Das Armenhaus Europas

Österreichs Fußball-Bundesliga verliert an Umsatz

Alle reden von einer drohenden Rezession, die österreichische Fußball-Bundesliga schrammt auch an ihr entlang. Die vor wenigen Tagen beim KSV1870 von den Vereinen selbst veröffentlichten Bilanzzahlen zeigen, dass die Erträge der obersten (Zehner-)Liga von 2010 (159,9 Millionen €) über das Allzeithoch von 2011 (161,5) kaum wuchsen: 2012 setzten die Klubs gemeinsam 157,5 Millionen € um, 2013 nur mehr 152,5. 2014 waren es rund 167 Millionen €. Rechnet man den Einmaleffekt der Champions League-Gruppenphase der Wiener Austria von rund 14 Millionen € weg, erwirtschafteten die zehn Klubs 2014 rund 153 Millionen €.

Das ist natürlich ein wenig unfair. Denn der Erlös aus dem internationalen Geschäft ist ein normaler Geschäftsvorgang. Er kann freilich nicht über die Stagnation der Erlöse hinwegtäuschen. Wenn man die Inflation – seit 2010 laut Statistik Austria zusammengezählt 11,3% – auch noch dazurechnet, kommt ein veritabler realer Einkommensverlust der Liga heraus.

Der über Jahre hinweg beobachtbare Schrumpfungsprozess des heimischen Vereinsfußballs ist im internationalen Vergleich ein Ausreisser. Denn europaweit boomt die Branche. Der Gesamtumsatz des Vereinsfußballs wurde von der Agentur Deloitte für das Geschäftsjahr 2012/2013 (neuere Daten liegen noch nicht vor) auf rund 19,9 Milliarden € geschätzt. Und er steigt von Jahr zu Jahr, von 2013 auf 2014 um rund zwei Prozent.

Die Deutsche Bundesliga beispielsweise meldete für 2012/2013 einen Gesamterlös der höchsten Spielklasse von 2,1 Milliarden €, das entspricht einer Steigerung von 4,4%. Die 2. Bundesliga des Nachbarns setzte übrigens rund 420 Millionen € um, also beinahe das Dreifache der österreichischen Eliteklasse.

Der Niedergang in Österreichs Fußballwirtschaft wäre freilich noch schmerzlicher, hätte RB Salzburg sein Budget seit 2010 nicht von 52,3 Millionen € auf 62,3 Millionen € aufgestockt. Die Wiener Austria meldete dasnk der Teilnahme an der Champions League Gruppenphase einen Umsatzrekord: 37,3 Millionen €. Um 13 Millionen mehr als im Jahr zuvor (24,4 Millionen €).

Die Lage der Wiener Klubs hat sich jedoch insgesamt nicht entspannt. Rapid verzeichnete 2010 – dank der Einnahmen durch die Spiele in der Europa League – einen Umsatz von 34,5 Millionen €. Davon können die Rapidler derzeit nur träumen. Sie bauen derzeit um rund 54 Millionen € ein neues Stadion, rund 17 Millionen € zahlt die Stadt Wien an Förderungen dazu. Der Vereinserlös 2014 betrug 23,2 Millionen €. Sollte das neue Haus ab 2016 nicht die erhoffte Umsatzsteigerung (mehr Tickets, mehr Werbung, mehr Marketing) bringen, wird es mit der Rückzahlung des 35-Millionen Kredits eng.

Die Wiener Austria wiederum hat die 2007 vollzogene Trennung vom Hauptsponsor und Betriebsführer Frank Stronach dank seriöser Geschäftsführung und Demut auf dem Transfermarkt tadellos verkraftet. Die Erlöse entwickelten sich seit 2010 (16 Millionen; 2011: 23, 2012: 27, 2013: 24,4) solide. Zählt man die Admira (5,9 Mio€) hinzu, erbrachte der Wiener Raum 2014 mit rund 69 Millionen € noch vor Salzburg den größten Erlös der Liga.

Der Abschwung ist neben den schwachen TV-Erlösen (rund 13 Millionen € pro Jahr für die 1. Und 2. Liga) auch der Tatsache geschuldet, dass manche großen Wirtschaftsräume mit Landeshauptstädten wie Innsbruck, Linz, St. Pölten oder Klagenfurt in der obersten Liga nicht mehr vertreten sind. Ihren Platz nehmen eher arme aber sportlich solide geführte „Dorfklubs“ wie Grödig (2014: 4 Mio€), Wiener Neustadt (4 Mio€), Altach (3,7 Mio€) oder WAC/St. Andrä (6 Mio€) ein. Gut für die landesinterne Vielfalt und Verbreitung des Fußballs, schlecht für seine internationale Durchschlags- und Wirtschaftskraft.

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