Ich seh, ich seh, was du nicht siehst

Es geht immer um Gerechtigkeit und Wahrheit. Egal, ob sie im Fußball über eine Torkamera diskutieren oder die ehemalige Doperin und jetzige US-Sonderbotschafterin Marion Jones Kinder anschwafelt.

Durchblick ist eine Überlebensfrage. Er würde lieber sterben, sagte FIFA-Präsident Joseph Blatter, als noch einmal die Schande ertragen zu müssen, dass ein reguläres Tor nicht gegeben werde. Im Achtelfinale der WM 2010 in Südafrika hatte Frank Lampard England das 2:2 beschert. Aber der Schiri erkannte auf Nicht-Goal. Die Deutschen gewannen anschließend kommod mit 4:1 und schieden im Halbfinale gegen den späteren Weltmeister Spanien Keine späte Rache für das Wembley-Tor 1966 (Geoff Hursts Lattenpendler zum 3:2 im Finale gegen die Deutschen, England siegte 4;2 und wurde Weltmeister), sondern nur der Durchbruch der FIFA ins technologische Zeitalter. Blatter will unbedingt die orkamera installieren.

Leute wie er glauben nämlich, dass Videobeweise die Gerechtigkeit fördern. Das Kamerabild wird der  Schiedsrichterwahrnehmung sozusagen übergestülpt. Im Eishockey ist das längst Alltag. Siehe das Viertelfinale der Meisterschaft zwischen den Linzer Black Wings und den Wiener Capitals.

In der 12. Minute gehen die Capitals in Führung. Alle Anwesenden inklusive Torkamera wollen gesehen haben, dass der Puck an die Latte knallte und nicht ins Tor ging. Aber das Schiedsrichter-Duo entscheidet „Tor“. Die Capitals gewinnen 4:2. Anscheinend bietet also auch das Studium von Aufzeichnungen keinen hundertprozentigen Schutz vor Unschärfen der Wahrnehmung und der Deutung.

Die UEFA wehrt sich noch gegen Torkameras, sie hat im Europacup bereits die Torrichter eingeführt, jetzt beurteilen schon fünf Unparteiische ein Match, plus einem an der Linie. Vielleicht werden demnächst zwei Schiris richten und auf jeder Seite zwei Linienrichter auf und ab hurteln.

Im Fall von Abstimmungsunstimmigkeiten (der linke Linienrichter wachelt abseits von Bayern, der rechte Foul von Basel) zu vermeiden, müsste eine Linienrichterkommission ad hoc entscheiden, was der Scheidsrichter zu pfeifen hat. Mittels Funk. Aber Torkamera wäre doch ein netter App für Spionagesatelitten, die vom All aus das Kleingedruckte auf weggeworfenen Tschick-Packerln lesen können. Und wenn wir schon dabei sind, wären die Einfädler von Marcel Hirscher auch ein Thema.

Wenn es um Werte wie Gerechtigkeit oder Chancengleichheit geht, sind ja Militärs ähnlich opferbereit wie Sepp „Friedensapostel“ Blatter. Apropos Friedensapostel. Bill Clintons härtere Hälfte, US-Außenministerin Hillary Clinton setzt die verurteilte Doperin und Lügnerin Marion Jones als Diplomatin ein. Jones (36) gewann bei den Olympischen Spielen von Sydney mehrere Goldene in den Sprintbewerben, und wurde 2007 wegen Falschaussage über ihre Dopingmethoden zu einer Haftstrafe und 400 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Heute mahnt sie Kindern: „Take a break.“ Bevor sie eine schwerwiegende Entscheidung treffen.

Das wäre doch auch eine Karrierechance für österreichische Dopingsünder. Steffi Graf springt als Kindergärtnerin ein. Susanne Pumper suppliert im Turnunterricht. Bernhard Kohl trainiert Fahrradboten und Lisa Hütthaler die Bundesheer-Ausbildner. Die Bildungs- und Heeresreform braucht jede Menge originelle Ideen und unverbrauchte Kräfte, die nichts kosten. Und zur Sicherheit könnte man das Ganze ja mit Kameras überwachen lassen. David Schalko würde daraus eine ORF-Serie machen und Hoanzl täte mit einer DVD-Reihe die Kosten decken.

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