Inselhüpfen mit Ball

Banker und Sturm-Präsident Christian Jauk: Fußball ist Hochrisikogeschäft

Christian Jauks Bindung an Sturm Graz ist so eng, dass der Vorstand der Capital-Bank und der Bank Burgenland sogar für Stunden seine Scheu vor der Öffentlichkeit ablegte. Vor wenigen Tagen ließ er sich zum neuen Präsidenten von Sturm Graz wählen. „Ich wollte eine Eskalation bei der Generalversammlung vermeiden“, sagte er im Falter-Interview. Den Bitten von Freunden, die das nur mit ihm machen wollten, habe er nachgegeben. „Das“ ist innerhalb von fünf Jahren die zweite Rettung des geliebten Vereines, bei dem sein Sohn den Kapitän einer Akademie-Mannschaft gibt. Sein Vorgänger Gerald Stockenhuber war überfordert. Mit der Suche nach einem Manager (die Sache wurde inzwischen mit Heinz Palme per Abstandszahlung bereinigt) und den Verhandlungen mit Trainer Franco Foda. Außerdem wollten die Fans das Sponsorlogo von Puntigamer aus dem Vereinsnamen löschen. Auch diese Kabale ist bereinigt, Puntigamer bleibt auf dem Wappen.
Sturm wird die Profi-Abteilung in eine Kapitalgesellschaft auslagern, für sie zwei Geschäftsführer casten. Präsident Jauk bildet mit dem Vorstand (Ehrenpräsident Hans Fedl, Holding-Graz-Marketing-Chef Gerhard Goldbrich, der Vorstand der Energie-Steiermark, Oswin Kois, Porr-Landesdirektor Peter Schaller, Unternehmer Ernst Wustinger und Bernd Kronawetter als Fan-Vertreter) den Aufsichtsrat. Jauk: „Wir brauchen in Österreich eine neue Funktionärskultur, weg von den Selbstdarstellern, hin zu professionellem Management von Fachleuten.“ Das Rollenvorbild ist der Gewerkschafter und Austria-Präsident Wolfgang Katzian, der die Manager Markus Kraetschmer (Finanzen) und Thomas Parits (Sport) werken lässt. Der Klub ist ihm „Herzensangelegenheit“ und Auftrag, die sozial integrative Kraft des Fußballs auszubauen. „Wir sind der einzige Bundesligaklub mit einer Mannschaft in der Frauenbundesliga und in der Futsal-Liga.“
Am 23. Oktober 2006 meldete präsidet Hannes Kartnig Sturms Konkurs an. Der Gutachter Fritz Kleiner listete 8,7 Millionen € an Schulden auf. Jauk 2007 orchestrierte die Sanierung, mittels  einer Marketing-Gesellschaft, an der die Styria Media, die Grazer Wechselseitige und die steirische Raiffeisen Landesbank je 25 Prozent hielten. Der Rest wurde von einer Riege betuchter Sturm-Fanatiker aufgebracht. Allem Anschein nach derselbe Freundeskreis wie heute.
„Im Fußball kannsst du alles richtig machen, und dennoch wirkt sich das nicht im sportlichen Erfolg aus“, sagt er. „Nichts ist so riskant wie dieses Geschäft.“ Wie Inselhüpfen, von einem unsicheren Jahr zum nächsten. Jauk: „Mäzene wie Frank Stronach und Dietrich Mateschitz ruinieren den Markt.“ Außerdem könnte ein Verein wie Sturm mit den Wiener Großklubs nicht mithalten, weil die öffentliche Hand dort ungeheure Summen in den Fußball investiert. Austria und Rapid haben innerhalb von kaum zehn Jahren rund 60 Millionen € für die Stadien und die Infrastruktur erhalten. Jauk: „Wir brauchen eine Subventionsbeschränkung, um den unfairen Wettbewerb zu beenden.“
Seriöse Planung ist machbar, aber keine Garantie für sportlichen Erfolg. Surm ist zwar regierender Meister, aber das Budget ist für solche Ansprüche in Wahrheit zu schmal. Jauk: „Wir haben keine Schulden, im abgelaufenen Geschäftsjahr sogar ein kleines Plus erwirtschaftet und die höchste Eigenkapitalquote aller Bundesligavereine.“ Das Trainingszentrum hat Sturm bar bezahlt. Fünf Millionen Euro. Dank der Verkäufe der Spieler Sebastian Prödl (Werder Bremen) und Christoph Leitgeb (RB Salzburg). Das Jahresbudget beträgt rund neun Millionen €, mit Europacup rund 15. Jauk: „Vom Umsatz her ein Mittelbetrieb, von der Öffentlichkeitswirkung ein Großbetrieb.“
Die Zeiten waren auch in Graz schon rosiger. Unter „Landesmutter“ Klasnic und Sportlandesrat Hirschmann flossen riesige Subventionen Richtung Sturm Graz und GAK. Durch die Konkurse (GAK in acht Jahren frei Mal!) hat die Landespolitik freilich das Vertrauen zu den Fußballfunktionären verloren. Jauk: „Wir müssen das Vertrauen wieder aufbauen.“ Nicht nur, um Subventionen loszueisen. Profi-Fußball muss aufpassen, seine Vorbildwirkung nicht durch Gier zu verlieren. „Internationale Stars verdienen ein Vielfaches von Staatschefs. Dennoch sind die Menschen den Politikern das Geld neidig. Wir brauchen auch im Fußball eine moralische Diskussion.“

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