Und wieder im ÖSV

Die Winterspiele 2014 in Sotschi gehen mit einem Dopingskandal in den Reihen des ÖSV/ÖOC zu Ende. Der Langläufer Johannes Dürr wurde Mitte Februar positiv auf EPO getestet, ÖOC-Präsident Karl Stoss sagte, er sei schockiert. Dürr wurde aus der Startliste für den abschließenden 50 km-Freistil-Langlauf gestrichen. Wohl kein Wunder, dass an dieser Stelle Erinnerungen an die Dopingskandale 2002 in Salt Lake City und 2006 in Turin unvermeidlich sind. In beiden Fällen waren Athleten (und Betreuer) des ÖSV  beteiligt.

Wie hoch hat nicht ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel zwei Tage zuvor gestapelt: alle anderen gewinnen nix, nur die Alpin- und alle anderen Sektoren des ÖSV. Die Fun-Sport-Abteilung im ÖSV sei unprofessionell, meinte Schröcksnadel, ohne allerdings dazuzusagen, dass er als ÖSV-Präsident und damit oberstes Aufsichtsorgan dafür letztverantwortlich ist.

Da war Stoss noch nicht schockiert. Der ÖSV-Präse führte ihn vor wie einen Schulbuben und das ist vielleicht sogar das wahre Ausmaß des Wissensgefälles zwischen  den beiden Herren. Schröcksnadel ist ein beinharter Profi, der in der Öffentlichkeit genau die Meinung und Interpretation der Abläufe platziert, die ihm am meisen nützt.

Ein Langläufer wie Dürr, dessen Leistungsentwicklung, wie auch schon in Medien zu lesen ist, „zu schön ist um wahr zu sein“, muss sich erst kritischen Fragen stellen, wenn er des EPO-Dopings überführt ist? Dann wird der Herr, um wieder mit Schröcksnadel zu reden, „einen guten Anwalt brauchen“. Braucht der ÖSV vielleicht Funktionäre, die schon vor der Verlautbarung eines positiven Ergebnisses eines ihrer Sportler mit dem Stirnrunzeln anfangen?

So viele Fragen werden wieder einmal nicht behandelt und auf der Tagesordnung belassen, bis sie wer imemr beantwortet hat: Woher hatte Dürr die Mittelchen? Wer wusste noch davon? Woher hatte er das Geld? Woher hatte er das Know How, um EPO anzuwenden? Das ist nicht Aspirin, das man einfach einwirft, wenn die Nase läuft. EPO-Doping ist zwar keine Atomphysik, aber seine Applikation braucht Fachleute, Erfahrung, Planung. Die Anwender brauchen Deckung, die Vermittler und Helfer verlangen Geld, die arbeiten nur, wenn sie Vertrauen spüren.

Was ist bei Dürrs Doping schief gegangen? Wann wird im ÖSV endlich gründlich aufgeräumt? Warum ist dort mit Markus Gandler noch ein Sportdirektor, dessen Name im Dunstkreis des Dopingskandals von Turin auftauchte. Mittlerweile ist vergessen, dass das ÖOC (noch unter Präsident Leo Wallner) 2007 beschloss, Marlkus Gandler und einige andere ÖSV-Betreuer künftig nicht mehr für Olympische Spiele zu akkreditieren, da das dafür notwendige Vertrauen fehle. Dieser Beschluss wurde mittlerweile revidiert, Leo Wallner ist ja auch seit Ende 2009 nicht mehr Präsident des ÖOC.

Um das auch einmal ausdrücklich festzustellen: es gibt keine Indizien geschwiege denn Beweise, dass die Verbandsführung des ÖSV Doping geduldet, unterstützt oder gar organisiert hat. Die Frage, warum immer wieder ausgerechnet Sportler des ÖSV im Zusammenhang mit Doping auffällig werden, wird dadurch aber vielleicht noch interessanter. Unter anderem so: hat Peter Schröcksnadel seinen Laden nicht im Griff?

Aber kann ein Präsident für einen Einzelfall verantwortlich gemacht werden? Juristisch und sportjuristisch nicht. Aber er ist der oberste Repräsentant eines Verbandes, der sich so viel auf seine Imagewerbung für das Land zugute hält. Und dann blamieren Sportler dieses Verbandes das Land. Immer wieder.

Jetzt denkt Schröcksnadel laut über eine Ausgliederung der Langläufer aus dem ÖSV nach. Eine Parallelaktion zum Konkurs der Hypo Alpe Adria. Die Langläufer werden abgewickelt – Problem-Outsourcing. Das glaubt dem Herrn Schröcksnadel aber keiner mehr. Vielmehr sollte er sich fragen, ob Markus Gandler ein geeigneter Chef der Langläufer ist.

Auf Dürr hinzuhacken ist jetzt wohlfeil. Ist es auch sinnvoll? Der Mensch ist ohnehin gestraft genug. Nicht zu Unrecht, schließlich ist er ein Betrüger, der sein Vergehen bereits öffentlich gestanden hat.

Wie war das damals mit dem Radler Bernhard Kohl? Der entging jahrlang den Kontrollen, bis er eines Tages gierig wurde und die Anweisungen nicht befolgte, und statt der Minidosierung, die nicht entdeckt werden konnte, ein wenig mehr vom Wundermittel EPO nahm – um in der Tour einen Erfolg zu landen. Der Erfolg gelang prompt, der Nachweis des Dopingmissbrauchs freilich auch.

Kohl hat die Genese seiner Dummheit und Entdeckung auch so dargestellt und es gibt keinen Grund daran zu zweifeln. An ihm ist der Shitstorm längst vorbeigezogen, sein Radgeschäft floriert und er ist begehrter Gesprächspartner zum Thema.

Vielleicht erzählt Johannes Dürr ja auch eines Tages, wie das wirklich war vor und in und nach Sotschi.

 

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2 Antworten zu Und wieder im ÖSV

  1. wr schreibt:

    Alles ist relativ!
    Der ÖSV ist erfolgreich. er gewinnt ein große Zahl an Medaillen bei Olympischen Spielen.
    wenn man betriebswirtschaftliche Kriterien heranzieht, sieht die Sache schon ein bisschen anders aus. Keine andere Nation verfügt auch nur ansatzweise über die finanziellen Mittel des ÖSV.
    bei einer Kosten/Nutzen Rechnung müsste der ÖSV mehr als 2/3 aller erreichbaren Medaillien gewinnen können. das tut er nicht einmal im Ansatz. International ist der alpine Skisport eine Randsportart. keine 20 Nationen betreiben ernstzunehmend alpinen Skilauf.
    Alle anderen vom ÖSV repräsentierten Skisportzweige fristen ein Schattendasein. Und im Schatten
    passiert eben so einiges. (siehe olympische Winterspiele 2006, 2010, 2014)
    Darüber wird im Sportland Österreich gerne hinweg gesehen. Und der zuständige Präsident wird zum persönlichen Berater des Ministers und zu Österreichs „Sportspezialisten für eh alles“ ernannt!

  2. Luky Luke schreibt:

    Es gibt ja auch in anderen ÖSV Sparten interessante Aspekte. Athleten die ihre Karriere beenden und 2 Jahre (eine in Zusammenhang mit Dopingsperren interessanter Zeitraum) später besser denn je wieder beginnen, andere die ihre Karriere kurz vor dem Beginn der Saison plötzlich und aus heitern Himmel beenden. Und waren nicht auf der Liste von Humanplasma zunächst auch Athleten des OSV? Wie ein Wunder sollen die Namen dann von der Liste verschwunden sein……

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