Messi braucht die WM nicht mehr, aber die WM braucht ihn

WM 2018

Frag Fred: Zwei Fachmänner bereden das Turnier

Fred hat einige Weltmeisterschaften analysiert,
doch noch nie bahnte sich ein
derart brisanter Showdown an. Ich konfrontiere
ihn mit dem Leitmotiv, der Rache
Brasiliens für das 1:7 gegen die Deutschen
2014 im eigenen Land. Fred winkt
ab. „Das Thema ist die letzte Vorstellung
der Dioskuren Messi und Ronaldo.“
Wenn Messi diesmal nicht Weltmeister
wird, bleibt seine Geschichte unvollendet.
Maradona hatte ausreichend Gottheitspotenzial,
um Argentinien 1986 zum Weltmeister
zu führen. Ist Messi zu klein, um
sich mit ihm zu vergleichen?
Fred runzelt die Stirn, und das ist ein
Alarmsignal. „Was Messi geleistet hat, darüber
kann man nur ehrfürchtig schweigen.“
Das ist selten bei Fred. Nicht das Schweigen,
sondern die Ehrfurcht.
Alle Herausragenden hätten einen großen
Pokal. Pelé, Maradona, Zidane. Er habe
sie unsterblich gemacht, sage ich. Aber was
heißt das, unsterblich? Freds Miene verfinstert
sich. „Johan Cruyff ist ein Ewiger ohne
Weltmeistertitel. Er hat den Fußball revolutioniert.“
Der biedere Franz Beckenbauer,
Weltmeister als Spieler und Trainer, sei
hingegen schlicht ein Sterblicher.
Fred ist studierter Biologe, das mit der
Unsterblichkeit meint er metaphorisch. Die
Dioskuren waren Söhne des griechischen
Göttervaters Zeus. Pollux war unsterblich,
Kastor sterblich. Ich frage: Wer wird den
WM-Pollux geben, Messi oder Ronaldo?
Fred verlagert das Spiel: „Wir müssen umschalten:
Braucht Messi die WM für seine
Position in der Geschichte?“
Für solche Haken liebe ich ihn. Das
Spiel ist plötzlich völlig offen. Hat das Turnier
die Kraft, Menschen in Unsterbliche
zu verwandeln? Fred: „Erhebt nicht vielmehr
der göttliche Funke in einigen Auserwählten
das Turnier über bloßen Fußball?“
Ich verstehe.
Fred stellt den Fußball vom Kopf auf die
Füße: „Früher hat der Olymp Männer wie
Pelé zu sich eingeladen und in Gottgleiche
verwandelt.“ Ronaldo würde einer solchen
Einladung gerne Folge leisten.
„Messi aber ist Pollux. Er sagt: ,Wo ich
bin, ist der Olymp.‘“

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