Der Götze, das Geld und der Ball

Kann man die offene Marktwirtschaft der Fußballertransfers beschränken? Man muss – aus Rücksicht auf den Fußball

Es war in den aufregenden Tagen vor dem Finale der Champions League. Noch konnte keiner wissen, dass ausgerechnet Arjen Robben  Bayerns Siegestor zum 2:1 hineinnudeln würde. Doch jeder wusste, dass die Bayern den talentiertesten Spieler ihres Finalgegners Dortmund gekauft hatten: Mario Götze.

In einer der TV-Talks vor dem Finale saß der deutsche Trainer Chistoph Daum und schwurbelte vor sich hin. Das ist die offene Marktwirtschaft“, sagte Daum, als er daraf angesprochen wurde, ob das in Ordnung sei, wenn kapitalkräftige Vereine minderbemittelten Mitbewerbern die besten Fachleute vom Rasen holen. Was wolle man denn tun, meinte Daum, das Shopping der Shooting Stars verbieten? Geht nicht, sagte er.

Das ist Unsinn. Man braucht nicht zum zillionsten Mal darauf verweisen, dass ausgerechnet im Land, das sich unbegrenzte Möglichkeiten zugute hält, die kommerziell erfolgreichen Sport-Ligen Regeln befolgen, die genau die Fehlentwicklung verhindern, die in der deutschen Bundesliga vor Jahren eingesetzt hat und in Spanien, Italien, Frankreich und Holland, um nur die krassesten Beispiele zu nennen, zu einer Verzerrung des Wettbewerbs geführt haben. In den USA sind die Gehaltssummen, die Vereine für ihr spielendes Personal ausgeben dürfen, limitiert.

Das Wiener Länderspiel gegen die Schweden bildet einen Auftakt zum jährlichen Sommerrummel auf dem Transfermarkt. Etliche Mitglieder der österreichischen Nationalmannschaft (Arnautovic, Janko, Fuchs, Ivanschitz) haben mittlere bis gröbere Schwierigkeiten mit ihrer Vermittelbarkeit auf dem Marktplatz.

Was Daum „offene Marktwirtschaft“ nennt, kann sehr wohl eingeschränkt werden. Man muss bloß ökonomischen Verstand gebrauchen und wird sehen, dass nur eine halbwegs ausgeglichene Liga ein für Kunden attraktives Produkt bietet. Einseitige, vorhersehbare, von vorne herein dank ungleicher ökonomischer Muskeln entschiedene Meisterschaften drücken die Bereitschaft von Fans, Sponsoren und TV-Stationen, dafür Geld auszugeben. Auch in Englands Premier League, der teuersten Fußball-Veranstaltung der Welt, werden TV-Lizenzen genau aus diesem Grund einigermaßen paritätisch vergeben.

Auch in Österreich versucht ein Klub mit einem horrenden Budget, die Hegemonie zu erlangen. RB Salzburg zahlt das Dreifache bis Zehnfache pro erzieltem Tor oder Punkt als die Konlkurrenten. Der Versuch, Meister zu werden oder gar in die Champions League vorzustoßen, geht allerdings immer wieder schief, weil (auch heuer wieder) die sportliche Führung unterqualifiziert ist und der Vereinseigentümer Didi Mateschitz nicht in der Lage ist, eine langfristige Strategie zu entwickeln.

Der Präsident des österreichischen Meisters Austria Wien, der Gewerkschafter Wolfgang Katzian, spricht sich für eine Limitierung der Personalausgaben aus. Er hält ein nationale österreichische Lösung allerdings für derzeit nicht durchsetzbar. Das müsse die UEFA implantieren, meint er. Die Austria nehme im übrigen freiwillig an der Steuerungsgruppe des „Financial Fair Play“ teil, um das dort akkumulierte Wissen anzuzapfen und mitzureden.

Wenn die UEFA die Regeln tatsächlich durchsetzt und Vergehen mit Sanktionen wie dem Ausschluss aus den europäischen Klubbewerben sanktioniert, könnte die Ära der Schuldenweltmeister wie FC Barcelona oder Real Madrid gezählt sein.

Götze saß während des UCL-Finales auf der Tribüne. Eine Oberschenkelverletzung hatte ihm das Mitspielen und einen Gewissenskonflikt erspart. Er wusste wahrscheinlich nicht, dass Dortmunds genialer Stürmer Robert Lewandowski offenbar auch zu den Bayern kommt. Nein, er folgt nicht Götze, sondern dem Götzen Geld.

 

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3 Antworten zu Der Götze, das Geld und der Ball

  1. werner raabe schreibt:

    wenn es im sport auch weiterhin – neben den angestrebten internationalen erfolgen – um werte wie sozialisierung, gesundheit oder lebenslanges bewegen gehen soll, dann hat man mit einer limitierung der personalkosten in mannschaftssportarten ein einfaches instrument dafür (siehe NFL/USA). ob dieser humanistische denkansatz beim neuen österreichischen sportexperten für eh alle fragen im sport und bundesministersportgeneralbevollmächtigten schröcksnadel positiv aufgenommen werden wird?

    die derzeit international tätigen IOC granden schlagen in die selbe kerbe. hier wird ringen, eine der „alten“ olympiasportarten aus dem programm genommen. als argument dafür wird die geringe zuschauer (werbewirksamkeit) genannt. einfach auf den punkt gebracht, es werden nur mehr sportarten gefördert, die geld bringen!

    auch im neuen bundessportförderungsgesetz werden für diesen denkansatz die weichen gestellt.
    von den präsidenten der BSO, der sogenannten vertretung des österreichischen sports, ist keine einzige inhaltliche stellungnahme dazu bekannt.

    die fehlgeburt der täglichen turnstunde wird künftig dafür sorgen, dass es noch weniger freie turnsaalkapazitäten für den sport im verein geben wird. freizeitpädagogen rein in die turnsäle, vereinstrainer raus. lebenslanger bewegungsdrang, ein lebenswichtiger virus, der im sportverein übertragen wird, wird damit erfolgreich bekämpft. fehlende bewegungsräume führen zu weniger sportangeboten. weniger angebote, sorgen für weniger sportler und in der regel für weniger sportliche erfolge. dieses ergebniss liegt aber dann bereits in einem zeitabschnitt unserer konsumgesellschaft, in der die verantwortlichen minister, bso präsidenten und generalbevollmächtigten vergangen und vergessen sein werden.

    unsere gesellschaft wird damit wieder um eine facette schmäler. immer mehr regiert geld die welt.

  2. erich schreibt:

    Leider ist dem nichts hizuzufügen

  3. Ernst schreibt:

    fussballspielen ist Sport aber fussballzuschauen -ist das auch Sport ?
    hier geht es meiner Ansicht nach um Show und die muß sich selbst erhalten oder rechnen !
    die gr0ßen ,teilweise irren summen die für die darsteller(kicker) da ausgegeben werden verlieren
    den boden der realität. denn in wirklichkeit können die vereine das überhaupt nicht leisten(zuminderst in österreich )denn was auch von der öffendlichen hand , wie zum bespiel rapid und
    austria hineingepumt wird nicht gerade wenig. der gesunde anständige körperertüchtigende
    amateursport leidet masiv darunter.

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