor, Österreich zahlt Messi und Ronaldo

Anfrage an die EU-Kommission: Werden Spaniens Großklubs mit der EU-Finanzhilfe von ihren Bankschulden befreit?

Profifußball ist ein Geschäft, das von Vorurteilen beherrscht wird. Das wohl dümmste ist: „Geld schießt keine Tore.“ Genau das Gegenteil ist wahr, denn zwischen der Gehaltssumme und den Erfolgsaussichten einer Klubmannschaft besteht ein direkter Zusammenhang. Am vergangenen Donnerstag hatte im Happel-Stadion das europäische Armutschkerl Rapid gegen den deutschen Konzernklub Bayer Leverkusen null Chance. Leverkusen (Jahresetat rund 120 Millionen €) setzt rund fünf mal so viel Geld um wie die Grünen (25 Mio€), dementsprechend höher qualifiziert ist deren Personal.

Die Ausnahme von der Regel ist Felix Magath. Er hat seit März 2011 für rund 71 Millionen Euro 26 Spieler für den VfL Wolfsburg gekauft. In der vergangenen Woche trennte sich der VW-Tochterbetrieb von Magath. Der Klub lag an letzter Stelle der deutschen Bundesliga. Magaths Prasserei begann das Image des Konzerns, der bei seinen Hacklern spart, ernsthaft zu beschädigen. 2009 war er mit dem VfL Meister, vorher schon mit den Münchner Bayern (2005, 2006). 2011 rettete er die Wolfsburger vor dem Abstieg, die anschließende Einkaufstour endete statt in der Champions League am Tabellenende. Kaum war magath weg, setzte sich das Kapital durch und gewann auswärts 4:1 in Düsseldorf.

Wie man mit Geld virtuos spielt, zeigen die Spanier vor. Real Madrid (480 Mio€) und der FC Barcelona (450 Mio€) sind einer Analyse des Finanzkonsulters Deloitte zufolge die umsatzstärksten Vereine der Welt. Der frühere Spitzenreiter Manchester United (367) und die reichsten Deutschen, die Bayern aus München (320), sind weit weg. Alle vier Klubs konvertieren ihre Finanzkraft dank teurer Kader in regelmäßige Erfolge.

Die Frage ist allerdings, wie lange der Atem der Spanier noch reicht. Schon im Zuge des Verkaufs von Reals Trainingsareal um mehr als 400 Millionen Euro wurde von unerlaubter staatlicher Hilfe gemunkelt. Die Widmung des Areals war nämlich eigens für den Verkauf von „Sport“ in „Wohnbau“ umgefärbelt worden. Entsprechende Untersuchungen der EU-Wettbewerbskommission wurden allerdings eingestellt, da die Käufer durchwegs Privatfirmen waren.

Nun lebt der Verdacht der unrechtmäßigen Entschuldung von Spaniens Profi-Fußballklubs auf. Spaniens Sportminister Miguel Cardenal hat angekündigt, die Regierung wolle den Vereinen einen Teil ihrer Schulden beim Finanzamt und bei der Sozialversicherung erlassen. Das allein wäre eine grobe Verzerrung des Wettbewerbs. Es macht auch angesichts eines Sparpakets von 40 Milliarden Euro, das tiefe Einschnitte in die Arbeitslosenunterstützung, die Pensionen und das Bildungssystem vorsieht, keinen guten Eindruck, wenn die Geldverschwendung der Sportvereine belohnt wird.

Der Fraktionsführer der Sozialdemokraten im EU-Pralament, Jörg Leichtfried, hat am 17. Oktober an die Kommission eine schriftliche Anfrage gerichtet, ob angesichts der EU-Finanzhilfe für Griechenland, Zypern und Spaniens marode Banken die Schulden der Fußballvereine gestrichen werden. „Sind der Kommission die Schulden der spanischen Profiklubs bei den Banken und beim Staat bekannt?“ will Leichtfried wissen. Und hakt nach, ob „die Finanzprobleme im spanischen Profisport durch Mittel des Bankenhilfspakets oder andere Finanzhilfen gelöst werden“ und außerdem nach EU-Wwettbewerbsrecht zulässig wären?

Österreichische Euros für  Barca und Real? Ein teures Vergnügen. Und eine unverhoffte Chance,Österreichs Fußball neu zu positionieren. Wer Geld für Faymanns und Berlakovichs Inseratelächeln hat, wird sich doch coole Typen wie Messis und Ronaldo leisten können.

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Denn sie wissen nicht, was sie sollen

Die Parlamentarier unterschrieben eine Petition für die tägliche Turnstunde und erklärten sich damit für ihr eigenes Tun unzuständig

Ein nettes Bild, wie sich die Herren Abgeordneten um ihre eigenen Unterschriften versammeln. Die Sportsprecher der fünf Parlamentsparteien hatten namens aller 183 Parlamentsabgeordneten eine Aufforderung unterzeichnet, die tägliche Turnstunde in Österreichs Schulen einzuführen. Sie unterstützen die Unterschriftenaktion der Bundessport Organisation, wenn auch nicht ganz klar ist, an wen sich die Forderung der Parlamentarierphalanx richtet. Der Hauptzweck war nach dem medialen Auftritt mit dem Volleyballverbandspräsidenten und selbst ernannten Kämpfer für das Kindeswohl, Peter Kleinmann, wohl erreicht.

Es gäbe natürlich Möglichkeiten. Die Parlamentarier könnten Bildungsministerin Claudia Schmied den Kopf waschen. Schmied hatte nach der medaillenlosen Pleite des ÖOC bei den Olympischen Sommerspielen 2012 in London sinngemäß gemeint, das an den Schulen klaffende Defizit an Bewegungseinheiten sei weder Schuld an der Schlappheit der Spitzensportler noch an der Verfettung der Kinder. Turnlehrer landauf landab krümmten sich vor Fremdschämen. Weiterlesen

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Die Sprache des Erfolges

Hinter der Selbstkritik des ÖFB-Teams und seines Trainers lauert ein Abgrund an Ratlosigkeit. Ein sprachkritischer Exkurs über Fußballerfloskeln

Wer verstehen will, was ÖFB-Nationalspieler, Betreuer und Experten wirklich meinen, wenn sie ein Ländermatch nachbearbeiten, muss ein Ohr für die Zwischentöne und die Neigungswinkel der Kettenkonjunktive entwickeln. Gegen einen „tief stehenden“ (= defensiven) Gegner wie Kasachstan ist kein Platz für schnelle Angriffe wie gegen Deutschland. Kollers Platitüde: „Die Kasachen sind mit neun Mann hinten gestanden. Da war es schwierig, die Räume zu finden.“ Das hätte er vorher wissen und geeignete Maßnahmen einleiten müssen. Statt des hurtigen Harnik wäre ein kopfballstarker Zentralstürmer  wie Janko von Beginn an eine vife Personalentscheidung gewesen.

Koller aber brachte Janko erst in der zweiten Halbzeit, doch seine Wirkung blieb bescheiden, auch mangels Flanken. Flugs deutete Koller sein Versäumnis in eine gelungene Coaching-Maßnahme um: „In der zweiten Hälfte sind wir mit langen Bällen zu Möglichkeiten gekommen.“ Er hatte mit der Mannschaft offenbar keine Corner und Freistöße geübt, denn die gingen alle schief.

Je länger die sprachtherapeutische Aufarbeitung des Ausflugs nach Astana dauert, desto deutlicher wurden die widrigen Umstände herausgearbeitet. Koller: „Der Kunst rasen war gewöhnungsbedürftig, ein Training auf diesem Pplatz war zu wenig.“ Wen Zlatoko Junuzovic, der in der deutschen  Bundesliga spielt, Corner schoss, kam er „nicht richtig unter den Ball“ meinte Koller. Unglaublich, aber er meint das ernst. Weiterlesen

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Die Legende von Funky Striker

Manchmal ist das Leben wie ein Märchen. An der unglaublichen Geschichte von Funky Striker sieht man, wie der Erfolg eines Einzelnen zum Gewinn für uns alle wird 

Der große Saal des Wiener Künstlerhauses ist knallvoll. An der Rückseite haben TV-Teams aus aller Welt in drei Etagen ihre Kameras aufgebaut. Männer in dunkelblauen Anzügen und Gelfrisur und blonde Stewardessen sorgen für Ordnung. Und dann betritt er in einem Geleitzug aus Fernsehkameras und Fotografen den Saal: Funky Striker (75). Heute gibt er die Gründung seines Fußballvereins bekannt: Funkys Team. Tosender Applaus. Funky sieht mit seinem kantigen Charakterkopf, den schmalen Hüften und breiten Schultern aus, als habe er gestern noch Lionel Messi die Gurke gegeben.

„Dieser Tag wird in die Geschichte eingehen“, sagt er ins Mikrophon. „Wir brauchen einen neuen Spirit. Die Bundesliga hat Vereine und Spieler an die TV-Stationen verkauft.“ Das empört ihn. „Ich bin kein Funktionär“, sagt er. „Die meisten Funktionäre haben nie Schmutz unter den Zehennägeln gehabt“.

Ein Film mit Funki Striezels Leben läuft ab. Er war ein talentierter Stürmer beim FC Schilcher in der südsteirischen Schutzgruppe. Vierzehneinhalb und ein Bär. Verteidiger hatten die Wahl, aus Funkis Bewegungsrichtung zu verschwinden oder ins Spital. „Wer den Ball hat, makes die Regeln“, pflegte er auf Proteste zu antworten.

Mit 17 erregte er beim südsteirischen Meister ASV Konkursia Aufsehen. Im Training fetzten ihm die Mannschaftskollegen den Ball möglichst hart auf den Schädel, von wo der Ball ins Tor abgelenkt wurde. „Wer nach oben kommen will, darf nicht nach unten looken“, sagte er den Reportern nach einem südsteirischen Derby, das Funki mit sieben Kopftoren entschieden hatte.

Leider blieb der Verein regelmäßig das bisschen Schwarzgeld, das er den Jungs versprochen hatte, schuldig. Funki schwor sich: „Ich werde nie mehr rennen after meine Geld.“ Weiterlesen

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