Der GAK ist tot, es lebe der GAK

In dem Grazer Klub stecken massive und merkwürdige Förderungen

Der Grazer Athletik Klub hat in seinen 110 Jahren einiges erlebt. 2004 wurde er Fußballmeister und Cupsieger, vor wenigen Wochen hat er den vierten Konkurs seit Anfang 2007 hingelegt. Am Vorabend des Krampustages beschloss die Hauptversammlung, den Verein unter anderem Namen neu zu gründen. Der alte GAK bleibt eine Karteileiche, um die Ansprüche der Gläubiger im anstehenden Insolvenzverfahren zu befriedigen. Ein massiv mit öffentlichen Geldern gestützter Klub tritt ab.

Die Zeitgeschichte der GAK-Förderungen beginnt  im September 2001. Das Land Steiermark und die Stadt Graz sagten damals den Vereinen GAK und Sturm Graz jeweils ein Drittel der Errichtungskosten für je eine Nachwuchsakademie um 90 Millionen Schilling zu. Der Gerichtsgutachter Fritz Kleiner schreibt im ersten von mehreren Gutachten zum GAK, der damalige Sportlandesrat Gerhard Hirschmann habe eine „Stille Beteiligung des Landes Steiermark am Betrieb der Fußballakademien von Sturm Graz und GAK“ gewählt. Zwar ist Gutachter Kleiner inzwischen von seinem Mandat zurückgetreten, doch seine Erkenntnisse bleiben bei der Staatsanwaltschaft Graz. Kleiner weist in dem peniblen Gutachten darauf hin, dass der (von Österreich unterschriebene) Maastricht-Vertrag vorschreibt, ein Staat müsse alle Konkurrenten auf einem Markt (alle Bundesligaklubs) gleich fördern. War die „Stille Beteiligung“ ein Versteck vor dem EU-Wettbewerbsrecht?

Neben der Akademie benötigte der GAK zu Beginn des neuen Jahrtausends auch ein neues Zuhause. Der Klub verkaufte die Pachtrechte für die zu eng gewordene Anlage in der Körösistraße, erhielt dafür rund zwei Millionen Euro und baute sich 2003/2004 im Norden von Graz auf dem Boden der städtischen Holding das Trainingszentrum Weinzödl. Laut Kleiners Gutachten verwendete der GAK entgegen den Vereinbarungen jedoch mehr als die Hälfte der Pacht-Ablöse nicht für das Trainingszentrum, sondern für Lohnzahlungen und Verbindlichkeiten gegenüber der Steiermärkischen Gebietskrankenkasse.

Die (nicht mit der Akademie zu verwechselnde) GAK-Anlage Weinzödl sollte rund 7,7 Millionen Euro (Kleiner, S. 141) kosten. Das Bundesland Steiermark spendete (Fördervereinbarung vom 31. 3. 2003) wiederum: 2,6 Millionen €. Die Stadt Graz sagte 2,1 Millionen € zu. Viereinhalb Jahre später ging der GAK mit Schulden von 16 Millionen Euro zum ersten Mal in Konkurs.

Tatsächlich zahlte die Stadt Graz bis zum zweiten Konkursantrag des GAK im November 2007 bloß 654.000 € für das Trainingszentrum. Der GAK benützte die Anlage jahrelang, blieb Mietraten schuldig und wurde schließlich hinausgeworfen. Eine Investorengruppe um Alt-Präsident Rudi Roth erwarb die Anlage um eine Million Euro aus der GAK-Konkursmasse und wollte der Stadt Graz das Areal um 1,7 Millionen zurückverkaufen. Aber der Deal platzte.

Jetzt darf der neue Klub ohne Namen wieder in Weinzödl üben. Denn der Ex-Präsident und neue Vizepräsident Harald Fischl hat eine Bankgarantie von 100.000 € für die Miete hinterlegt.

Besser so, meint Fischl. Was weiss man, was die grantige GAK-Guerilla angestellt hätte, wenn in Weinzödl Fremde herumturnen und der eigene Klub obdachlos ist.

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