Ich, Peter, Helfer und Gott

Die ungedachten Gedanken eines unbedankten Lobbyisten am Ende seines Ausschusstages. Ein müßiges Selbstgespräch wie Peter Hochegger es geführt oder ein Tagtraum in Muße, wie Peter Hochegger ihn erlebt haben könnte.

Was für ein banaler Auflauf! Das Parlament könnte gelassener reagieren, sogar auf mich. Haben sie mich nicht alle gekannt und geschätzt, als ich sie zusammenbrachte, vorstellte, aufstellte? Verwenden sie ihre eigenen Netzwerker nicht zu den gleichen Zielen? Der Verringerung der Distanz zwischen dem Streber und dem Erstrebenswerten? Wer mich nicht kennt, und das sind die meisten derer, die ich kenne und die mich können, mögen mich für arrogant oder gar amüsiert gehalten haben, als ich Platz nahm und die Apparate mir minutenlang das Gesicht ausleuchteten. Dabei machte mir nur der kleine Vorsprung Freude, den ich vor ihnen hielt und locker veteidigte, das muss ich zu ihrer Schande schon sagen. Schließlich wusste ich, was zu sagen sein werde, sie wussten bestenfalls, zumindest einige von ihnen und nicht immer die, die das besonders deutlich hervorkehrten, was sie fragen würden. Aber jeder, der in meinem Geschäft überlebt, und ich habe viele Jahre nicht bloß überlebt, ich habe begleitet und erhoben, weiss, dass Fragen der Wahrheit nie nahe kommen werden. Denn so sehr sie auch jetzt den Tausch von Informationen und Kontakten gegen Geld als abstoßend von sich weisen, so wissen sie doch, dass die sittliche Selbstbestimmung der Demokratie auf der Freiheit beruht, seine Partner selbst zu wählen und seine Interessen ebenfalls. Auch wenn man bloß Interessenten hat. Und wenn sie mir nun vorwerfen, dass ich die Freiheit für Geld eintauschte, und in den Handelspartnern des demokratischen Basars die Gier nach Geld weckte, so tun sie mir unrecht. Nicht ich habe die Gier erfunden, ich habe ihr bloß Regeln gegeben, klare Abläufe und Verträge und ein Personal, das zumindest zum Teil frei gewählt worden war und von mir frei verwendet wurde. So frei, wie das Personal, vom Volk zu diesem Tun freigesetzt, es nur wünschte.

In ihrer Empörung, die ich in moralischer Hinsicht in mancher Hinsicht teile und nachvollziehe, in aller Offenheit und seit eineinhalb Jahren leider Gottes auch in Öffentlichkeit lebe und ihr mein Bestes, nämlich meine Bewegungsfreiheit opfere, übersehen sie, dass die Demokratie ausgerechnet von den lautesten Kämpfer um mehr Gerechtigkeit beschädigt wird. Denn wie kann ich die Einsparung im parlamentarischen Apparat denn anders bezeichnen denn als Hohn und Börendienst an der Demokratie. Kleine Parteien, die schon jetzt kaum mit den alltäglichen Pflichten ihres demokratischen Freiseins zurecht kommen, werden noch weniger Geld und Mitarbeiter zur Verfügung haben. Die Einsicht, dass auch am Nationalrat gespart werden kann, der selbst in der heutigen Ausstattung alle Mühe hat, auch nur einen Teil meiner einst über Europa laufenden und bis heute, auch nach dem Ende meiner persönlichen Anstrengungen, intakten Netze zu überblicken, wird künftig gegen meine Branche keine wirksamen Waffen mehr in der Hand haben. Denn wir haben die Mittel, mit denen wir die Zwecke erreichen, auf die man uns ausrichtet. Und sie werden bald gar nichts mehr haben als ihre Aufgeregtheit.

Ich habe ihre Empörung verdient, ich sah sie seit jahren kommen. Warum aber müssen alle Fotografen auf mich herunterblitzen? Was mich kränkt, ist ihre totaleAberkennung meines guten Willens. Für verfehlte Handlungen, sogar für Mitarbeiter wie Ernst Strasser und Walter Meischberger, könnte ich mich entschuldigen, von Hubert Gorbach wollen wir nicht reden, das war ein Ausrutscher, eine sozialhelferische Marotte, öffentliche Häme nehme ich als angemessene Strafe dafür entgegen. Aber der gute Wille! Können sie ihn nicht sehen oder wollen sie ihn nicht sehen?

Guter Wille darf nicht nach seinen Ergebnissen beurteilt werden, sondern er ist an sich gut oder er ist nicht. So wie sie mich einschätzen, wäre es besser für mich, ich wäre ein Mann ohne jedes Vermögen. Nicht Vermögen in finanzieller Hinsicht, wie es heute idolisiert wird. Vielmehr Vermögen als Summe aller Mittel, materieller, emotionaler, sozialer und vernunftbestimmter, ein Ziel zu erreichen. Und ich war ein Mann mit großem Vermögen, heute bleibt nur ein kleiner Teil davon übrig, oder zumindest sichtbar und anerkannt, sogar in finanzieller Hinsicht. Wenn man den Sturm, den meine Aussage gemacht hat, einrechnet, ist das Vermögen vielleicht doch nicht gar so klein. Weiterlesen

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Der Wuchteldrucker und die Sphinx

Hannes Kartnig ist das Lehrbeispiel für einen Fußballfunktionär, der scheitern musste, weil er zu viele Talente und Freunde hatte und zuwenig Disziplin, um die Guten von den Schlechten zu trennen

Länderspiel in Ägypten vor 150 Jahren. Im Tross des Nationalteams ein lustiger, vollschlanker Grazer, der für eine Küchenfirma und andere ÖFB-Werbepartner Planen rund ums Spielfeld platziert. Der witzge Wutzel mit den wehenden Wellen am Schädel steigt ins Geschäft ein und sollte es weit bringen. Angefangen hat er in Graz angeblich mit Versicherungen, anschließend hat er einen Haufen Werbeflächen in die Hand bekommen und an politische Parteien vermietet. Das macht er bis heute, und nach wie vor sind manche darüber glücklich und manche grantig.

Der Grazer Schmähbruder freundet sich flugs mit dem ÖFB-Generalsekretär Gigi Ludwig und anderen Fußball- und Polit-Granden an. Sturm Graz und GAK sind traurige Trümmerhaufen, aber der wendige Werber rettet erst einmal den Grazer Eishockeyklub. Zumindest verbal, denn von Länderspiel zu Länderspiel wächst sein Ruf als Prediger wider die Faulheit und die Gier der Fußballer. Motto: „Die sollen sich anschauen, wie sich die Eishackler einehaun, und die verdienen im Vergleich zu den Scheiss-Kickern Heidelbeeren.“ Das Wohlwollen des Sport- und Verkehrslandesrates Gerhard Hirschmann hatte er damals wohl schon, das sollte sich zu einem innigen Verhältnis auswachsen, Reisen mit Sturm Graz zu dem einen oder anderen Europacup-Match eingeschlossen. Der Grazer Eishockeyklub ging übrigens pleite. Ohne Meistertitel. Weiterlesen

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Bestrahltes Blut ist kein Himbeersaft

In Deutschland läuft eine Diskussion um die UV-Methode, die Walter Mayer 2002 zur IOC-Sperre gereichte

Lange hat die Doping-Diskussion geschlafen, langsam und auf Zuruf aus der Ferne wacht sie wieder auf. Und zwar als Debatte über eine Methode, bei der Blut aus dem Körper des Athleten entnommen, mit UV-Licht bestrahlt und wieder rückgeführt wird. Im Olympiastützpunkt Erfurt, dem die deutsche Politik seit 2000 rund 21 Millionen Euro bewilligt hat, soll der Arzt Andreas Franke 28 deutsche Athleten einschlägig behandelt haben. Die Nationale Antidoping Agentur (NADA) Deutschlands ermittelt wegen Vergehens gegen das Dopingverbot, die Staatsanwaltschaft wegen Verstößen gegen das Arzneimittelgesetz. Auch die umstrittene Eisschnelläuferin Claudia Pechstein soll darin verwickelt sein, was sie selbst heftig bestreitet.

Wer an Paranoia glaubt, könnte stutzig werden, denn Walter Mayer, der wegen der Anwendung dieser Methode bei den Olympischen Winterspielen 2002 in Salt Lake City gesperrt wurde, hat dieser Tage – „endlich“, wie er sagt – das erstinstanzliche Urteil aus seinem Doping-Prozess erhalten. Mayer war Mitte August 2011 wegen Vergehens gegen das Anti-Doping-Gesetz in den Jahren 2005 – 2008 zu 15 Monaten Haft, teilbedingt, verurteilt worden. Weiterlesen

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Die späte Einsicht der Karin Gastinger

Im Untersuchungsausschuss wirkt Inszenierung ähnlich nachhaltig wie Wahrheit.

Mitten am Mittwoch platzte in die Zeugenbefragung die Nachricht,d ass die Zeitschrift „News“ über 200.000 mails aus dem Telekom-Management verfügt. Weder der Staatsanwaltschaft noch dem Untersuchungsausschuss liegen sie vor. Der Grüne Peter Pilz verwies in seiner Befragung des Zeugen Christoph Pöchinger darauf, nicht zuletzt, um die sich langsam entfaltende ÖVP-Connection zur Telekom-BZÖ-Schmiergeldaffaire zu untermauern. FPÖ-Fraktionsführer Walter Rosenkranz stellte nicht ganz ruhigen Mutes fest, man müsse endlich grundsätzlich klären, „wer hier mit den Behörden nicht an der Wahrheitsfindung arbeitet“. Rosenkranz und Pilz wollen nun darauf drängen, den Telekom-Vorstand Hannes Ametsreiter möglichst bald  vorladen. Pilz: „Um es ganz vorsichtig zu formulieren: ich bin überzeugt, dass Ametsreiter und die derzeitige Führung der Telekom viel mehr über die Schmeirgeldaffäre weiss, als wir bis jetzt ahnen.“

Das Bundesamt für Korruptionsbekämpfung führt über Antrag der Staatsanwaltschaft Wien Ermittlungen gegen Ametsreiter und Andere wegen des Verdachts der Bestechlichkeit. Der Anlass ist offenbar eine anonyme anzeige, die Telekom bezeichnet die Vorwürfe als „völlig haltlos“.

Pilz will auch den im Jahr 2006 amtierenden BZÖ-Bundesobmann Peter Westenthaler vor den U-Ausschuss laden. Im Laufe des ittwochs mehrten sich während der Zeugenbefragungen  die Indizien und Aussagen, dass Westenthaler, um es vorsichtig auszudrücken, genaue Kenntnis über das (zum Teil von der Telekom Austria finanzierte) Wahlkampfbudget des BZÖ Bescheid wusste. Bereits am Dienstag hatte der ehemalige Geschäftführer der BZÖ-Werbeagentur Orange, Arno Eccher, ausgesagt, Westenthaler habe ihn angewiesen, Rechnungen an die Agentur Kurt Schmied zu schicken. Mit dem Effekt, dass TA-Geld über die Agentur Schmied der wahkampfführenden Agentur Orange und damit der Partei zugute kam.

Woher wusste Westenthaler, dass bei Schmied Geld für die Orange lag? Weiterlesen

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Was weiss Westenthaler?

Gabriele Kröll-Maier probierte es ein paar Mal, dann musste sie aufmachen.

Die ehemalige Sekretärin des ehemaligen Verkehrsministers Hubert Gorbach entschlug sich der Antwort auf die ersten Fragen, unter anderem, ob der legendäre Brief Gorbachs („the world in Vorarlberg is too small“) aus ihrer Feder stamme, und zwar mit dem Hinweis auf ein laufendes Strafverfahren, um ihre Rechte als Beschuldigte nicht zu schmälern. Dann regten sich einige Abgeordnete auf und Kröll-Maier wurde dazu bewogen, einige Passagen aus ihren Beschuldigten-Vernehmungen vom 11. August 2011 und vom 24. Jänner 2012 zu bestätigen. Es geht um den Verdacht, dass Kröll-Maier und Gorbach von der Agentur Valora des Lobbyisten Peter Hochegger ohne Gegenleistung insgesamt 268.000 Euro erhielten.

Mehrere Aussagen wurden der Dame vorgelesen, unter anderem die Passage, wonach sie SWOT-Analysen für die Top Ten-Unternehmen Vorarlbergs anstellen sollte. Auf eine entsprechende Frage des Grünen Peter Pilz gab Kröll-Maier schließlich an, sie unterrichte Deutsch, Biologie und Französisch in der Hauptschule. Was Pilz zu der Feststellung bewog, sie, Kröll-Maier, verfüge über keine Qualifikation zur Erstellung von SWOT-Analysen (Strengths, Weaknesses, Opportunities, Threats – eine Methode zur strategischen Planung von Unternehmen). Weiterlesen

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