Stell dir vor, Österreich zahlt Messi und Ronaldo

Anfrage an die EU-Kommission: Werden Spaniens Großklubs mit der EU-Finanzhilfe von ihren Bankschulden befreit?

Profifußball ist ein Geschäft, das von Vorurteilen beherrscht wird. Das wohl dümmste ist: „Geld schießt keine Tore.“ Genau das Gegenteil ist wahr, denn zwischen der Gehaltssumme und den Erfolgsaussichten einer Klubmannschaft besteht ein direkter Zusammenhang. Am vergangenen Donnerstag hatte im Happel-Stadion das europäische Armutschkerl Rapid gegen den deutschen Konzernklub Bayer Leverkusen null Chance. Leverkusen (Jahresetat rund 120 Millionen €) setzt rund fünf mal so viel Geld um wie die Grünen (25 Mio€), dementsprechend höher qualifiziert ist deren Personal.

Die Ausnahme von der Regel ist Felix Magath. Er hat seit März 2011 für rund 71 Millionen Euro 26 Spieler für den VfL Wolfsburg gekauft. In der vergangenen Woche trennte sich der VW-Tochterbetrieb von Magath. Der Klub lag an letzter Stelle der deutschen Bundesliga. Magaths Prasserei begann das Image des Konzerns, der bei seinen Hacklern spart, ernsthaft zu beschädigen. 2009 war er mit dem VfL Meister, vorher schon mit den Münchner Bayern (2005, 2006). 2011 rettete er die Wolfsburger vor dem Abstieg, die anschließende Einkaufstour endete statt in der Champions League am Tabellenende. Kaum war magath weg, setzte sich das Kapital durch und gewann auswärts 4:1 in Düsseldorf.

Wie man mit Geld virtuos spielt, zeigen die Spanier vor. Real Madrid (480 Mio€) und der FC Barcelona (450 Mio€) sind einer Analyse des Finanzkonsulters Deloitte zufolge die umsatzstärksten Vereine der Welt. Der frühere Spitzenreiter Manchester United (367) und die reichsten Deutschen, die Bayern aus München (320), sind weit weg. Alle vier Klubs konvertieren ihre Finanzkraft dank teurer Kader in regelmäßige Erfolge.

Die Frage ist allerdings, wie lange der Atem der Spanier noch reicht. Schon im Zuge des Verkaufs von Reals Trainingsareal um mehr als 400 Millionen Euro wurde von unerlaubter staatlicher Hilfe gemunkelt. Die Widmung des Areals war nämlich eigens für den Verkauf von „Sport“ in „Wohnbau“ umgefärbelt worden. Entsprechende Untersuchungen der EU-Wettbewerbskommission wurden allerdings eingestellt, da die Käufer durchwegs Privatfirmen waren.

Nun lebt der Verdacht der unrechtmäßigen Entschuldung von Spaniens Profi-Fußballklubs auf. Spaniens Sportminister Miguel Cardenal hat angekündigt, die Regierung wolle den Vereinen einen Teil ihrer Schulden beim Finanzamt und bei der Sozialversicherung erlassen. Das allein wäre eine grobe Verzerrung des Wettbewerbs. Es macht auch angesichts eines Sparpakets von 40 Milliarden Euro, das tiefe Einschnitte in die Arbeitslosenunterstützung, die Pensionen und das Bildungssystem vorsieht, keinen guten Eindruck, wenn die Geldverschwendung der Sportvereine belohnt wird.

Der Fraktionsführer der Sozialdemokraten im EU-Pralament, Jörg Leichtfried, hat am 17. Oktober an die Kommission eine schriftliche Anfrage gerichtet, ob angesichts der EU-Finanzhilfe für Griechenland, Zypern und Spaniens marode Banken die Schulden der Fußballvereine gestrichen werden. „Sind der Kommission die Schulden der spanischen Profiklubs bei den Banken und beim Staat bekannt?“ will Leichtfried wissen. Und hakt nach, ob „die Finanzprobleme im spanischen Profisport durch Mittel des Bankenhilfspakets oder andere Finanzhilfen gelöst werden“ und außerdem nach EU-Wwettbewerbsrecht zulässig wären?

Österreichische Euros für  Barca und Real? Ein teures Vergnügen. Und eine unverhoffte Chance,Österreichs Fußball neu zu positionieren. Wer Geld für Faymanns und Berlakovichs Inseratelächeln hat, wird sich doch coole Typen wie Messis und Ronaldo leisten können.

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