Der Tanz im Inneren der Ski-WM

Der Event in Schladming ist nicht nur eine Business-Opportunity, er ist auch ein Test, wie transparent die Steiermark mit der Vergabe von Steuergeld verfährt

Preisfrage: Warum fehlt im Sticker-Album der WM-Saison ausgerechnet der wichtigste österreichische Skifahrer der vergangenen 20 Jahre? Richtige Antwort: Weil Hermann Maier bei Raiffeisen unter Vertrag ist. Das vom Veranstalter der Ski-WM in Schladming, dem Österreichischen Skiverband aufgelegte Album wird jedoch von der Post und der Bawag gefördert. Ein kennzeichnendes Detail im Hauptbewerb der Ski-WM, der Umsatzoptimierung.

Der Event und der ÖSV als sein Veranstalter haben angeblich mehr als 400 Millionen Euro an Investitionen in Infrastruktur, Sportanlagen und Schladminger Hotellerie ausgelöst. Die Hauptlast trägt wie bei derartigen Anlässen (Euro 2008, Ski-WM in St. Anton 2001) in Österreich üblich, der Steuerzahler. Das Sportministerium macht 24,3 Millionen € für vier Schladminger Infrastrukturprojekte flüssig: Und zwar für die Trainingsstrecken auf der Reiteralm und auf dem Hauser-Kaibling, für Bauarbeiten im Zielraum der im öffentlichen Besitz stehenden Planai-Bergbahnen und für die Errichtung der Athletic-Arena.

Das Bundesland Steiermark widmeit dem Event 141,38 Millionen Euro. Davon sind nach Auskunft aus dem Büro von Landeshauptmann Franz Voves (SPÖ) 62,63 Millionen € „absolut WM-relevant“. Für „touristische Infrastrukturmaßnahmen, Straßenmaßnahmen und andere Verbesserungen der Region Liezen berappt das Land 78,75 Millionen €. Allein aus dem Sportressort des Landeshauptmannes fließen 15,04 Millionen € in den Event. Drei Millionen kosteten „Sicherheitsnetze, Tribünenbauten, 27 Fernsehtürme und Anderes“.

Der in der Landesregierung für die Planai-Bergbahnen zuständige Landeshauptmannstellvertreter Hermann Schützenhöfer gibt auf Fragen zur Ski-WM keine Auskunft: Opferte er am 11. Juli 2012 den  Geschäftsführer der Planai-Hochwurzen-Bahnen GmbH Ernst Trummer, weil der dem ÖSV-Präsidenten Peter Schröcksnadel im Weg war? Der Entlassungsgrund entpuppte sich schnell als Vorwand, Trummer erhielt sämtliche arbeitsrechtlichen Ansprüche abgegolten und eine Ehrenerklärung.

Schützenhöfers Willküraktion schürte die Neugier. Wieviel erhält Veranstalter ÖSV vom Internationalen Skiverband FIS für die Ausrichtung der Wettbewerbe? Es dürfte sich um 44 Millionen Schweizer Franken handeln. Im FIS-Vertrag, den der ÖSV der Stadt Schladming vorlegte, war der den ÖSV betreffende Teil unleserlich gemacht worden. Entstehen Kosten, werden sie von den Gebietskörperschaften getragen. Die Planai-Bahnen (2011: Umsatz: 31 Mio€, Cash-Flow: 7,4 Mio€) mussten auf Wunsch des ÖSV den neu errichteten „Loop“ im Zielraum und ein Haus abreissen, um Platz für Tribünen zu schaffen. Der Schaden für die Planai-bergbahnen beläuft sich auf mindestens 800.000 Euro.

Was die WM selbst kostet, weiß übrigens nur der ÖSV, obwohl die Hauptkosten der Steuerzahler trägt. Im WM-Budget werden für die einzelnen Posten Prozente des Gesamtvolumens ausgewiesen. Die weiss wohl nur der ÖSV. Auch weiss niemand, wie hoch die Lustbarkeitsabgabe auf die Tickets für die erwarteten 300.000 bis 400.000 Besucher ausfallen wird. Hat man das dem ÖSV womöglich erlassen?

Als Schladmings Bürgermeister Jürgen Winter manche ÖSV-Vorhaben nicht einfach durchwinkte, soll ihm Schröcksnadel mit dem Entzug des lukrativen Nightrace gedroht haben. Winter: „Das steht schon auf der Tagesordnung, aber daran gewöht man sich.“

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3 Antworten zu Der Tanz im Inneren der Ski-WM

  1. Felix Netopilek schreibt:

    Wie so oft, können die „großen“ Sportverbände ungeprüft schalten und walten – mit Mitteln der öffentlichen Hand.

  2. frizzdog schreibt:

    der ewiggestrige, rückwärtsgewandte geist des veranstalters kam unliebsam deutlich zum ausdruck bei der recht dilettantisch-provinziellen regie der eröffnungsfeier. ein internes gegenseitiges verneigungsfest, ein international eher peinlicher einblick in eine lokale analkultur.

    • Gerhard schreibt:

      frizzdog, Dein Kommentar ist unterm Hund!
      Ich bin stolz auf Regionalität, Kultur und Heimat.
      Wir Österreicher brauchen auch nichts zu verstecken, und wenn was anal ist, dann Dein Posting bzw. Deine Einstellung.
      Guten Tag!

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