Vorsicht, Missionar!

Der Neoliberale Jeffrey Sachs will sich zum Chef der Weltbank machen lassen.

Der weltbekannte Ökonom Jeffrey Sachs hat sich für den Präsidenten der Weltbank selbst empfohlen. US-Präsident Barack Obama schickt nämlich den amtierenden Weltbankchef Robert Zoellick, einen Kumpel von Obamas Vorgänger George W. Bush, in Pension und braucht einen Nachfolger. US-Finanzminister Timothy Geitner hat Sachs allerdings nicht auf seiner Short-List, dafür seinen alten Haberer Lawrence Summers, einen Berater Obamas. Aber den wollen etliche europäische Staaten nicht.

Andere kolportierte Anwärter wie US-Aupenministerin Hillary Clinton oder der Demokrat John Kerry haben bereits abgewunken. Der Posten gilt als Erbpacht der Amerikaner, die Europäer besetzen dafür den Internationalen Währungsfonds, dort herrscht die Französin Christine Lagarde. Also steht Geitner unter Druck.

Hinter Sachs versammeln sich mittlerweile afrikanische und lateinamerikanische Staaten wie Mexiko und Chile. Viele Mitglieder der G20 haben die Herrschaft Europas und der USA über die zwei wichtigsten internationalen Finanzierungsinstrumente satt, trauen sich das aber noch nicht offen zu sagen. Schwellenländer tragen mehr und mehr zum Haushalt der Weltbank und des Währungsfonds bei, aber bei der Postenbesetzung in den zwei wichtigsten Finanzinstrumente des weltweiten Aufbaus dürfen sie bloß zuschauen.

Bis zum 23. März will die US-Administration ihren Kandidaten nominieren, und der Ökonomieprofessor Sachs bezeichnet sich selbst als den einzigen Qualifizierten. Dabei spricht schon seine Freundschaft zu Bono Vox, dem Sänger der irischen Band U2, gegen ihn. Der weltweit tätige Entwicklungshelfer und Aktivist Bono hat das Vorwort zu Sachs‘ Bestseller „Das Ende der Armut“ geschrieben. Darin analysiert  Sachs zwar nach Ansicht vieler Kritiker die Ursachen der Verelendung ausführlich und differenziert. Seine Vorschläge aber sind oberflächlich und laufen auf einen Punkt hinaus: wenn die Reichen nur mehr Geld in arme Staaten investieren, hört sich bis 2025 die Armut auf. Neuralgische Punkte wie den Mangel an Grundrechten armer Bevölkerungsschichten und den Mangel an politischem Einfluss der schwacher Ökonomien im internationalen Verteilungskampf spart Sachs weitgehend aus.

Sachs steht für eine neoliberale, marktradikale Ideologie, die unter der Bezeichnung „Schock Therapie“ in Lateinamerika und im Ostblock angewendet wurde. Wo immer Sachs und seine Kumpane aus dem ideologischen Lager des Liberalradikalen Milton Friedman ans Sanierungswerk schritten, wurden Märkte ohne Rücksicht dem internationalen wettbewerb geöffnet, Löhne gesenken und Sozialsysteme zertrümmert, um „die Wirtschaft“ in Gang zu bringen. Hungerepedemien, sprunghafter Anstieg der Kindersterblichkeit und Massenarbeitslosigkeit waren die unmittelbare Folge, die Bevölkerung wurde durch Panzer und Autoritarismus im Zaum gehalten.

In seinem Buch spart Sachs freilich die totalitären Nebengeräusche seiner Wirtschaftsrezepte für Bolivien, Russland, Polen und andere Staaten aus. In den vergangenen Jahren hat sich Sachs ein sanfteres Mäntelchen umgehängt. Er gründete an der New Yorker Columbia University das „Earth Institute“, eine Institution zur Erforschung und Bekämpfung der Armut. Außerdem berät er den UN-Generalsekretär Kofi Annan in Entwicklungsfragen. Sachs‘ Wahl zum Präsidenten der Weltbank wäre ein Zeichen, dass die Amerikaner nichts gelernt haben.

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