Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen

Funktionärsfeigheit: ÖFB-Präsident Leo Windtner und Bundesliga-Präsident Hans Rinner verweigern eine Diskussion auf Sky

Am Sonntag Abend sollte in der Sendung „Talk und Tore“ eine Diskussion über die „Reform“ des Formats der Bundesliga (tipp3 und Heute für Morgen Liga) stattfinden. Als Repräsentanten des Fußball-Imperiums waren ÖFB-Präsident Leo Windner und Bundesliga-Präsident Hans Rinner eingeladen. Außerdem Karl Irndorfer, der mit einer Dissertation („Strukturreform des österreichischen Fußballs: Der Ball ist rund, das Geld ist schwarz“) in den vergangenen Monaten Zeit für erhebliche Aufregung gesorgt hatte, und der Autor dieser Zeilen. Am Samstag vormittag erhielt ich einen Anruf der Sky-Redaktion, dass Windtner und Rinner abgesagt hatten, weil ihnen die anderen Gäste nicht passten. Da Sky sich aber nicht vorschreiben lässt, wer zum Plaudern eingeladen ist, finde das Gespräch dennoch statt, sagte der Redakteur. Statt Windtner/Rinner wurden Gernot Zirngast,Chef der Vereinigung der Fußballer (ÖGB), und der Journalist Michael Fiala („90minuten.at“) nachnominiert.

Was mich am meisten gewundert hat: Wieso meiden Rinner und Windtner, die beiden höchsten Vertreter des Fußballs, das offene Gespräch in einer Situation, die sie nicht wie Pressekonferenzen des ÖFB oder der Bundesliga steuern können und mit Partnern, die keinem Medium angehören, das einen Vertrag mit dem ÖFB hat? Wissen Sie nicht, dass sie Imageschaden und Häme riskieren, die weit über das Maß hinausgehen, das sie sich mit einem Streitgespräch einfangen könnten? Windtner ist immerhin Vostandsvorsitzender der Energie AG Oberösterreich. Der Konzern agiert international und setzte laut der letzten bekannten Bilanz 2,2 Milliarden Euro um. Und der Mann hält es nicht aus, sich nach einer Ligareform, die ihren Namen nicht verdient, sich kritischen Fragen zu stellen? Geht er auf seinem Arbeitsplatz ebenfalls der Auseinandersetzung mit Menschen aus dem Weg, die nicht seiner Meinung sind? Und falls das so ist, lassen ihm das die Eigentümervertreter durchgehen?

Es wäre leicht, aus dieser Funktionärsflucht vor der Auseinandersetzung zu schließen, dass aus dem heimischen (Liga)Fußball nie etwas ersprießliches wird entstehen können, solange er von Männern wie Windtner und Rinner geführt wird. Tatsächlich ist es leider so. Windtner ist vor vier Jahren mit einem ganzen Bündel an hehren Reformvorsätzen angetreten, es ist nichts übergeblieben außer der Bestellung eines schweizer Teamchefs, der sich in letzter Zeit zu viele Fehler leistet. Aber dafür kann Windtner nichts. Sehr wohl kann er freilich etwas dafür, dass der landauf landab fachlich nicht gerade überschwänglich anerkannte ÖFB-Sportdirektor Willi Ruttensteiner die sportlichen Belange im ÖFB inklusive des Teams in Händen hält, und eine hypertrophierte Nachwuchsausbildung installiert wurde, die geradezu hysterisch nach Rechtfertigung und Arbeitsplätzen sucht.

Das Problem des ÖFB und damit auch der Bundesliga liegt hauptsächlich in einem ineffizienten System, das jedes Jahr weit mehr als 100 sogenannte Profikicker ausmustert und in die Erste Liga und die Regionalligen – und einige wenige auch in die oberste Spielklasse – entlässt. Von vielen hört nach kurzer Zeit kein Mensch mehr etwas.

Alle Fußballer, die fürs Team halbwegs brauchbar sind, erhielten einen Großteil ihrer Ausbildung und absolvieren die Praxis im Ausland, weil die heimische Liga zu schwach ist.

Dazu kommt die Mogelpackung der „Profiliga“ Erste Liga mit ihrer Vorschrift, bei jedem Spiel pro Verein vier junge Kicker (heuer ist der Stichtag 1. 1. 1991) auf dem Spielbericht anführen zu müssen. Oder der Verein verliert (meist dringend benötigte9 Förderungen. Das heisst, dass in der ganzen Liga 60 bis 80 garantierte Arbeitsplätze für Akademieabsolventen bereitstehen –  eine riesige geschützte Werkstätte, die dem Wettbewerb Hohn spricht.

Die Amateur-Teams der Erstklassler sind eine weitere Mogelpackung. Jungkicker, die es über diesen Weg schaffen wollen, würden es wohl auch über die Regionalliga schaffen. Die Amateurmannschaften verstopfen den Wettbewerb, ihretwegen kommt kein Schwein auf den Fußballplatz, sie stellen daher für die Mitbewerber der Regionalligen und der Erste Liga eine erhebliches finanzielles Risiko dar. Außerdem überhitzen sie den Spielermarkt, wenn beispielsweise Red Bull Salzburg bestrebt ist, alle Jünglinge, die einen geraden Passe zustande brngen, aufzukaufen, wie es der Prophet Rangnick im Sommer verkündete.

Die Amateurteams gehören abgeschafft, sie bringen keine Nachwuchskicker weiter und zerstören den Markt. Und in der Regionalliga muss die profiähnliche Bezahlung aufhören, wahrscheinlich geht das nur über beinbarte Kontrollen der Klubhaushalte.

Über all das und mehr hätten die beiden führenden Vertreter der geschützten Funktionärswerkstätte ÖFB/Bundesliga reden und öffentlich nachdenken können. Sie hätten Sympathien für die Schwierigkeiten und Probleme, die Widerstände und den Umgang mit den Begehrlichkeiten der Landesverbandsfürsten erwecken können. Sie zogen es vor, den Ostersonntagabend zu Hause zu verbringen. Vielleicht haben sie ja Zeit, sich vor den TV-Apparat zu setzen und sich die Sendung „Talk und Tore“ anzuschauen und vielleicht lernen sie ja etwas dabei. Wenn nicht mehr, dann eventuell, dass Führungskompetenz auch darin besteht, unangenehmen Gesprächen nicht aus dem Weg zu gehen.

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