Viel Geld, wenig Durchblick

Spitzensport und Spitzensportler werden in Österreich massiv gefördert. Die Effizienz des Mitteleinsatzes ist allerdings mehr als fraglich

Das Problem der in Österreich seit 1969 getätigten Sportförderungen ist nicht das Volumen, sondern die Verteilung. Sie erfolgt in Österreich über verschiedenste Kanäle, die kaum miteinander in Verbindung stehen. Die Republik schüttet seit einigen Jahren rund 80 Millionen € an Besonderer Sportförderung zur Erhaltung der organisatorischen Strukturen, zum Aufbau des Spitzen- und Breitensports aus. Der Betrag kommt aus den Abgabenmitteln der Österreichischen Lotterien und ist gesetzlich garantiert. Dazu kommen rund 58 Millionen an Sonderförderung für Pflege und Neubau von Sportstätten, Organisation von Großveranstaltungen (siehe Tabelle) und eine doppelgleisige, vom Sportministerium gesteuerte Athleten-Förderung.

Sie besteht aus dem Team Rot-Weiß-Rot und dem Projekt Rio 2016, das nach dem blamablen Abschneiden bei den Sommerspielen 2012 in London (null Medaillen) ins Leben gerufen und mit insgesamt 20 Millionen € dotiert wurde. In Rio soll es nach dem Wunsch von Chefkoordinator Peter Schröcksnadel wieder Medaillen regnen. Nach einer ersten Evaluierung der Fortschritte seiner Schützlinge schloss er den Schwimmer Dinko Jukic wegen nicht erbrachter Leistungsnachweise als – vorläufig – nicht mehr förderungswürdig aus dem Kader aus. Das „Team Rot-Weiß-Rot“ (3 Mio€) unterstützt weitere Spitzensportler.

Da der Sport laut Bundesverfassung von den Bundesländern zu organisieren und administrieren ist, finden sich unterhalb der Sportförderung des Bundes neun weitere Sportfördersysteme. Es existiert weder eine Transparenzdatenbank über die Förderungen einzelner Athleten oder Veranstaltungen noch eine Zusammenschau der aus Steuergeldern geleisteten Fördermittel. Experten schätzen das wahre Volumen der heimischen Sportförderung auf rund das Doppelte der Bundes-Ausschüttungen. Das wären zwischen 250 und 300 Millionen €. Wer sich in diesem unübersichtlichen System an öffentlichen – und privaten wie die Sporthilfe – Auszahlungsstellen geschickt bewegt, kann mehr Geld einstreifen als Konkurrenten mit besseren sportlichen Qualifikationen.

Eine Aufzählung der Förderungen wäre ohne die Personalunterstützung durch das Bundesheeres unvollständig. Dort stehen 192 Planstellen zur existentiellen Versorgung von Spitzensportlern, unter ihnen viele Mitglieder des ÖSV, zur Verfügung. Auch das Innenministerium und die Zollwache versorgt Athleten. Hauptsächlich ÖSVler. Das sollte man wissen, wenn Peter Schröcksnadel das nächste Mal behauptet, der ÖSV brauche die öffentliche Förderung eh nicht.

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2 Antworten zu Viel Geld, wenig Durchblick

  1. w.r. schreibt:

    es gibt nicht nur die bundesländerföderungen, sondern darüber hinaus auch noch 9 gänzlich verschiedene sportgesetzte.
    der skurrile forderung nach einer verländerung des bildungswesens könnte mit einer sinnvollen gegenforderung der auflösung der bundessportförderung geantwortet werden.
    über den sport könnten die bundesländer für die österreichische gesellschaft gefahrloser beweisen, daß 9 verschiedene systeme erfolgreicher und besser sind als die bestehende struktur.

  2. frizzdog schreibt:

    kommt mir das aus dem schulsystem nicht bekannt vor? …aber irgendwo gibt es dann doch überraschende synergien: „das BRG19 hat nun eine kooperation mit der Turn-und SportUnion vereinbart“ es werden jetzt „trainerInnen der Union“ den turnunterricht abhalten. ist doch toll!
    oder?

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