Koller hat gepatzt, Alaba hat ihn gerettet

Von Coaching-Fehlern, Aufstellungsirrtümern, Taktik-Schmafu im Internet und reinem Massel

Das Länderspiel der ÖFB-Elitetruppe in Irland (2:2) lässt nur in einer Hinsicht klare Erkenntnisse zu: Teamchef Marcel Koller macht in letzter Zeit zu viele Fehler. Schon in der Aufstellung zu Beginn war ein klarer Mehrfachquargel verpackt. Philip Hosiner hatte nach seinem leutseligen Debut gegen die Färöer (6:0, zwei Tore von Hosiner) zwar eine erste Teamkonjunktur, gegen die vom Taktikprofessor Trappatoni gecoachten, tief stehenden und in der Rückwärtsbewegung flotten und wachen Iren aber war der kleine Austrianer eine Fehlbesetzung. Hosiner ist für Flanken nicht empfänglich und er braucht Platz zum Angasen. Den würden ihm die Iren aber nicht geben, soviel hätte auch Koller vor dem Spiel klar sein müssen. Wenn er also schon auf Marc Janko steht und wenn der schon fit ist, hätte der von Anfang an mitarbeiten müssen.

Dazu kommt als zweiter fundamentaler Irrtum die Verwendung von Marko Arnautovic statt Andreas Ivanschitz. Arnautovic ist seit geraumer Zeit nicht imstande, über seine eigenen Zehen hinauszusehen und so spielt er auch. Ein erfahrener Coach wie Koller es angeblich ist, müsste gesehen und geknissen haben, dass Arnautovic nicht in der Lage ist, der Mannschaft zu helfen. Immer wieder auf einen Genieblitz des eingebildeten Halbwüchsigen zu warten, wirkt in einer erwachsenen Umgebung  nur noch kindisch. Arnautovic war dann auch während des gesamten Spiels mit seinen eigenen Ja-was-eigentlich? beschäftigt und ließ das Match Match sein. Ihn in Schutz zu nehmen und den Fehler seiner falschen Positionierung zuzuschreiben, wie das in manchen verschlafenen Analysen geschieht, ist weiter daneben als Arnautovocs Schüsse und Dribblings. Das Problem ist viel einfacher: Arnautovic fehlt offenbar die Fähigkeit oder Reife oder beides, Fußball als Mannschaftssport zu begreifen und zu betreiben.

Der Mannschaft hielt sich angesichts dieses Coachingchaos wunderbar, der Ausfall von Zlatko Junuzovic (hatten die Ire erkannt, dass er die treibende Kraft im Spiel der Österreicher war und suchten sie nach einer Lösung, sich ihrer zu entledigen?) hemmte die Vorwärtsbewegung und Zuversicht der Österreicher. Junuzovic hatte nicht nur das 1:0 durch Martin Harnik vorbereitet, er stellte in seiner körperlichen, giftigen Spielweise auch der Physis der Iren einen erwachsenen Gegner.

Sein Ausfall gab Koller die Möglichkeit, den nächsten Bock zu schießen. Statt den mehrfach verwendbaren, torgefährlichen und denkenden Erwachsenen, nämlich Andreas Ivanschitz, ins Spiel zu bringen, schickte Koller Baumgartlinger ins Feld. Baumgartlinger ist ein braver Dauerläufer, aber er ist kein Denker und Gestalter, kein Mann, der ein Spiel langsamer oder schneller macht, im besten Fall hackt er reihenweise Feinde um, ohne eine gelbe Karte zu riskieren. Da auch David Alaba und Veli Kavlak eher mit Aufräumarbeten beschäftigt waren, stockte das Spiel der Österreicher sofort, Hosiner, ohnehin beinahe hoffnungslos isoliert, hing ab sofort in einer Zone fest, in die kein brauchbarer Pass mehr gelangte.

Koller hatte Ivanschitz auf der Bank gelassen und Baumgartlinger gewählt. Das mag verstehen wer will. Die Strafe folgte auf dem Fuß, die Iren gewannen die Initiative zurück, weil genau das die Spielweise ist, in der Baumgartlinger und Kollegen erst ihre Sinnerfüllung erfahren und so war es nur mehr eine Frage der Zeit, bis der Ausgleich und ein weiteres Gegentor fallen würden.

Das 1:1 war die Folge eines Elfmeters, den wieder einmal der unbeholfene und von Spielintelligenz nicht gerade überquellende Emmanuel Pogatetz verursachte. Auch dieser Mann ist einer der wunden Punkte im Team, die Koller offenbar nicht und nicht anschauen will.

Als Koller dann Janko statt Hosiner ins Spiel brachte, versuchte er nur mehr, seinen eigenen Fehler auszubessern. Leider ist Janko bereits so marod, dass er nicht einmal mehr beim Stochern im Strafraum ins Tor trifft, im Spiel vor dem Strafraum ist er auf diesem Niveau sowieso nicht zu gebrauchen.

Als der indisponierte und an der Linie durch Hilflosigkeitsgesten auffallende Coach dann Weimann brachte und wieder nicht Ivanschitz, muss sich dieser wohl endgültig verarscht vorgekommen sein. Es spricht für Ivanschitz‘ Langmut und Reife, dass er sich öffentlich nie darüber aufregen würde. Es ist nur schade, dass Koller sich mit dummen Buben wie Arnautovic abgibt und krasse Probleme nicht sieht. Da wäre, nur zum Drüberstreuen, noch der in den letzten 20 Minuten blaue Harnik gewesen, der die Folgen der Grippe offenbar doch nicht so ganz überwunden hatte. Wieder: kein Vorwurf an Harnik, so etwas muss einem Trainer, der fürs Coachen und nicht nur fürs Stehsätzeablassen bezahlt wird, auffallen.

Es war wieder einmal Alaba, der mit einem Kunsstschuss Koller den Kopf und der Mannschaft die Hoffnung auf die Qualifikation rettete. Die Frage ist, wie lange die Mannschaft noch einen mit blinden Flecken behafteten Teamchef mitschleppen kann, wo doch die Deutschen und die Schweden ohnehin zu schwere Brocken zu sein scheinen.

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4 Antworten zu Koller hat gepatzt, Alaba hat ihn gerettet

  1. Thomas Hauer schreibt:

    DANKE fuer die erste ECHTE Analyse!

  2. Thomas schreibt:

    Dass der Autor nicht ein einziges mal Junuzovic richtig schreibt, passt irgendwie zum Rest…

  3. Michael Fiala schreibt:

    Ivanschitz hätte gegen die robusten Iren nach dem zweiten Zweikampf W.O. gegeben (nicht physisch, sondern spielerisch). Insofern war es eine gute Entscheidung, Ivanschitz draußen zu lassen. Der Fehler Kollers war eher, Weimann so spät zu bringen. Siehe auch diese Analyse: http://www.90minuten.at/index.php/meinung/qfq/15306-ein-teamchef-wartet-ab

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