Einstürzende Altbauten

Der Gig der Stones im Hyde Park zeigte, dass sie nur mehr das Allernötigste spielen und ihre ganze Raffinesse verloren haben

All Down The Line –  was war das einmal für ein Kraftwerk von einem Song. Die Stones haben sich im Hyde Park als ein integraler Bestandteil des Sentimentalen Rock-Business erwiesen. Da ist nichts mehr, was die Magie der Band früher ausgemacht hat. Und am allereinlichsten ist Mick Jagger, der herumhopst wie seine eigene vollaufgeladene E-Car-Ausgabe. Die Hektik auf den spindeldürren Altherrenbeinen kann über die Dürrheit der Band nicht hinwegtäuschen. Ron Wood k0nnte nie wirklich spielen, und Keith Richards kann schon lange nicht mehr. Von den Signature Riffs bleibt nur mehr das Gerüst, alles dazwischen ist wegggeschmolzen, der melodische Fluss ist ein erbärmlich dünnes Rinnsal, die Bewegung kommt fast ausschließlich vom tapferen Charlie Watts und wenn der Musikkritiker behauptet, Jagger könne noch singen, so muss man leider festhalten: er hat’s nicht mehr drauf.

Es ist schade um die Zeit, wirklich ins Detail zu gehen, was alles hier nicht mehr funktioniert. Aber man braucht sich nur Midnight Rambler auf yputube anhörensehen, da hat man das ganze Elend konzentriert auf 11 Minuten. Sie spielen dieses wunderschöne Lied mit ihrem alten Gitarristen Mick Taylor, der in der besten Zeit der Band die Melodiegitarre über Richards Soundtürmen bediente.

Jagger holt ihn also auf die Bühne und stellt Taylor, eine fette Karikatur seiner selbst, vor: den ersten Auftritt als Nachfolger von Brian Jones spielte Taylor 1969 ebenhier, im Hyde Park. Zu Ehren des wenige Tage vorher verstorbenen Brian Jones, der einmal die charismatische Führungsfigur der Band war, bevor die geschäftstüchtigen Glimmer Twins ihn an den Rand drängten. Jones kam mit dem Stress und dem Ruhm nicht zurecht und schlitterte in einen Alkolhol- und Drogen-Nebel, aus dem er sich nicht befreien konnte.

Wurscht. Mick Taylor, der vorher bei John Mayall’s Bluesbreakers gelernt hatte, steigt ein, und schon das Intro zeigt das gegenseitige Unverständnis zwischen Taylor und der Band. Nach den ersten Strophen launcht Taylor ein längliches Solo, das bis zum Schluss fremd und aufgesetzt daherkommt. Und der no-tempo-Mittelteil, früher ein elektrischer Moment, wirkt gekünstelt, aufgesetzt und aufgeblasen. Taylors flüssige, wenn auch unlyrische, Zeilen passen wie vertrockneter Lorbeer auf eine Kettensäge.

Das ist leiderleider keine Band mehr, nur mehr Content fürs Show Business. Und Stoff für Fingerübungen von Journalisten, die keine Ohren haben und doch eine Seite über die Stones schreiben müssen.

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