Der Fußballlehrer von Favoriten

Peter Stöger unterrichtet die Austrianer im Fach Meisterwerden

Aus dem dünnen, wendigen, torgefährlichen Mittelfeldspieler ist ein strenger Trainer geworden. Peter Stöger (47) wurde mit der Wiener Austria und mit der Rapid in den 90ern Meister und bildete mit Didi Kühbauer ein legendäres Duo. Im entscheidenden Qualifikationsspiel für die WM 1998 schoss er (wie Toni Polster) gegen Weissrussland zum 4:0 zwei Tore. Im Gegensatz zu vielen anderen „Experten“, die größere Fußballerkarrieren hingelegt haben, kann er über den Fußball klar und klug sprechen. Seine Mannschaft Austria Wien liegt fünf Runden vor dem Ende der Meisterschaft sechs Punkte vor dem Favoriten RB Salzburg.

Stöger erklärt das so: „Ich glaube, dass der Kader der Salzburger besser ist. Das habe ich der Mannschaft auch gesagt. Ende. Ist doch wurscht.“ Die Austrianer haben nämlich mehr aus sich gemacht als Andere. Stöger: „Ich glaube, dass wir kadertechnisch eine ähnliche Situation haben wie Rapid und Sturm. Und wenn wir 23 Punkte vorn sind, sieht man, was wir abgerufen haben.“

Die Austria hatte nach 23 Runden schon 13 Punkte Vorsprung. „Wir haben einen unglaublichen Herbst gehabt“, erzählt Stöger am Sonntagabend nach dem 2:0 über die Admira. „Im Frühjahr haben wir das mit einem glücklichen Derby-Sieg prolongiert.“

Stöger wusste, sagt er, dass nach dem 1:1 gegen Salzburg im März „eine schwierige Phase“ kommen werde „Wenn wir Punkte liegen gelassen haben, dann gegen Salzburg, WAC und Sturm.“ Prompt endete die Phase der Leichtigkeit zuhause in einem 0:4 gegen den Wolfsberger AC. Danach Remis gegen Sturm und Rapid. Mit dem 2:0 über die Admira am Sonntag sollte die Konsolidierung abgeschlossen sein. Stöger: „Jetzt folgen Gegner, die wir mit der Konsequenz, die uns auszeichnet, und unserer Qualität schlagen können.“

Was haben die Wiener bisher so viel besser gemacht als alle anderen? Stöger: „Ich habe noch nie mit einer Mannschaft zusammengearbeitet, die so lange Zeit so nahe an die Schmerzobergrenze geht. Deswegen akzeptiere ich auch Spiele, die nicht so gut sind und nur unentschieden ausgehen.“

2005 gewann das Trainerduo Stöger-Frenkie Schinkels mit der Austria das Cupfinale gegen Rapid (3:1). Im Herbst 2006 wurden sie wegen Erfolglosigkeit entlassen. Als Stöger Ende Mai 2012 wieder die Austria übernahm, legte er ein zum Personal passendes Grundsystem fest: Vor der Viererkette ein defensiver „Sechser“ im Mittelfeld, vor ihmzwei „Einfädler“. Gorgon und Jun als hängende Spitzen auf den Seiten, vorn in der Mitte ein schneller Stürmer. Das hätte Roland Linz sein können, oder Roman Kienast. Aber es wurde Philipp Hosiner.

Der Burgenländer wurde nach Wanderjahren von 1860 München zu kleinen deutschen Vereinen. 2010 von der Vienna gekauft und ein Jahr später an die Admira weitergereicht. Im vergangenen Herbst erkannte Stöger in ihm den idealen Centerstürmer für die Austria. Hosiner führt die Torschützenliste mit 27 Treffern an. Doch seit etlichen Wochen hat er das Eckige nicht mehr beehrt. Stöger: „Ich rede mit ihm, baue ihn auf. Vor zwei Jahren war er bei der Vienna, heute führt er in der Meisterschaft und als Torschütze. Er kann wahrlich zufrieden mit sich sein und gelassen weiterarbeiten.“

Stöger bezeichnet sich als Fußballlehrer. „Meine Grundaufgabe ist, die Spieler zu verbessern, Dazu gehört, dass ich einem Spieler sage, was er ändern sollte. Sonst wird er nicht weiter kommen und bei mir nicht viel spielen.“ Er erzieht eine Mannschaft, in der „mit Ausnahme von Roman Kienast noch keiner einen Meistertitel nach Hause gebracht hat.“

Er sei als Spieler bei Vereinen rausgeflogen, wenn nicht klar war, warum wer spielt und wer nicht. „Das wollte ich anders machen.“ Die Austrianer schätzen offenbar Ehrlichkeit. Stöger: „Die Spieler wissen schon, was Sache ist und es schadet nicht, wenn man auch einmal kritisch ist. Wichtig ist, dass die Spieler merken, dass der Alte an das glaubt, was er vermittelt. Wir sprechen auch Probleme ganz beinhart an, wenn wir gut unterwegs sind. Sie merken, dass sie ständig an sich arbeiten müssen, sonst kommt ein anderer zum Zug.“

Und die Meisterschaft? Die Salzburger werden wahrscheinlich kein Match mehr verlieren. Stöger: „Die haben sich jetzt gefunden. Damit müssen wir leben. Umso stolzer können wir sein, wenn sich unser großer Traum erfüllt.“

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